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ERFOLGSAUTOR: Heute erscheint der dritte Roman des Schweden Jonas Jonasson auf Deutsch.© Sara Arna

Literatur

Jonas Jonasson's neuer Roman

Wenn schon einer Per Persson heißt! Dann könne er doch glatt auch Jonas Jonasson heißen, und das sei zwar nicht unmöglich, aber doch „ein bisschen eintönig“, schreibt der schwedische Bestsellerautor Jonas Jonasson in seinem jüngsten Buch. Wenn also die Identifikationsfigur darin schon Per Persson heißt, dann sollte der schon etwas zu erzählen haben. Und das, so viel sei vorweggenommen, hat er – schließlich ist sein Autor ausgemachter Spezialist für moderne Schelmenromane.

Hannover. Benannt ist Jonassons drittes
Buch aber nach einem anderen:
„Mörder Anders und seine Freunde nebst dem einen oder anderen Feind“ heißt er. Der Titelheld hat tatsächlich drei Menschen auf dem Gewissen, ist nicht eben das hellste Licht im Lampenladen und trifft besagten Persson. Der wiederum jobbt seit Teenager-Zeiten in einem ehemaligen Puff (nun Hotel) als Rezeptionist und hat gerade eine frisch vom Glauben abgefallene und ethisch flexible Pastorin kennengelernt.
Diese beiden bauen nun Anders erst zum Auftragsschläger in ihren Diensten auf und dann, als der unwahrscheinlicherweise Jesus entdeckt hat, zum modernen Messias – dem Messwein sei Dank. Immer eingedenk der Tatsache, dass Geben immer dann am seligsten macht, wenn es mit Nehmen verbunden ist.
Nun ist es nicht gerade die subtilste Kritik an einer Gesellschaft, in der – die richtige PR vorausgesetzt – jeder Halsabschneider zum Heiland werden kann, dass man das auch buchstäblich ausbreitet. Doch Jonasson erzählt das grandios lustig und versieht die überschaubare Geschichte mit so vielen Schlenkern, dass es eine Wonne ist, ihm zu folgen, Romanze inklusive; es ist sogar Platz für eine Figur aus Fredrik Bachmanns „Mann namens Ove“ (siehe Seite 12), Stichwort: Audi.
Grundsätzlich aber hat der ehemalige Medienunternehmer, der als Endvierziger noch zum Romancier wurde, die doch recht barocke Erzählstruktur der beiden Vorgänger eingetauscht gegen einen klassischen Drei-Akter. Sein Debüt „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“, 2009 erschienen, war eine greise „Forrest  Gump“-Variante, die die Geschichte neu schrieb – und wurde zum internationalen Überraschungserfolg: erschienen in 42 Ländern, allein 4,2 Millionen verkaufte Exemplare der 2011 erschienenen deutschen Ausgabe, auch als Film und Stück ein Hit – Letzteres ist übrigens, NP berichtete, im diesjährigen Sommer-Hof-Theater des Schauspielhauses zu sehen. „Die Analphabetin, die rechnen konnte“ aus dem Nachfolger trieb sich ebenfalls in der Weltgeschichte herum. Auch das ein internationaler Erfolg.
Der „Mörder Anders“-Roman, der heute mit einer stattlichen Auflage von 500 000 Exemplaren erscheint, ist da im Ansatz kleiner, und dennoch geht es um nicht weniger als um Gott und die Welt. Am Ende glaubt man fast an den Weihnachtsmann. Jonasson entpuppt sich als Moralist und wünscht sich im Nachwort, Gott möge mehr daran arbeiten, „dass seine eifrigsten Fans ihn nicht immer so schrecklich ernst nehmen“. Auch so ein Seligmacher.
„Stell dir vor“, überlegt Per Persson einmal, „wenn es der Sinn unseres Lebens wäre, anderen eine Freude zu machen, solange wir selbst finanzielle Gründe haben, uns selbst noch ein wenig mehr Freude zu machen.“ Man sollte glatt ein Buch darüber schreiben und würde gutes Geld damit verdienen. Und allen wäre gedient.

Bewertung: 4/5

Jonas Jonasson: „Mörder Anders und seine Freunde nebst dem einen oder anderen Feind“. Carl’s Books, 352 S., 19,99 Euro.

VON STEFAN GOHLISCH


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