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ER KANN ES NOCH: John Mayall begeistert im Capitol. © Michael Thomas

Pop

John Mayall im Capitol: Junger Blues vom Altmeister

"Nothing to do with Love“, singt der alte Mann mit dem dichten grauen Haarschopf vorwurfsvoll. Und weiter: „You say you want my money, you wanna buy you a brand new car.” Da ist es wieder, das vertraute Problem - Männer mit Geld, Frauen mit Wünschen.

Hannover. Das hat was, denn der Text des Openers steht konträr zum Alter des Sängers. Doch wie heißt es so schön - der Blues hat halt „Mojo“, ist also wie eine natürliche Viagra-Pille für den, der ihn spielt. Und das ist hier John Mayall im Capitol.

Das Blues-Urgestein ist eine Legende und ohne ihn die Entwicklung des weißen Blues undenkbar. Ein wandelndes Musiklexikon: „Das nächste Stück habe ich zusammen mit Sonny Boy Williamson gespielt“ - „Help me Baby“. Da schnalzt das Blues-Herz hörbar mit allen Zungen und Kammern, das ist „back into the Sixties“, mit alten Klängen und einer modernen Band.

Der 81-jährige Engländer hat ein kleines, kompaktes Team an seiner Seite: Rocky Athas an der Gitarre spielt die Blues-Licks so hart und unerbittlich wie einst Gary Moore, Greg Rzab weiß seinen Bass nicht nur zu streicheln, und Jay Davenport darf nicht nur Blues-Takte auf seinem Schlagzeug klopfen. Alle Musiker finden ihren Platz zum Solo, Mayall selbst spielt Gitarre und Mundharmonika und Keyboard und singt.

Er hat Puste und Humor: „Do I please you“, schon wieder so eine sexuelle Anspielung - „zieht eure eigenen Schlussfolgerungen“, ergänzt er. Mayall ist freundlich, hat keine Allüren, und der wohlwollende Beifall geht ihm zu Herzen, zaubert ein Lächeln in sein Gesicht. Er spielt mit viel Dynamik, überhaupt, die ruhigen Songs stehen ihm sehr gut, die lauten sind schon fast zu stark und fett, akustischer wäre vielleicht gerechter.

Auf seiner kleinen Gitarre, Marke Eigenbau, gewinnt er glatt das Gitarrenduell mit Rocky. Das sind 81 Jahre geballte Kraft und eine Haltung wie ein Rocker. Mit den Bluesbreakers und deren Mitgliedern Eric Clapton, Peter Green (Fleetwood Mac) und Mick Taylor (Rolling Stones), schrieb er Musikgeschichte. Nun schreibt er Songs wie „Mother-in-Law Blues“ (sic), von seinem neuen Album, „Find a Way to Care“ und „I Feel so Bad“ - „nicht ich, das ist der Name des Songs!“

Die soften Versionen von „Heartache“, einem Swinging-Sixties-Song mit Xylofonklängen, und dem „Drifting Blues“, einem Charles-Brown-Cover-Song, kommen elegant und ruhig mit Besen und einer melancholischen Transparenz. Bei „Nature’s Dis- appearing“ attackiert Mayall seine Gitarre fast schon wie einst Prince. Eine harte Nummer.

Viel enthusiastischen Beifall gibt es für die 105 Minuten Musik, viel Freude auf der Bühne. Und danach gibt es noch Autogramme am Merchandise-Stand. Der Beweis ist gelungen: Blues hält wirklich jung.

Bewertung: 4/5


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