Navigation:
Die Samurai-Burg im japanischen Hirosaki muss umziehen.

Die Samurai-Burg im japanischen Hirosaki muss umziehen. © Hirosaki-Park

Kultur

Japaner verschieben kompletten Samurai-Bau

Sie gehören zu den beeindruckendsten Touristenzielen Japans: Samurai-Burgen. Jetzt muss eine von ihnen wegen Reparaturarbeiten am Fundament weichen. Sie wird aber nicht abgerissen. Sondern gezogen.

Hirosaki. Stolz thront die Burg über Hirosaki. Wo einst mit Schwertern bewaffnete Samurai über die Stadt im hohen Norden Japans wachten, tummeln sich heute mit Kameras bewaffnete Touristen aus aller Welt.

Im Frühling, wenn die Kirschblüten blühen und die Menschen in helles Entzücken versetzen, strömen sie in Scharen zum Burggraben der Stadt und genießen den Anblick der imposant aufragenden Palisaden-Burg. Doch in diesem Jahr ist die beschauliche Stille hektischer Emsigkeit gewichen. Denn die Burg von Hirosaki muss umziehen. "Die Fundamentmauer wölbt sich bedrohlich nach außen. Es besteht die Gefahr, dass sie bei einem Erdbeben zusammenbricht", erläutert Masaaki Jin, zuständiger Beamter der Stadtverwaltung Hirosakis. 

Deswegen soll die Samurai-Burg vorübergehend an einen anderen Standort verlegt werden. So, wie sie da steht, mitsamt ihren Mauern und Holzdächern, ohne dass auch nur ein Teil davon zerlegt wird. Es ist ein spektakuläres Unterfangen, das sich die Japaner da vorgenommen haben. Mit Hightech, wie man bei der fernöstlichen Technologienation denken könnte, hat das Ganze aber nicht viel zu tun. Denn die in ihrer heutigen Form seit 1810 bestehende 400 Tonnen schwere Burg wird verschoben und zum Teil sogar gezogen - an Seilen. "Die Burg wird einem geringeren Stress ausgesetzt, wenn sie als Ganzes verlegt wird, als wenn man sie erst auseinander- und dann wieder zusammenbaut. Außerdem spart man so Zeit", sagt Jin.

Die Japaner greifen dabei auf die Erfahrungen ihrer Ahnen zurück. Denn die ursprünglich Anfang des 17. Jahrhunderts errichtete Burg, die nach wenigen Jahren abbrannte und erst rund 200 Jahre später wieder neu aufgebaut wurde, musste während der Regentschaft des Kaisers Meiji (1868 bis 1912) schon einmal umziehen. Auch damals waren die dicken Fundamentmauern baufällig geworden. Hatten sich die damaligen Baumeister in Hirosaki noch mit Holz und einfachen Umlenkrollen behelfen müssen, so setzen die heutigen Nachfahren moderne Hebevorrichtungen und Metallschienen ein, um die 14,4 Meter hohe, dreistöckige Burg zunächst aufzubocken.  

"Zwei Tage dauerte es, bis wir die Burg mit Hilfe von 27 Hebebühnen um 35 Zentimeter von ihrem Steinsockel emporgehoben haben", schildert der Beamte Jin. Dann wurden Räder und Schienen daruntergeschoben. 70 Meter weit soll das nationale Kulturdenkmal auf Schienen verschoben werden. Doch so einfach geht das nicht. Denn der Umzug verläuft nicht geradeaus, sondern muss um die Kirschbäume herumgelenkt werden. In den ersten Tagen legte das Bauwerk immerhin gut 20 Meter zurück, allerdings langsamer, als mancher dachte. "Ich hatte erwartet, dass man ein bisschen sehen kann, wie sich die Burg bewegt", sagte ein Tourist lachend.

Ende September dürfen dann auch Kinder und Touristen eine Woche lang mit Hand anlegen, jeden Tag können sich 100 Freiwillige melden. An vier Seilen dürfen sie dann ziehen, um die Burg ein Stück näher an ihren neuen Bestimmungsort zu zerren. Sobald die Fundamentmauern wieder repariert sind, soll die Burg im Jahre 2021 dann wieder an ihren ursprünglichen Platz zurückbewegt werden. Ein Spektakel, das einmalig ist. Zwar gebe es noch rund ein Dutzend weiterer Burgen, die ähnlich alt oder noch älter seien, so Jin. Doch die Burg von Hirosaki sei die einzige, bei der man das "Hikiya", wie das Ziehen an Seilen genannt wird, beobachten kann.     

dpa


Bildergalerien Alle Galerien
Anzeige
Was halten Sie von einem Rauchverbot im Auto?

Alles über Hannover 96

Spielberichte, Hintergründe, Analysen - lesen Sie hier alles über Hannover 96.

Bilder des Tages

../dpa-InfoLine_rs-images/large/urn-newsml-dpa-com-20090101-140912-99-04060_large_4_3.jpg

Waschtag: Ein niederländischer Kavallerist wäscht zum «Prinsjesdag» den Schweif seines Pferdes. Foto: Martijn Beekman

zur Galerie