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Präsent: Sandra Hüller in dem Stück „Bilder deiner großen Lieder“ mit den Musikern Sandro Tajouri (links) und Moritz Bossmann.

Präsent: Sandra Hüller in dem Stück „Bilder deiner großen Lieder“ mit den Musikern Sandro Tajouri (links) und Moritz Bossmann.
© Sandra Hüller

NP-Interview

„Im Theater kalibriere ich mich“

Sandra Hüller, Hauptdarstellerin des deutschen Oscar-Kandidaten „Toni Erdmann“, kehrt mit zwei Gastspielen ins Schauspielhaus zurück. Wir sprachen mit der Schauspielerin.

Hannover. Mit dem deutschen Oscar-Kandidaten machte Sandra Hüller (39) Kinokarriere. Ihre Liebe aber gilt dem Theater. Nächste Woche kehrt sie für zwei Gastspiele (Infos hier) ans Schauspielhaus zurück. Ein Interview.

Zuletzt haben Sie 2010 in Hannover den „Parzival“ gespielt. Wie haben Sie die Zeit in Erinnerung behalten?

Es war eine ziemlich große Produktion; das weiß ich noch. Und ich weiß, wie ich immer mit dem Fahrrad zu der Probenbühne außerhalb der Innenstadt gefahren bin, was in Hannover ziemlich gut geht. Ich erinnere mich an den Maschsee; dort war ich oft. Es war eine schöne Zeit, aber es war nicht einfach, dieses Stück zu machen, mit unserer Idee, den Parzival von einer Frau machen zu lassen und als irgendwie geschlechtsloses Wesen darzustellen.

Jetzt kommen Sie mit einem Stück, bei dem es etwas klarer ist: „Bilder deiner großen Liebe“ nach Wolfgang Herrndorf.

Dass stimmt so nicht. Weil das Mädchen, die Isa, sagt, sie habe immer ein Junge sein wollen. Bestimmte Mädchenklischees bedient sie überhaupt nicht.

Wie war Ihr Erstkontakt zu Herrndorf?

Mir war Herrndorf ein Begriff durch seine Krankheitsgeschichte und durch seinen Blog. Er war damals in aller Munde. „Tschick“ habe ich nicht gelesen, weil es auf der „Spiegel“-Bestsellerliste war und ich deswegen skeptisch war. Wobei ich inzwischen gelernt habe, dass man das nicht immer sein muss.

Haben Sie da eine gewisse Trotzreaktion?

Ja. Und ich dachte auch nicht, dass ich die richtige Zielgruppe bin. Das könnte man bei „Bilder deiner großen Liebe“ auch denken, aber das stimmt nicht. Weil das, was er schreibt, eben doch universell ist.Tom Schneider, der Regisseur, mit dem ich schon häufiger zusammengearbeitet habe, kam irgendwann mit diesem Stoff an. Ich habe es gelesen und sofort zugesagt, weil mich das so beeindruckt und berührt hat, wie der Herrndorf eine Figur kreiert, die so verletzlich und zugleich so unangreifbar ist, die sensibel ist und es dennoch immer wieder schafft, aus Situationen, in den denen sie bedroht wird, unbeschadet herauszukommmen.

Ist das eine beneidenswerte Art, durchs Leben zu gehen?

Die Figur hat ziemlich viele Schmerzen, deswegen weiß ich das nicht so genau. Aber: Es ist eine Art, ja. Für sie funktioniert das ja auch.

Ist sie Ihnen nahe, oder mussten Sie sich die Isa erst erarbeiten?

Wir haben uns für die Form eines Rockkonzerts entschieden und für ihre unbeschadete Art, um eine bestimmte Pose zu bedienen, um eine Setzung von Hybris zu haben, in der man auch verletzlich sein kann. Deswegen hat sie ganz viele Freiheiten. Der Isa ist es relativ egal, was andere Leute über sie denken, was mir auf der Bühne eine große Freiheit gibt.

Ist der Moment des Ausbruchs, der Isa kennzeichnet, nicht auch typisch für den Beruf des Schauspielers?

Das ist eine interessante Frage, aber ich glaube, sie stimmt nicht. Weil jedem von uns die selben Mittel des Ausdrucks gegeben sind.

Aber nicht jedem ist es gegeben, sie auch ausleben zu können ...

Das stimmt. Für mich ist die Schauspielerei immer auch eine Forschungstätigkeit Und dieses war eine sehr interessante Forschung.

Was sind die Forschungsergebnisse?

Mir persönlich liegt ihre Hybris fern. Ich halte nicht viel davon, sich größer zu machen, als man ist, denn es fliegt sowieso auf. Die Isa macht das aber auf eine so charmante Art, dass ich mir ein bisschen was abgeguckt habe.da zu stehen, mit diesem Monolog und diesen beiden wunderbaren Musikern, ist etwas, was ich vorher so auch noch nie gemacht habe. Ich hatte nicht gedacht, dass man so die Menschen so lange fesseln kann.

Sie haben eben eine gewisse Skepsis vor gar zu populären Stoffen geäußert. Nun haben Sie es mit „Toni Erdmann“ – ein Film, bei dem man das vielleicht nicht unbedingt hätte annehmen können – bis nach Hollywood geschafft. Wie geht es Ihnen damit?

Ich bin froh, wieder Theater machen zu können. Das bin ich gerade in Zeiten, in denen die Aufmerksamkeit sehr groß ist. Dort schaffe ich es immer wieder, mich neu zu kalibrieren.

Was macht das Theater dann mit Ihnen?

Die Welt, in denen ich mich in den vergangenen Monaten bewegt habe, die ist – auch wenn es durchaus dem Ego schmeichelt – wahnsinnig äußerlich. Am Theater findet so etwas nicht statt. Da geht es um Prozesse und um das Suchen und nicht darum, ob ich jetzt die Haare gemacht kriege. Das empfinde ich als sehr befreiend: nicht immer darauf achten zu müssen, wie ich mich in der Öffentlichkeit bewege.

Hat sich Ihr Publikum im Theater verändert?

Das kann ich nicht sagen, weil ich seither kein Theater mehr gemacht habe. Das wird man sehen.

Was liegt Ihnen an diesem Stoff besonders am Herzen?

Na, alles. Es war für uns vor allem aber ein großer Genuss, uns bei der Arbeit so intensiv mit Herrndorf auseinanderzusetzen, seinem Blick auf Leben und Tod. Und dieser Stoff hat eine Momenthaftigkeit. Er feiert das Leben auf eine so unverstellte Weise, dass es schon auch abgefärbt. Und ich hoffe, dass die Menschen, die da reinkommen, sich genauso anstecken lassen von der Energie dieser Isa.

Von Stefan Gohlisch


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