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Susan Sideropoulos konnte mit «Mila» nicht genug Zuschauer begeistern.

Susan Sideropoulos konnte mit «Mila» nicht genug Zuschauer begeistern. © Jörg Carstensen

Medien

Kahlschlag bei Sat.1

Zwei neue Serien, ein neues Magazin. Es ließ sich so schön an in der Herbstsaison. Doch der Privatsender Sat.1 hat seine Rechnung ohne das Publikum gemacht. Es interessierte sich nicht genug für die Sendungen "Mila", "Frauenherzen" und "Unser Tag".

Berlin. Der Privatsender Sat.1 erlebt weiter Rückschläge. Nach dem langen Siechtum des TV-Experiments "Newtopia" und seinem Ende im Juli griff die Sat.1-Geschäftsführung am Freitag erneut durch.

Die beiden Serien "Mila" und "Frauenherzen" sind ab nächster Woche nicht mehr an ihren Plätzen zu sehen, das Vorabendmagazin "Unser Tag" verschwindet ganz - ein dunkler Tag in der Geschichte des Senders.

Der Grund für das Eingreifen sind - wie fast immer bei solchen Anlässen - die Quoten. Die werktägliche Soap "Mila", auf 287 Tage angesetzt, sollte an die Tradition solcher Zuschauermagneten wie "Verliebt in Berlin" oder "Anna und die Liebe" anknüpfen. Doch nur am ersten Sendetag, dem 7. September, stieß "Mila", gespielt von Susan Sideropoulos, bei mehr als einer Million Zuschauern auf Gegenliebe. Am Donnerstag waren es nur 740 000. Nach zehn Folgen ist Schluss.

Noch schlechter lief es beim Magazin "Unser Tag", immer um 19.30 Uhr nach "Mila" zu sehen. 660 000 Zuschauer verloren sich am Donnerstag vor der Sendung, einer Mischung aus Information und Boulevard. Nun ist statt "Mila" und "Unser Tag" wieder die Dokusoap "In Gefahr" im Programm - eine Notlösung, denn gewollt war das so nicht. Auch die neue Dienstagabendserie "Frauenherzen" musste nach nur einer Folge mit enttäuschenden 1,34 Millionen Zuschauern bei dem Kahlschlag dran glauben. Für sie werde ein neuer Sendeplatz gesucht.

"Leider haben die Zuschauer beide Formate auf dem Vorabend-Sendeplatz nicht angenommen", sagte eine Sat.1-Sprecherin am Freitag. Noch am Ende der Vorwoche versuchte es der Sender mit Hinsicht auf "Mila" mit Zuversicht. "Ein neuer Vorabend braucht Zeit", hieß es da. "Daily Soap ist Marathon, nicht Sprint." Nun wird "Mila" vorerst samstags ab 26. September mit fünf Folgen am Stück beim Schwestersender Sixx weiterlaufen. Man werde die Geschichte von "Mila" sinnvoll zu Ende erzählen. "Die genaue Folgenanzahl geben wir noch bekannt."

Die Gründe für das Scheitern der neuen Formate mögen vielfältig sein. Eines ist aber gewiss: Traditionell konfektionierte TV-Formate im Stil der 90er Jahre oder zu Beginn des neuen Jahrhunderts, als Fernsehen noch zugkräftig war, finden immer weniger Abnehmer beim Publikum. Auch die Sendung "Newtopia", in der einige Camp-Bewohner in Brandenburg eine neue Gesellschaft gründen sollten, gehörte von ihrer Machart letztlich einer vergangenen Bewegtbildgeneration an. Die Fernsehmacher von heute plagt eine gewisse Ratlosigkeit, wie sie die Zukunft anpacken sollen, denn seine neuen Unterhaltungsformate sucht sich vor allem der junge User heute lieber im Internet.

Ist das Sat.1-Dilemma nun Anlass zum Zittern für die Konkurrenz? ARD und ZDF werden weiter auf Bewährtes wie Film und Serie nach konventionellem Strickmuster setzen und damit beim älteren Publikum auch Erfolg haben. Mit Produktionen wie "Weissensee" (29. September, ARD) erwarten den Zuschauer da aber auch anspruchsvolle Erzählformen mit historischen Dimensionen.

Mit Interesse dürfte die Entwicklung bei Sat.1 aber beim Konkurrenten RTL verfolgt werden: Der private Marktführer hält große Stücke auf seine neue zeitgeschichtliche Serie "Deutschland 83" - ein Misserfolg wäre fatal.

dpa


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