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AUF TOUR: in Extremosind wieder auf Tour undliefern gerne auch mal daseine oder andere Sauflied.

AUF TOUR: in Extremo sind wieder auf Tour und liefern gerne auch mal das eine oder andere Sauflied.© Robert Eikelpoth

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NP-Interview

In Extremo: Sauflieder von den Hofnarren

In Extremo sind Veteranen des Mittelalter-Rocks. Nach dem 20-jährigen Jubiläum geht es nun mit neuer Tour weiter. Wir sprachen mit Sänger Micha Rhein (52), auch bekannt als „Das letzte Einhorn“.

Wie haben Sie das große Jubiläum verdaut?

Wir haben die Loreley zweimal hintereinander mit 40 000 Menschen ausverkauft. Das hat noch einmal einen Riesenkick gegeben. Es war gigantisch. Wir waren sowieso schon dabei, am neuen Album zu arbeiten, aber das Jubiläum hat uns noch einmal beflügelt. Da weiß man, wofür man 20 Jahre gearbeitet hat.

Hat dieser Rückblick die Arbeit darüber hinaus noch beeinflusst? Mit „Quid pro Quo“ geht es musikalisch oft zurück zu den Ursprüngen.

Auch. So dass wir jetzt wieder viele mittelalterliche Elemente drin haben.

Das Themenspektrum reicht wieder sehr weit, vom Historischen mit „Störtebeker“ ...

.... da war es einfach eine Frage der Zeit, bis wir das Thema mal machen, weil es so nahe lag. Aber bislang hatte es musikalisch nie gepasst. Jetzt war es so weit.

Muss man da heutzutage aufpassen, dass es nicht klingt wie Santiano?

Ich glaube, das ist uns ganz gut gelungen (lacht). Ansonsten sage ich dazu nur einen Satz: Wir haben das Glück, dass wir unsere Songs selber schreiben. Die haben ihre Sparte gefunden; das hat auch seine Berechtigung, aber mein Ding ist es nicht.

Was ist Ihr Ding?

Ich bin sehr vielfältig. Ich höre gerne Reggae, ich höre gerne Blues. Ich höre harte Sachen und Weltmusik. Ich bin sehr offen, und das macht auch unsere Band aus: Wir lassen all diese Sachen einfließen. Wir haben keine Hierarchien; jeder macht, was er will.

Wie finden Sie einen Konsens?

Wir sind eine kleine Demokratie.

Diskutieren Sie auch über Inhalte?

Ja, natürlich. Diesmal zum Beispiel stark über „Lieb Vaterland, magst ruhig sein“. Wir haben mit Politik eigentlich gar nichts am Hut ...

... und zitieren nun „Die Wacht am Rhein“, ein nationalistisches Lied aus der Kaiserzeit.

Das ist nicht ganz unproblematisch - wie schnell bekommt man einen Stempel als rechte Band ab? Aber wir sind multikulturell. Wer uns kennt, weiß, das wäre Schwachsinn. Aber man kommt um so ein Thema nicht herum: Wenn man in die Welt schaut, wird man nur so mit Schlechtigkeit und Dreck beschmissen.

Was meinen Sie damit?

Die ganzen Kriege. Die ganze Politik. Was so abgeht. Jugendliche ziehen freiwillig, aus Langeweile, in den Syrienkrieg. Oder rufen „Heil Hitler!“

Wie blicken Sie auf Deutschland? Wie nehmen Sie als ehemaliger Ossi wahr, was beim Tag der Einheit in Dresden passierte?

Das ist harter Tobak. Da war ganz schön viel dummes Volk unterwegs. Wir sind in der DDR groß geworden. Ich weiß noch, wie wir uns nach der Maueröffnung um irgendwelche Tüten mit Aldi-Sachen gerissen haben. Und heute, gut 25 Jahre später, kommen ein paar Flüchtlinge ins Dorf und werden wie der letzte Dreck behandelt, als wenn die einem etwas wegnehmen. Boah - da bekomme ich Gänsehaut nach innen.

Können Sie sich vorstellen, das einmal in einem Lied zu thematisieren?

Nein, am Ende sind wir eben doch Entertainer. Jetzt war es uns einmal wichtig, zu sagen, dass es heute den meisten nur noch ums Nehmen und nicht mehrt ums Geben geht; das machen wir mit „Quid pro Quo“. Den Rest überlassen wir lieber anderen.

Dann lieber ein Sauflied wie „Sternhagelvoll“.

Ja, gute Laune ist eben ein zeitloses Ding. Das Lied ist auch tatsächlich in einer entsprechenden Nacht entstanden (lacht). Wir wollen die Leute unterhalten, auch Ablenkung bieten. Das war damals auf den Mittelaltermärkten schon so.

In der Tradition der fahrenden Leute und Hofnarren der alten Zeiten?

Ja, irgendwie schon. Ich bin mit politischen Bands wie Ton Steine Scherben groß geworden. So etwas finde ich toll. Aber das ist nicht unser Ding.

In Extremo live: am 15. Oktober in der Swiss-Life-Hall. Karten (42 Euro) gibt es in den NP-Ticketshops oder online hier.


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