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Immer hochkonzentriert: Igor Levit, Pianist, im Rheingau.

Immer hochkonzentriert: Igor Levit, Pianist, im Rheingau.
© Lawrence

Konzert-Marathon beim Rheingau-Musikfestival

Igor Levit spielt Schostakowitsch

Riesenjubel für Igor Levit beim Rheingau-Musikfestival: Auf Schloss Johannisberg spielte der Ausnahmepianist die 24 Präludien von Dmitri Schostakowitsch.

Johannisberg. Das ist ein Marathon für Tasten – und am Ende fühlt man sich so glücklich wie nach einen langen Lauf. Gut drei Stunden dauert ein entsprechendes Konzert mit den legendären 24 Präludien von Dmitri Schostakowitsch. Nur wenige Pianisten wagen sich live daran.

Igor Levit gehört dazu, hat das Mammutwerk in sein Repertoire aufgenommen und präsentierte es in vollendeter Verfassung auf Schloss Johannisberg in einem in jeder Hinsicht bemerkenswerten Konzert – das zu fortgeschrittener Stunde mit standig ovations von einem hochkonzentrierten Publikum endete.

Das renommierte Rheingau-Musikfestival, das die musikalische Landschaft bis nach Wiesbaden und Frankfurt bewegt, hat Igor Levit zum Artist in Residence ernannt – was verbunden ist mit sechs Konzerten (ausverkauft) und einem Gesprächsabend,

Schostakowitsch im Schloss: Hier wird nichts gedonnert wie es die russische Schule bei diesen Präludien gerne macht und es im Mai Alexander Melnikov bei den Kunstfestspielen Herrenhausen zeigte. Auch keine Unverbindlichkeiten wie beim CD-Bestseller von Keith Jarrett: Igor Levit setzt auf Klarheit und Wahrheit. Und macht mal eben auch alles hörbar, was in diesem Präludien steckt: das 20. Piano-Jahrhundert, Debussy klingt in dieser Bach-Hommage, die Bach gleichzeitig so nah und schon wieder so fern ist, Skrjabin vielleicht und auch ein wenig Gershwin, wenn man hört, wie Levit das erste Präludium gleichsam zum Swingen bringt.

Dabei wird die gesamte dynamische Bandbreite erfahrbar, ein wohltemperiertes Klavier ist hier nirgends auszumachen, stählerne Härte steht neben den ganz zarten Klängen. Das Piano bleibt bis in die letzten Reihen tragfähig, hörbar und modelliert. Levit kontrolliert die wilden Taktwechsel im fünfzehnten genauso wie die verhalten-neblige Lyrik des nachfolgenden Präludiums.

Bevor er sich an Klavier setzt, gibt Levit ein paar einführende Erläuterungen, bittet darum, sich auf diese Reise einzulassen, an dessen Ende alle verändert seien. Und entledigt sich erstmal des Sakkos für den enormen Kraftakt.

Höhepunkt und Abschluss ist dann die Schlussfuge, in der Levit die Eigenheiten seines Spiel präsentiert, höchster Ausdruck bei höchster Kontrolle und Konturenschärfe.

Nach Mitternacht wurde das Ereignis angemessen gefeiert – mit einem, man ist hier schließlich im Rheingau – Gelblack-Riesling vom Schloss Johannisberg. Nächster Levit-Schostakowitsch-Marathon: bei den Salzburger Festspielen.

In Hannover spielt Igor Levit wieder am 23. November im Großen Sendesaal mit der NDR Radiophilharmonie unter Andrew Manze das vierte Klavierkonzert von Beethoven (20 Uhr).

Von Henning Queren


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