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Kultur Kelly God singt Isolde
Nachrichten Kultur Kelly God singt Isolde
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16:58 11.09.2018
Darauf einen Schluck: Kelly God wird die Isolde singen. In der „Mini-Bar“ wird er der eigens kreierte Cocktail „Isoldes Todestrank“ serviert. Macht aber lebendig. Quelle: Foto: Queren
Hannover

Ein Interview über Cocktails, dreieinhalb Stunden Oper netto, Hochleistungssport für Stimmbänder und Tränen trocknende Taschentücher vom Intendanten.

Und, wie schmeckt der Cocktail?

Super, sehr gut. Schmeckt wunderbar. Was ist das?

„Isoldes Todestrank“ – extra vom Barkeeper für uns kreiert. Da drin ist Gin, Cherry-Likör, ein bisschen Chambord-Himbeerlikör, Lime-Juice Cordial, alles geschichtet, obendrauf ein wenig Cranberry-Saft mit einem winzigen Schuss Soda. Nun ist die Isolde eine, wenn nicht die Hammerpartie für Sängerinnen. Muss man sich da Mut antrinken?

Das ist eine wirklich große Rolle, die nicht von jedem Sopran gesungen werden kann. Intendant Michael Klügl ist auf mich zugekommen und hat mir vor zwei Jahren die Rolle angeboten. Ich habe Und sofort ja gesagt, ich und war einfach nur glücklich darüber.

Wie ist das überhaupt mit dem Singen und Cocktails oder Alkohol überhaupt?

Niemals, das geht nicht zusammen. Ich trinke eigentlich so gut wie keinen Alkohol. Ab zwei Tagen vorher überhaupt keinen Tropfen, Singen ist Hochleistungssport.

Wie sind Sie zur Isolde gekommen?

Ach, schon ganz früh, es war meine erste CD, die ich auch gekauft hatte. Mit Birgit Nilsson und Georg Solti. Seitdem hatte ich gehofft, dass ich die Partie mal singen darf. Besonders schön ist es, dass ich das jetzt in meiner 13., meiner letzten Spielzeit, in Hannover das mache.

Was liegt jetzt in Ihren CD-Player?

Eine CD von meiner viereinhalbjährigen Tochter – Kinderlieder.

Und die will auch Sängerin werden?

Bestimmt! Meine Mutter sagt, sie ist lauter als ich in dem Alter. (lacht)

Die neue Intendantin wird Sie also nicht übernehmen?

Nein, ich werde dann frei tätig sein. Für 2020 habe ich auch schon Engagements, ich werde die Isolde in den Niederlanden singen.

Wie gehen Sie die Isolde-Rolle an?

Das sind schon sehr viele Noten, sehr viel Text …

… auch seltsamer Text. Wagner-Text halt, auch für uns Deutsche bisweilen schwer verständlich ...

Den muss man sich erarbeiten. Wir haben bei der Inszenierung auch viel über einzelne Sätze gesprochen. Manche Sätze brauchen hier länger, bis sie im Gehirn sind. Nicht nur ich als Niederländerin habe damit Probleme. Die Vorlaufzeit für den „Tristan“ lag insgesamt bei eineinhalb Jahren.

Die Partie geht über Stunden, wie teilt man sich die Kräfte ein?

Es ist körperlich schon sehr anstrengend – vielleicht wie einmal den Kilimandscharo erklimmen. Ich bin froh, dass ich mich rein stimmlich danach immer noch fit fühle und sogar noch Reserven habe. Das ist immerhin die größte weibliche Opernrolle, die es gibt.

Was kann man schon zur Inszenierung sagen?

Ich bin sehr froh, dass Stephen Langridge diese Inszenierung macht. Er geht sehr tief auf den Texte ein. Wir versuchen aus der Opernfigur einen wahren Menschen zu machen von himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt. Das wollen wir rüberbringen – sonst kann man „Tristan“ ja auch einfach konzertant aufführen.

Wo hat Stephen Langridge seinen „Tristan“ angesiedelt?

Seine Isolde wird auf einer Art Insel ausgesetzt, die sich sehr langsam über die Bühne bewegt – von Irland nach Cornwall. Ein Schiff gibt es nicht. Im Hintergrund ist eine riesige Röhre, in dem sich zwei Butoh-Tänzer bewegen. Ein große, weiße Bühne, es wird sehr viel mit Licht gearbeitet. Die Geschichte wird sehr klar und deutlich erzählt. Sieben Mal wird es gespielt.

Das ist Ihr erster Intendantenwechsel. Was ist das für ein Gefühl?

Ein bisschen Wehmut und die Chance wegzugehen aus Hannover. Ich habe hier tolle Partien gesungen und mich immer wohlgefühlt. Hier habe ich die Möglichkeit bekommen, mich zu entwickeln. Ich habe dann 18 Jahre auf der Bühne gestanden – wenn ich meine Zeit in Erfurt noch mitzähle. Ich kann meine Jahre hier jetzt abschließen mit meiner absoluten Traumpartie.

Hannover steht für konsequentes Ensemble-Theater, das mit wenigen Gästen arbeitet – für Sie ein Modell, dass noch Zukunft hat?

Ich würde es sehr schade finden, wenn das vorbei geht. Hannover ist eins der größten Opernhäuser, die noch über ein so großes Ensemble verfügen. Sänger haben hier die Chance, sich aufbauen zu können. Michael Klügl ist dabei ein vorbildlicher Intendant, der den Sängern Zeit gibt. Da kenne ich auch andere Intendanten, die die Sänger sofort fordern – und dann stehen die Sänger nach zwei Jahren draußen vor und können nicht mehr singen.

Als Sänger muss man sich auch zurückhalten?

Aber klar, das ist die eigene Verantwortung. Ich wusste, dass meine Zeit als Isolde kommt. Aber eben nicht zu früh. Ich glaube, dass wir heute in einer Zeit leben, in der jeder einfach denkt, er komme zu spät. Man muss sich aber ganz, ganz langsam aufbauen, die Technik und die Kondition entwickeln, nicht gleich die Brünnhilde singen, weil sonst zum Beispiel die Stimmbänder ausleiern können. Man braucht immer jemanden, der einen schützt.

Und der Konkurrenzdruck ist sehr hoch?

Es gibt heute so viele Sänger und vergleichsweise wenige Stellen – und manche Sänger sagen sich, dass sie eine zu große Rolle dann wenigstens einmal gemacht haben.

Und Sie machen Ihre Isolde zum richtigen Zeitpunkt …

Unbedingt – und meine letzte Premiere in Hannover. Ich habe den Intendanten gebeten, nach der Vorstellung ein Taschentuch neben der Bühne bereit zu halten.

Von Henning Queren

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