Navigation:
ARCHIV - Der türkisch-deutsche Komiker und Fernsehmoderator Kaya Yanar posiert am 08.11.2013 im Europa-Park in Rust (Baden-Württemberg) für den Fotografen. Yanar soll der fünfköpfigen Fachjury beim ersten Comedy-Festival des Radiosenders SWR3 angehören, bei dem erstmals der «SWR3 Comedy Förderpreis» verliehen wird. Foto: Patrick Seeger/dpa (zu dpa "Radiosender SWR3 verleiht erstmals Comedy-Förderpreis" vom 28.12.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit

© Patrick Seeger

|
NP-Interview

Kaya Yanar: „Deutschland braucht Liebe“

Er erforscht den „Planet Deutschland“: Mit seinem neuen Programm kommt Ethno-Comedian Kaya Yanar (43) am 22. Oktober in die Swiss-Life-Hall. Ein Interview.

Hannover. Ein Frankfurter mit türkischen Eltern und Schweizer Wohnsitz erforscht den „Planet Deutschland“. Warum?
Es wundert mich ja selber. Immer wenn ich ein neues Programm vorbereite und mich Freunde fragen: „Worüber willst du reden?“ - dann antworte ich: „Mich beschäftigt Deutschland.“ Und dann sagen die: „Aber das hast du doch schon gemacht, mit ,Made in Germany‘.“ Und dann sage ich: „Es hat sich doch so viel geändert. Und damals habe ich mich eher lustig gemacht.“ Heutzutage habe ich mehr das Gefühl, dass Deutschland ein bisschen Liebe und Zuneigung braucht.

Warum das?
Ich habe das Gefühl, dass es in Deutschland an allen Ecken und Enden kracht. Krise folgt auf Krise, Leute sind verunsichert und verärgert. Mit „Planet Deutschland“ geht es mir darum zu zeigen, wie schön und divers dieses Land ist.

Das widerspricht ein wenig denen, die „Wir sind das Volk“ schreien und damit sagen, dass es so etwas wie ein Volk gibt.
Genau, das gibt es einfach nicht. Es ist ein riesiges Land mit unendlich vielen Mentalitäten, Dialekten und Meinungen - ein einziges Volk gibt es nicht. Ich könnte natürlich wie jeder andere Komiker draufkloppen, ob es die Regierenden sind oder die von der AfD; das wäre eine Bank. Aber ich möchte sagen: „Deutschland ist trotz aller Probleme ein schönes Land. Lasst uns das doch bitte nicht vergessen.“

Beispiele bitte.
Ich bin oft gefragt worden, was typisch deutsch ist. Typisch deutsch ist, dass es nichts typisch Deutsches gibt außer den alten Klischees. „Der Deutsche trinkt Bier“? Die Polen haben den größeren Bier-Konsum. Fußballverrückter sind andere Leute. Die Türken sind mindestens genauso autoverrückt. Pünktlicher sind die Japaner.

Worüber machen Sie sich dann lustig?
Über das Schwäbische, das Berlinerische, das Bayerische und natürlich das Sächsische. Ich gehe über die Sprache, die Mentalitäten. Es geht aber auch darum, dass Deutschland ganz weit vorne ist beim Tierschutz. Ich gehe auf Sportarten ein - Yoga, zum Beispiel, ist einen Siegeszug durch Deutschland angetreten. Dieses Land ist ein Schmelztiegel, und das tut ihm gut.

Und die Geschichte?
Ich gehe ja auch auf die Geschichte ein, zum Beispiel darauf, dass immer mehr Forscher glauben, dass Vorfahren von Johann Wolfgang Goethe Türken waren. Das kam nämlich daher, dass nach der zweiten türkischen Belagerung von Wien Kriegsgefangene blieben, zu den Deutschen geschafft und dort assimiliert wurden. Weswegen man Goethe wahrscheinlich umbenennen sollte in Johann Murat Goethe (lacht). „Hier ist also der Kern von der Pudel“. Oder: „Der Worte sind genug gewechselt, jetzt gibts auf die Fresse!“ Wenn es so wäre, würden die Schüler den „Faust“ vermutlich gerne lesen.

Von wegen „Fack ju Göthe“?
Ja, genau. Und das sind so ein paar Fun-Facts, mit denen ich spiele. Dass Deutschland zum Beispiel das Land der Erfinder ist. Dass Carl Benz das Auto erfunden hat - aber gefahren hat es seine Frau. Dazu sage ich in der Show: „Ohne den Mut einer Frau gäbe es heute kein Automobil.“ Dann gibt es einen Riesen-Zwischenapplaus von den Frauen - bis ich hinzufüge: „Aber eingeparkt ...“ Dann jubeln die Männer.

Welche deutschen Eigenheiten bringen Sie immer wieder zum Lachen?
Die deutsche Sprache. Dass man mit ihr Riesenworte bauen kann, Donau-Dampfschiffahrt-Gesellschaft-Kapitän zum Beispiel. Aber eigentlich ist das positiv: Die deutsche Sprache funktioniert wie ein Baukasten; sie sagt, dass man Dinge zusammenbauen, etwas erschaffen und schaffen kann.

Prägt Sprache die Mentalität?
Ja, unbedingt. Wenn ich zum Beispiel im Ausland unterwegs bin und Englisch spreche, rede ich noch schneller, auch offener, weil es so eine einfache Sprache ist. Deutsch ist komplexer, und dann rede ich auch bedächtiger.

Wie kommen Sie als Schnellsprecher mit der Schweizer Bedächtigkeit klar?
Ich rede erst recht wie ein Wasserfall (lacht). Ich suche die Pausen in Gesprächen, in die ich eindringen kann. Das ist vermutlich auch ein Grund, warum ich mit einer Schweizerin zusammen bin: Ich kann mich an ihr in den Gesprächen austoben.

Welche Rolle spielt denn unsere schöne Stadt in Ihrem Programm? Welche hannoverschen Eigenheiten gibt es?
Ich bin gerne in Hannover, aber die Stadt hat für mich keinen erkennbaren Dialekt; das macht es schwierig. Ich habe in Hannover einen meiner allerersten Gigs überhaupt gehabt, 1995 oder 1996 bei der IAA. Ich habe in Laatzen bei einer Familie übernachtet, weil ich kein Geld für ein Hotel hatte. Und wenn ich heute „Laatzen“ sage, ist das immer schon ein Lacher. Aber sonst hat Hannover an sich recht wenige Angriffsflächen. Wir werden aber trotzdem auf jeden Fall viel Spaß haben.

Kaya Yanar live mit seinem Programm „Planet Deutschland“: am 22. Oktober ab 20 Uhr in der Swiss-Life-Hall. Karten kosten 36,50 Euro, ermäßigt 19 bis 27,90 Euro.


Bildergalerien Alle Galerien
Anzeige
Was halten Sie von einem Rauchverbot im Auto?

Alles über Hannover 96

Spielberichte, Hintergründe, Analysen - lesen Sie hier alles über Hannover 96.

Bilder des Tages

../dpa-InfoLine_rs-images/large/urn-newsml-dpa-com-20090101-140912-99-04060_large_4_3.jpg

Waschtag: Ein niederländischer Kavallerist wäscht zum «Prinsjesdag» den Schweif seines Pferdes. Foto: Martijn Beekman

zur Galerie