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NP-Interview

Irie Révoltés: "Das ist ein Lebenstraum"

Die Polit-Band Irie Révoltés kommt aus Heidelberg, hat ihr eigenes Festival aber in Hannover: Am 27. August ist es auf der Gilde-Parkbühne wieder so weit. Wir sprachen darüber vorab mit Frontmann Carlos Charlemoine alias Carlito.

Hannover. Von Hannovers Clubs bis zum eigenen Parkbühnen-Festival - Irie Révoltés haben hier eine bemerkenswerte Karriere hingelegt ...
Ja, Wahnsinn, ne? Kleiner hatten wir das mit dem Festival ja vor zwei Jahren schon mal gemacht. Aber jetzt haben wir das noch fetter aufgezogen. Wir haben mit Hannover Concerts auch einen geilen Partner, die Bock haben, das mit uns aufzubauen und zu etablieren. Für uns ist das auch noch Abschluss der Festivalsaison - mit einem eigenen Festival. Das ist schon krass, ein Lebenstraum.

Wie stark war die Band involviert in die Vorbereitung?
Sehr, auch weil es uns wichtig war und ist, dass es nicht nur um Musik geht. Wir wollen immer schon - und das wollen wir auch hier - die Menschen dazu bringen, sich zu engagieren, damit wir diese Gesellschaft verändern können und neu gestalten. Darum sind uns die ganzen Infostände, die da sein werden, sehr wichtig. Die haben wir, komplett selber ausgesucht, wie auch das Line-up des Festivals. Wir haben Bands genommen, die uns gefallen, und bei denen wir glauben, dass sie unseren Fans auch gefallen.

Es ist eine ziemlich bunte Tüte geworden.
Genau, so bunt, wie unsere Musik ist. Auch da wollen wir Grenzen überwinden, die Grenzen in den Köpfen, die zum Glück ja gar nicht mehr so oft da ist, wenn es um Musik geht. Darum haben wir jetzt von Neonschwarz bis Slime, also von Rap bis Punk, alles dabei.

Was zeichnet die anderen Acts aus?
Wir sind zum Beispiel sehr froh, dass Jennifer Gegenläufer dabei ist, weil wir ihre Inhalte geil finden, weil Frauenrap wichtig ist. Mit ihr geht es los. Dann kommen Cuatropesos Depropina, eine Band aus Uruguay ...

... wie kam es denn dazu?
Ich habe eine halbjährige Südamerikareise hinter mir und habe die dort kennengelernt. Inzwischen sind wir richtig gute Freunde geworden. Die spielen da vor 10 000 Leute. Die machen auch so eine bunte Mischung, von Skapunk bis Rap. Für mich ist es Krasseste an dem ganzen Festival, dass sie kommen, weil es deren Traum war, mal in Europa zu spielen. Die sind jetzt schon da, haben vier Auftritte in Deutschland, spielen noch in Frankreich und Holland. Danach kommen halt Neonschwarz, auch eine cool engagierte Band. Und dann, zum Kontrast, die Urlegenden des Punk: Slime.

Sind Sie punksozialisiert?
Nein, ich bin kein Punk. Es gibt Mitglieder in unserer Band, die es sind, die über den Punk zu Reggae und Ska gekommen. Aber ich freue mich deswegen nicht weniger, dass Slime da sind. Und dann spielen ja auch schon wir. Naja, wir träumen ja schon davon, dass das Festival mal über zwei Tage geht. Aber das ist noch nicht spruchreif.

Was sind das für Infostände, die Sie eingeladen haben?
Zu viele, um sie alle aufzuzählen. Zum Beispiel der Verein „Kein Bock auf Nazis“, der sich gegen Nazis und Nazigewalt einsetzen. Viva con Agua sind dabei, die die Pfandbecher einsammeln und den Erlös für Brunnenbau nutzen. Der Disorder-Shop aus Berlin ist da, ein alter Links-Punkrock-Klamottenladen, mit einem Stand. Und wir arbeiten zusammen mit „Rollis für Afrika“: Wer sich vorher anmeldet und einen funktionsfähigen Rolli spendet, kommt kostenlos auf das Konzert.

Ist denn ein Festival ein guter Ort, um solche Botschaften zu vermitteln?
Ja, das haben wir schon letztes Mal gemerkt. Das Feedback war super. Dass es bei uns Inhalt gibt, finden die Leute geil. Und es ist ja nicht verpflichtend: Wen es nicht interessiert, muss nicht zu den Ständen gehen. Uns ist es wichtig, unser Festival genau so aufzuziehen. Sonst könnten wir ja einfach auf anderen Festivals spielen, wo es solche Stände nicht gibt. Jeder einzelne, den wir dazu bewegen, sich zu engagieren, ist für uns ein Gewinn. Wir bieten eine Plattform.

Gerade diese Woche haben Marteria und Feine Sahne Fischfilet in Mecklenburg-Vorpommern ein Konzert gegen Rechts gegeben.
Ja, super. Jeder Musiker, der sich engagiert und sein Maul aufmacht, ist wichtig.

Auf Ihrem letzten Album, das vergangenes Jahr erschien, findet sich auch das Anti-Pegida-Lied „Jetzt ist Schluss“. Es scheint nicht so, als wäre der Spuk schon vorbei.
Nee. Deswegen ist es wichtig, dass wir weiterhin laut sind und dass es weitere alternative Festivals gibt, wo die Leute klar Stellung beziehen. Leider ist noch nicht Schluss. Also müssen wir weitermachen. Wir alle.


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