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Barrie Kosky in Berlin im Zuschauersaal der Komischen Oper.

Barrie Kosky in Berlin im Zuschauersaal der Komischen Oper. © Clemens Bilan

Musik

Jubel für Koskys "Feurigen Engel" in München

Eine irre Frau unterm Bett, ein Teufel, ein teuflischer Engel - und viele nackte Männer. Der Chef der Komischen Oper Berlin, Barrie Kosky, hat mit seinem "feurigen Engel" in München eine wahre Orgie auf die Bühne gebracht.

München. Engel, Teufel und der Wahnsinn der Liebe: Sein Ausflug nach München hat sich für den Intendanten der Komischen Oper Berlin geloht. Barrie Koskys Inszenierung der Sergej-Prokofjew-Oper "Der feurige Engel" ist bei der Premiere am Sonntagabend in München vom Publikum gefeiert worden - und Kosky genoss den Jubel sichtlich.

Es ist ein irrer Rausch, den der Australier auf die Bühne des Nationaltheaters bringt, eine Orgie. Allerdings braucht seine Interpretation der Oper über die an Wahnsinn grenzende Liebe einer Frau ziemlich viel Zeit, um zu diesem wahnwitzigen Opernabend zu werden.

Mehr als eine Stunde lang lässt Regisseur Kosky Evgeny Nikitin in der Rolle des Ruprecht und Svetlana Sozdateleva als Renata in einem Hotelzimmer, das dem Bayerischen Hof entsprungen sein könnte (Bühne: Rebecca Ringst), auf- und abwandern, schreien und wüten - bis in seiner Inszenierung endlich etwas mehr passiert. Mehr als eine Stunde lang klagt Renata - die einfach unter Ruprechts Hotelbett auftaucht - ihm ihr Leid über ihre unerfüllte Liebe.

Und dann zieht Kosky, der in Berlin vor allem für seine Operetten-Inszenierungen gefeiert wird, alle Register: Er lässt Männer in Kleidern mit zum stummen Schrei weit aufgerissenen Mündern über die Bühne tanzen, versammelt sie mit schwingenden Gliedern in Lederklamotten zur Orgie - und bringt in der Schlussszene einen Chor auf die Bühne, in der jede einzelne Nonne aussieht wie der mit Dornen gekrönte, blutüberströmte Gottessohn. Unterstützt wird das alles von spektakulären Lichteffekten (Licht: Joachim Klein). Ganz stimmig ist das nach dem unspektakulären Vorlauf zwar nicht, aber vergessen ist die gähnende Langeweile des Anfangs.

Trotz der düsteren Thematik hat auch Koskys "feuriger Engel" streckenweise etwas Operettenhaftes. Dem Münchner Publikum gefiel das so gut, dass es zum Schluss minutenlang applaudierte. Der Jubel galt Kosky und Wladimir Jurowski am Dirigentenpult, vor allem aber den Sängern: Nikitin, der vor einigen Jahren bei den Bayreuther Festspielen Schlagzeilen machte, weil er sein Engagement im "Fliegenden Holländer" wegen Diskussionen um eine angebliche Hakenkreuz-Tätowierung abgegeben hatte, wird für seine Stimmgewalt gefeiert - ebenso Kevin Conners als Mephistopheles und besonders Sozdateleva in der Hauptrolle der vor Liebe wahnsinnig gewordenen Renata.

dpa


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