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TUI-Arena

Keine Panik! Hier rockt Udo Lindenberg Hannover

Er weiß es selber: „Einer muss den Job ja machen, bitte keine halben Sachen, einer lässt es richtig krachen“, singt Udo Lindenberg, und 10 000 Fans in der ausverkauften Tui-Arena in Hannover jubeln. Da ist er, die Nachtigall aus Hamburg, der „VEB-Sänger, der Edelproll“.

Gerade ist er nach vorne geschwebt, auf dieses Bühnenwunder aus LED-Wänden, das mal Naturlandschaft ist, mal nur Kulisse, mal Kintopp, mal Erinnerungsträger und immer eine famose Revue. Zu den tosenden Klängen von „Odyssee“ war das – „und keiner weiß, wohin die Reise geht“. Käpt’n Udo nimmt Kurs, „Gegen die Strömung“ und „Durch schwere Zeiten“. Einer muss es ja tun, ein Begleiter ist der frisch 70-Jährige, ein Vereiner, endlich wieder. „Was wäre die Alternative gewesen?“, fragt er: „Nicht 70 werden?“ Bloß nicht. Die Panikfamilie ist riesig geworden, bitter nötig.
Lindenberg war mal mächtig abgesackt, verschwunden in Alkoholismus und Bedeutungslosigkeit. Das Verhältnis der Deutschen zu diesem Idol war zerrüttet. Der Schriftsteller Benjamin von Stuckrad-Barre, auch eine der geretteten Seelen aus der großen Panikfamilie, hat dem gerade ein literarisches Denkmal gesetzt; der autobiografische Roman „Panikherz“ wurde ein Bestseller, wie alles, was derzeit mit Udo zu tun hat.
„Stärker als die Zeit“, das jüngste Album? Natürlich ein Nummer-eins-Hit. Sechs Lieder davon haben es in das aktuelle Live-Programm geschafft, „Plan B“ darunter, „Mein Body und ich“, „Coole Socke“ – Udo trägt ganz unten rum natürlich wieder Neongrün.

Lindenberg war mal Karikatur seiner selbst; heute ist er ein Markenzeichen. Es gibt in diesem Land keinen Künstler mit solchen Wiedererkennungswerten: die Stimme, der Tonfall, die Sprache, die Silhouette, die Kleidung, der Tanzstil, wenn man den überhaupt so nennen mag, mit den trappelnden Füßen und dem geschwungenen Mikro.

Noch wichtiger: seine klare Haltung, seine politische Überzeugung der Toleranz und der Nächstenliebe, der gelebte Traum der „Bunten Republik Deutschland“. Sebastian Krumbiegel von den „Prinzen“, Daniel Wirtz, der volltätowierte „Sing meinen Song“-Aufsteiger, kommen dazu, Kollege Johannes Oerding („Cello“), Musical-Star Josephin Busch („Gegen die Strömung“), Stefanie Heinzmann („Ich brech’ die Herzen der stolzesten Frauen“). Und zu „Wozu sind Kriege da“ ein Kinderchor. Tränen schießen ein, Denken beginnt. Noch einmal: Einer muss es ja tun, diese Fragen stellen, Position beziehen, gegen Borniertheit, gegen rechten Terror und den Rassismus der AfD.

Eine famose Entertainmentmaschinerie: Alles ist wieder klar auf der Andrea Doria; Bodo Ballermann, Jonny Controlletti und Candy Jane schauen vorbei. „Der Greis ist heiß“ – wer, wenn nicht er? Um solche Charismatiker scharen sich die Menschen. Viele Gleichaltrige im Publikum; wahrscheinlich hoffen sie, dass es abfärbt. Allerdings: Wenn er singt „Ich mach mein Ding“, ist das eine Ansage; 20 Mann mit „Ich mach mein Ding“-T-Shirt sind Realsatire.

Mit „Woddy Woddy Wodka“ verabschiedet Lindenberg sich nach bald drei Stunden: „Ich zisch jetzt erst mal locker durch die Decke, immer schön der Nasa nach.“ Tuts, verschwindet mit Blitz und Donner, hinterlässt glücklich schlagende Panikherzen. Der Udonaut fliegt wieder in sein Lindiversum. Hinterm Horizont gehts schließlich weiter, immer weiter. Einer muss den Job ja machen.

Mittwoch ab 20 Uhr rockt Lindenberg wieder die Tui-Arena. Es gibt noch Restkarten für den Innenraum – für 67 Euro in den NP-Ticket-Shops.


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