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WELTWEIT AUF ACHSE:  Kaya Yanar nimmt sein Publikum mit auf Reise.© Nadine Dilly

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NP-Interview

Kaya Yanar über die Lust, die Welt zu entdecken

Kaya Yanar kommt viel herum, er ist der Weltenbummler unter den Comedians. Seine Erkenntnisse hat er in seinem Programm „Around the World - Wenn Kaya eine Reise tut“ zusammengefasst, das er am 3. Oktober in der Swiss Life Hall präsentiert. Im NP-Interview spricht er über seine Reisen, seine besodere Beziehung zur Schweiz und über seinen Blick auf die Flüchtlingskatastrophe.

Ihr aktuelles Programm heißt „Around the World“. Hatten Sie in diesem Jahr schon Zeit, dafür neues Material zu sammeln?

Doch, doch, in den Sommermonaten schon. Da hatte ich eine dreimonatige Tourpause. Und im Herbst habe ich jetzt mal keine Fernsehprojekte, sonst hätte ich im Sommer schon irgendwas gedreht. Es war also ein relativ entspannter Sommer. Naja, ich hatte schon noch was zu tun, habe das Programm für nächstes Jahr geschrieben und noch zwei, drei andere Kleinigkeiten. Aber ich konnte mir den Ort, wo ich das mache, selbst aussuchen, und komme jetzt gerade erst aus Kanada zurück. Das war großartig, wir waren in Vancouver, Victoria, Seattle, das sind tolle Städte. Da habe ich Inspiration geschöpft für neue Programme.

Sie haben auf Ihren Reisen oft Kamerateams dabei, Sie beobachten sehr genau - ist Reisen für Sie Arbeit oder Vergnügen?

Absolut Vergnügen. Ich hab' meiner Freundin in den zwei Wochen in Kanada 20-mal die Frage gestellt: ‚Weißt du, was der größte Vorteil ist, wenn wir unterwegs sind?“ Und sie sagte schon beim zweiten Mal: „Das ist die Anonymität.“ Das ist tatsächlich der Grund, warum ich so wahnsinnig gerne verreise. In Deutschland kann ich die Leute gar nicht mehr so genau beobachten, weil sie mich kennen - und mich dann beobachten und dann auch meistens ihr Verhalten ändern.

Wo lohnen sich Beobachtungen besonders?

Eine unerschöpfliche Quelle von Comedy ist zum Beispiel der Transit. Ob es am Flughafen ist, um in den Flieger ein- und auszusteigen, ob in einem Zug oder in einem Boot: Da Leute zu beobachten, die ihre 2000, 3000 oder 5000 Jahre alte Zivilisation über Bord werfen, wenn aus einem 2015-Mensch ein Urmensch wird, der versucht, sich nach vorne zu drängeln - da fehlt dann nicht viel, und plötzlich werden wir alle wieder barbarisch und kämpfen um den besten Platz. Das sind so Beobachtungen, die machen wahnsinnig Spaß, daraus kann man auch ganze Nummern stricken. Und das sind so Beobachtungen, die kann ich am besten im Ausland machen.

Gibt es ein Land oder Volk, das Sie noch nicht gesehen haben, das Sie aber unbedingt noch besuchen wollen?

Ja, definitiv. Was ganz oben auf der Liste steht, ist Afrika. In Nordafrika, in Marokko war ich. Ich hab‘ noch nie eine Safari gemacht, der ganze Kontinent ist komplett unerschlossen. Russland, diese Weite, habe ich auch noch nie gesehen. Das sind die zwei, ich sage mal: Kontinente, die mir noch fehlen, die noch wie große weiße Punkte sind. Ansonsten habe ich alles ganz gut erschlossen für mich, da habe ich meine Neugierde befriedigen können.

Was war denn Ihr schrägstes Erlebnis unterwegs?

Da gibt es 'ne ganze Menge. Einmal gibt es da die Verständigungsschwierigkeiten. Ist immer kompliziert, wenn man mit Englisch oder Französisch nicht weiterkommt. Und in China sprechen die Leute Kantonesisch oder Mandarin und keine Fremdsprachen. Da habe ich schon oft Schwierigkeiten gehabt: Ich hatte kein Geld, mein Kreditkarte wurde nicht akzeptiert, ich musste meinem Taxifahrer mit Händen und Füßen klarmachen, dass er mich erst ins Hotel fahren soll und dass ich dann da bezahle. Er hat mich dann zum nächsten ATM (Geldautomat, d. Red.) gefahren, wo meine Kreditkarte auch nicht akzeptiert wurde. Das war eine Anderthalb-Stunden-Odyssee für eine zehnminütige Fahrt, weil er halt nicht verstanden, wo ich hinwollte. Am Ende hat sich alles aufgelöst und alle haben gelacht, aber zwischendurch habe ich schon gedacht: Oh Gott, was macht er jetzt mit mir? Fährt er in einen Hinterhof und verprügelt mich?

Können Sie mittlerweile eigentlich Schwyzerdütsch?

Es geht. Meine Freundin hat neulich das bisschen Selbstbewusstsein, das ich hatte, komplett zerstört. Als ich sagte: ‚Mein Schweizerdeutsch klingt doch suprrr, odrrr? Ich falle gar nicht mehr auf, odrrr?‘ Da sagte sie: ‚Das ist doch kein Schweizerdeutsch, das ist irgend so ein bajuwarisches Dummgebrabbel-Gemisch’. Und dann hat sie angefangen, Schweizerdeutsch zu sprechen, und ich habe bloß die Hälfte verstanden. Also, das ist nicht einfach, weil da jedes Wort anders betont wird. Man sagt nicht: ‚Ich geh‘ jetzt einkaufen‘, sondern „Gemma go shoppe‘. Was das ‚go“ da in der Mitte des Satzes zu suchen hat, weiß ich bis heute nicht.

Der Name Ihrer Schweizer Freundin ist immer noch ein Geheimnis. Sie haben jetzt die exklusive Chance, ihn uns zu verraten…

…ich glaube, der bleibt ein Geheimnis (lacht)

Können Sie denn zumindest das schöne Vorurteil bestätigen, dass der Schweizer an sich langsam ist?

Das geht. Wenn meine Freundin Schweizerdeutsch spricht, ist sie sehr schnell. Ich glaube, das Vorurteil trifft am ehesten auf die Berner zu. Das sagt man in der gesamten Schweiz so. Die Deutsch-Schweizer in Zürich zum Beispiel wehren sich sehr dagegen, sie sagen: „Ihr meint die Berner, odrrr?“ Insgesamt ist das Schweizerdeutsch von der Sprachmelodie her doch ein bisschen gemütlicher. Aber ich hab‘ jetzt so wahnsinnig viel Schweizerdeutsch gehört, ich finde es durchaus schnell. Ich denke, dass der Deutsche den Schweizer langsam findet, weil es hier das Tempolimit 120 gibt. Das nervt halt manchmal, und deswegen kommt einem die ganze Welt langsam vor.

Aber Sie schmeicheln sich bei den Schweizern ein: Anfang 2016 touren Sie mit „Der Reiz der Schweiz“ durch die Schweiz. Ist das dem deutschen Publikum nicht zumutbar?

Ich werde natürlich einiges aus „Reiz der Schweiz“ im neuen Programm, das ich ab März in Deutschland spiele, integrieren. Ich hab‘ halt gemerkt, dass über viele Dinge nur in der Schweiz gelacht wird. In der Schweiz gibt es beispielsweise die A- und die B-Post, die schnelle und die langsame Post. Da amüsiert sich der Deutsche im aktuellen Programm zwar drüber, ich habe aber gemerkt, das ist eher eine Nummer, die in der Schweiz funktioniert. Deswegen habe ich solche Dinge ausgegliedert, weil ich das Gefühl habe: Dafür muss man die Schweiz schon näher kennen, das sind schon fast Insider-Gags. Und weil ich durch meine Freundin die Schweiz in den letzten Jahren ein bisschen kennen gelernt habe, haben wir das für die Schweiz ein bisschen aufbereitet, mit einer kleinen Tour.

Wie heißt Ihre neue Tour in Deutschland?

Soviel dazu: In dem neuen Programm werde ich darüber quatschen, wie das so in der Showbranche ist. Darüber, wie mein Leben war, bevor ich berühmt wurde, was für Jobs ich da gemacht habe, wie ich mich durchgeschlagen habe. Wie der Durchbruch kam, wie das mein Leben verändert hat, und wie es heute so ist. Auch, weil die Leute sich für Persönliches interessieren und nicht nur für Sprachen, Kulturen und Reisebeobachtungen. Sie sagen: ‚Erzähl‘ mal was von dir - und sei mal ehrlich‘. Und dann erzähle ich: Wie es ist, mit Medien zusammenzuarbeiten oder auf Tour zu sein. Oder über die Autobahnstreifen-Krankheit, wie ich sie nenne, weil ich so viele Kilometer auf der Autobahn abreiße und nachts immer diese weißen Streifen sehe, so dass ich vorm Einschlafen weiße Streifen zähle und keine Schäfchen mehr. Über dieses Leben backstage, wie das mit den Fans ist und wie sich die Fans verhalten, wenn sie mich sehen - dieses ganze Showbiz werde ich dann mal ein bisschen auf die Schippe nehmen.

Was manche vielleicht nicht wissen: Sie ernähren sich nicht nur vegetarisch, sondern sogar vegan…

…Teilzeitveganer (lacht)

…in jedem Fall ernähren Sie sich fleischlos…

…schon seit vielen Jahren.

Wie ist es dazu gekommen? Und haben Sie irgendwelche Änderungen bemerkt? Abgenommen vielleicht?

Ich hab‘ sogar zugenommen (lacht). Nur weil man sich fleischlos ernährt, heißt das nicht, dass das irgendeinen kosmetischen Effekt auf den Körper hat. Ganz ehrlich: Erst, seitdem ich mit meiner Freundin zusammen bin, achte ich ein bisschen auf meine Ernährung. Sie ist da schon bewusster als ich, und ich hab‘ mir früher alles mögliche reingepfiffen außer Fleisch, auch zu jeder Uhrzeit.

Seit Sie mit Ihrer Freundin zusammen sind, ernähren Sie sich also vegan, und vorher vegetarisch?

Nee, das Vegane kam gar nicht durch meine Freundin. Als wir vor zwei Jahren Urlaub gemacht haben, habe ich mir ein paar Bücher auf mein Tablet runtergeladen, was gerade so angesagt war, für Flüge und Hotelaufenthalte. Und da waren diese Bücher von Attila Hildmann, ‚Vegan to go‘ oder ‚Vegan for Fit‘ gerade in den Chats. Ich habe das einfach mal so durchgelesen und fand das sehr inspirierend, und dann haben wir das mal so sechs bis acht Monate durchgezogen. Wir hatten seitdem immer mal wieder vegane Phasen, aber meine Freundin ist Vegetarierin und nicht Veganerin. Aber durch meine Freundin ernähre ich mich generell gesünder, egal ob vegetarisch oder vegan, weil ich mich früher außer fleischlos schlecht ernährt habe.

Besondere Auswirkungen gab es aber nicht?

Ich kann Ihnen nicht mal sagen, ob mein Körper dadurch viel fitter geworden ist. Warum ich fleischlos lebe, hat rein ethische Gründe. Es gibt ja mehrere Gründe, warum man auf Fleisch verzichtet. Es gibt einen hedonistischen Vegetarismus oder Veganismus, wenn man sagt: ‚Ich will einfach nur gesund bleiben‘. Wenn es gesund wäre, jeden Tag zehn Kilo Fleisch zu essen, würde es wahrscheinlich viele hedonistische Menschen geben, die auch das machen würden. Leute, die aus diesen Gründen vegetarisch leben, machen das nicht aus ethischen Gründen, sondern für ihren eigenen Körper. Ich gehöre eher zu einer anderen Kategorie: Was esse ich, und muss ich dafür dieses Leben töten oder nicht - und Hedonismus oder gesundheitliche Dinge kommen für mich erst an zweiter oder dritter Stelle.

Sie sind türkischstämmiger Deutscher, mit einer Schweizerin liiert, sind weit und oft gereist. Wie ist Ihr Blick auf die Flüchtlingskatstrophe?

Aufgrund meiner Historie ist ja ganz klar, was für eine Meinung ich vertrete. Meine Eltern waren in den 60er Jahren nicht politisch oder religiös verfolgt, aber im weitesten Sinne waren sie Wirtschaftsflüchtlinge. Mein Vater suchte ein besseres Leben und ist in ein anderes Land ausgewandert. Ich wurde hier geboren und alle sind mit dem Ergebnis nicht nur zufrieden, sondern glücklich. Mein Vater war immer sehr dankbar, die Chance hier bekommen zu haben. Ich habe hier nicht nur einfach existiert, überlebt und mich sicher gefühlt, sondern habe hier eine fabelhafte Karriere erleben dürfen. Allein schon deshalb könnte ich es Leuten nicht verweigern, nach Deutschland zu kommen und hier ihr Glück zu probieren. In der Welt und vor den Toren Europas ist wahnsinnig viel passiert, da muss man als Europäische Union reagieren. Darauf war man nicht vorbereitet und da braucht man eine Strategie. Ich bin natürlich absolut dafür, die Leute aufzunehmen, ob das jetzt vorübergehend oder langfristig ist. Irgendwann wird sich die Lage zum Beispiel in Syrien ja auch hoffentlich wieder beruhigen, und die Leute wollen ja auch wieder zurück in ihre Heimat. Das Heimatgefühl ist nur sehr schwer aufzugeben, dass habe ich ja an meinen Eltern gesehen. Obwohl sie sehr froh und dankbar waren, in Deutschland zu leben, ging das nie weg, diese Heimatsehnsucht. In erster Linie geht es jetzt darum, das Leben und die Existenz zu retten, und erst in zweiter Linie, was mit den Leuten in Zukunft passiert. Ich finde, Deutschland hat Kapazitäten. Mir missfällt diese dumpfe Behauptung: ‚Wir haben kein Geld, wir brauchen das für unsere Kitas und Kommunen‘. 0,48 Prozent des Bundeshaushalts werden für Flüchtlingshilfe ausgegeben, ich glaube nicht, dass das in der Portokasse Deutschlands so auffällt. Schon aus ethischen Gründen kann man die Grenzen nicht zumachen. Auch, wenn die Leute irgendwann wieder zurückwollen, ist es einfach gut, wenn man sie ein paar Jahre begleiten kann, für alle Beteiligten. Das ist auf jeden Fall ein gutes Karma.

Ursprünglich sollte Ihr RTL-Wochenrückblick „Geht‘s noch? Kayas Woche“ im Herbst mit der vierten Staffel weitergehen. Das ist offenbar verschoben worden…

Die kommt im Frühjahr 2016. Ein aktuelles, wöchentliches Format braucht acht bis zehn Folgen, damit die Leute überhaupt wissen, dass ich wieder auf dem Sender bin. Es ist schon sicher, dass ich im nächsten Jahr diese Sendeplätze habe, aber ich hoffe, dass es mehr werden. Mir macht die Show wahnsinnig viel Spaß, vor allem, weil wir in der Redaktionssitzung am Montag nicht wissen, was bis freitags passiert. Also, es wird im nächsten Jahr auf jeden Fall weitergehen, worauf ich mich sehr freue.


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