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DAS GRÜN VOM WEGESRAND SPIEGELT DIE STADT WIDER: Ausschnitt aus Julia Schmids großer "Zwei Kilometer Helsinki"-Tagel

DAS GRÜN VOM WEGESRAND SPIEGELT DIE STADT WIDER: Ausschnitt aus Julia Schmids großer "Zwei Kilometer Helsinki"-Tagel© Roland Schmidt

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Kunst

Julia Schmid porträtiert Großstädte

Was macht eine Stadt, eine Identität, einen Ort aus? Wenn die hannoversche Künstlerin Julia Schmid Madrid oder Helsinki im Bild festhält, lässt sie alle Touristenattraktionen beiseite.

Hannover. Stattdessen fotografiert sie den Blick beim Verlassen des Bahnhofs, erkundet eine Strecke per Spaziergang und sammelt dabei Pflanzen ein, die sie übergroß auf Leinwand bannt. So entsteht ein Bild, das Typisches, aber wenig Beachtetes einer Stadt zeigt, Alltägliches, in dem die Besonderheit zu Hause ist.

Hannover gilt, zumal seit der Schließung des Kunstbereichs der Fachhochschule, nicht unbedingt als brodelnde Kunstproduktionsstätte. Doch einen der bestdotierten deutschen Kunstpreise kann man auch von hier aus gewinnen. Julia Schmid ist im Atelierhaus in der Spichernstraße ansässig, Wand an Wand mit Rolf Bier, Dirk Dietrich Hennig und zwölf anderen. Gestern wurde ihre Ausstellung im Kunstmuseum Bonn eröffnet, als Teil des renommierten Bonner Kunstpreises, der insgesamt stolze 50000 Euro wert ist.

Ein Aufenthalt in einer anderen europäischen Großstadt gehört dazu, Julia Schmid wählte zwei, Helsinki und Madrid. Beide besuchte sie zu verschiedenen Jahreszeiten und freute sich in Helsinki bei minus zehn Grad, dass es nicht dunkel war: „Der Schnee macht alles hell.“ Nach Madrid reiste sie in größter Hitze und erwartete eine leere Stadt: „Es war knallvoll: Ich war zeitgleich mit dem Papst da.“

„Wie Expeditionen früher“gestaltet sie ihre Recherchen,befragt Einheimische nach sehenswerten Orten - und hat aus den empfohlenen Stadtrundgängen Landkarten gestickt: „Ich hasse Handarbeit“, sagt sie, „aber ich dachte, ihre Kunsttransformation müsste genauso mühsam erfolgen wie das Laufen.“

Pläne, Fotos, Notizen, Malerei: Alle Teile gehören zu ihrer Kunst. Wobei die riesigen Gemäldetafeln mit den verschlungenen Blüten und Blättern auf klinisch weißem Grund optisch das Herzstück bilden. Wie kam sie auf diese Art der Darstellung? Schmid, 1969 in Wuppertal geboren und in Bonn aufgewachsen, hat in Braunschweig Bildhauerei studiert: „Ich habe vieles ausprobiert.“ Als sie einen Strauß wilder Rosen zeichnete, fiel ihr auf, „wie vital und abstrakt zugleich so ein Blatt ist, wie borstig und fleischig. Und wie es auch seine Herkunft bezeugt.“

Sie konzipiert ihre Bilder nicht, sondern lässt sie Fundstück für Fundstück wachsen, verschieden in Perspektive und Maßstab: „Jede Pflanze erhält die Größe, die ihr zukommt.“ Sie hat, sagt sie, „eher einen pathologischen als einen biologischen Blick.“ Auch Wölfe zeichnete sie mit diesem analytischen Blick, in Blei, mit hartem, ritzendem Stift, nach den Inszenierungen in den örtlichen Naturkundemuseen: „In Madrid wird er in Familie, im Rudel gezeigt, in Finnland als einsamer Wolf, der auf Elche lauert.“ So zeigt sich selbst im Museum die kulturelle Eigenheit - wenn man so hinschaut wie Julia Schmid.


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