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Kultur Ingo Metzmacher in Interview
Nachrichten Kultur Ingo Metzmacher in Interview
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00:25 20.05.2018
Gibt die Richtung vor: Intendant Ingo Metzmacher beginnt die Proben für das große Kuppelsaal-Konzert am 27. Mai.Metzmacher Quelle: Foto: Werner
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Hannover

Guter Vorverkauf, ansprechende Veranstaltungen, die Kunstfestspiele Herrenhausenstarten mit quakenden Fröschen, einer Lektion in Nichts und viel Lichtzauber. Intendant Ingo Metzmacher übers Programm, Proben, neue Orte, große Wünsche und die Fußballweltmeisterschaft.

Herr Metzmacher, wie läuft der Vorverkauf?

Gut, besser als im vergangenen Jahr – aber es gibt immer Luft nach oben.

Wie beim Etat, Sie bekommen nun mehr Geld für die Kunstfestspiele…

...nicht für dieses Jahr.

Okay, für das kommende, wie wird sich das auswirken?

Darüber setzen wir uns seit einiger Zeit intensiv auseinander. Wir werden das Geld natürlich für mehr Kunst einsetzen. Eigenproduktionen finde ich wichtig. Aber wir haben keine entsprechende Infrastruktur, keine Werkstätten, das muss alles fremd vergeben werden. Da muss man sehr gut aufpassen, weil sonst die Kosten explodieren.

Zum Wochenende kommt Weltstar Robert Wilson nach Hannover – mit einer schon realisierten Produktion, einer Lesung über das „Nichts“. Wirklich nichts?

Ich kenne die Arbeiten von Robert Wilson seit meinen Studienzeiten. Das ist phantastisch, dass so jemand persönlich hier auftritt. Das Ganze ist ein Textstück eines Komponisten, die Sprache ist hier gewissermaßen Musik. Das ist insofern programmatisch, weil wir von der Musik aus denken, aber das in alle Richtungen. Es geht um die Klanglichkeit des Wortes – hier wird man eine musikalische Erfahrung mit Worten machen. Und das ist doch schon einmal was.

Wie bekommt man Künstler nach Hannover – mal abgesehen vom Geld…

Die Aufmerksamkeit für die Kunstfestspiele steigt. Wir überzeugen die Künstler vor allem mit der besonderen Mischung unseres Programms..

Das Zelt ist da, das große musikalische Werk im Kuppelsaal – in diesem Jahr das „Requiem“ von Berlioz – geht in die Probenphase, glauben Sie, dass die Kunstfestspiele in Ihrem Sinne ihre Form gefunden haben?

Nun ja, eigentlich suchen wir die Form in jedem Jahr wieder neu. Das Spiegelzeit ist eine Konstante, das Großprojekt hat sich etabliert, die kleinen, feinen Arbeiten in Galerie und Orangerie gibt es…

Was fehlt?

Ich würde mir noch einen eigenen Ort wünschen, der uns über die Orangerie hinaus ein größeres Volumen für künstlerische Produktionen gibt, für entsprechende Musiktheaterproduktionen. Ich bin ständig auf der Suche nach diesem Ort.

Wonach genau? Das Konzert im VW-Werk in Stöcken war ja leider eine einmalige Sache.

So groß muss es natürlich nicht immer sein. Ich finde es schade, dass Hannover mit seiner großen industriellen Vergangenheit es nicht geschafft hat, einen entsprechenden Raum zu markieren, der für die Kultur reserviert ist. Das wäre eine wunderbare Ergänzung zu dem barocken Ambiente, das wir in Herrenhausen haben.

Und dann wäre die Sache rund? Es gibt ja auch Überlegungen, im Rahmen der Kulturhauptstadtbewerbung einen neuen Veranstaltungsort für Kultur zu schaffen…

Die Idee des „Salle modulable“ ist ja nicht neu, vor Jahren von Pierre Boulez konzipiert. Da geht es um einen Saal, in dem viele Formate möglich sind. Es gibt heute so viele Konzepte, wo mit Musik elektroakustische, filmische, tänzerische, theatralische Dinge verbunden sind. Wenn man dafür einen Ort hätte, das würde wirklich in die Zukunft weisen.

Wie sollte dieses Gebäude stehen… es gab ja mal den Plan, so etwas am Hohen Ufer aufzustellen?

Ich kann hier ja nur über die Idee reden. Es wird immer so viel über neue Säle nachgedacht. Ich finde viel wichtiger, erst einmal darüber nachzudenken, was darin stattfinden soll. Die inhaltliche Debatte ist viel wichtiger. Es müsste allerdings ein ständig zugänglicher Ort sein.

Neue Orte erobern Sie aber schon in diesem Jahr?

Ich freue mich sehr darüber, dass wir in diesem Jahr in den Berggarten gehen. Das gehört zu den Kunstfestspielen: Einen Anker in die Stadt werfen für die Kunst. Neben dem Kuppelsaal zählt dazu in diesem Jahr auch die Marktkirche Jahr mit einem spektakulären Konzert von Graindelavoix.

Heute schon in der Planung fürs kommende Jahr?

Aber klar, da werden wir zehn Jahre, da kann man Besonderes erwarten und wir zeigen, dass dieses Festival in seiner Form einmalig ist.

Und wie haben Sie die Saison von 96 erlebt?

Die Mannschaft hat sich sehr achtbar geschlagen – vor allem vor dem Hintergrund der Auseinandersetzungen im Verein.

Fußball heißt ja in diesem Jahr auch WM, Ihr Tipp?

Ich gucke ab dem Achtelfinale und bin nicht so optimistisch wie meine Söhne. Ich tippe auf Brasilien.

Von Henning Queren

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