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TOLLES KONZER: Die NDR Radiophilharmonie spielt den "Karneval der Tiere". © Michael Plümer

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Konzert

Igor Levit: Konzert für Flüchtlinge

Wunderbare Musik für Flüchtlingsfamilien: Im kleinen NDR-Sendesaal spielten Musiker der Radiophilarmonie zusammen mit Igor Levit und Markus Becker den "Karneval der Tiere" von Camille Saint-Saens.

Hannover. So kann man einen Karneval feiern auch ohne sich zu verkleiden - mit Weltklasse-Musik, einer heiteren Geschichte, reichlich Pantomime und vielen Freunden. Das „Begegnungskonzert für Flüchtlingsfamilien“ im Kleinen Sendesaal brachte Menschen zusammen, die ganz verschiedene Lebensgeschichten haben und sich gemeinsam am „Karneval der Tiere“ erfreuten, diesem besonderen Stück von Camille Saint-Saëns, das große wie kleine Kinder begeistern kann.

Vor allem wenn es so ausnehmend gut und mit solchen Engagement gespielt wird. Am Klavier saß Starpianist Igor Levit, der sich den Doppelpart mit Musikhochschulprofessor Markus Becker teilte - begleitet von Orchestermusikern der NDR-Radiophilharmonie. Eingeladen hatte der „Unterstützerkreis Flüchtlingsunterkünfte Hannover“, der Eintritt für die Flüchtlingsfamilien war frei.

Zu so einem Karneval gehört auch immer eine Geschichte. Loriot hatte sich die berühmteste ausgedacht, hier war es NDR-Autorin Bettina Pohl, die die klingende Bühne mit Hühnern, Hähnen, Schildkröten, Löwen und durchgeknallten Eseln bevölkerte. Erzählt wurde von Shary Reeves (auf deutsch) und Mohamad Achqar (auf arabisch).

Die vor allem sehr junge Zuhörerschaft war ziemlich multinational, sodass mit einer deutsch-arabischen Moderation nicht alle erreicht werden konnten. Aber egal, damit das tolle Treiben der Tiere verständlich wurde, war der Pantomime Klaus Renzel als Kuckuck, Schwan oder Fossil unterwegs - wackelte als Elefant mit dem dicken Po. Und da quietschten dann die jüngeren Konzertgänger vor Vergnügen.

Für Igor Levit war das Konzert eine Geste, um den Menschen das Gefühl zu geben: „Ihr gehört dazu“. Das Wort Flüchtlinge mag er nicht. „Dabei vergessen wir leicht, dass es Menschen sind. Jeder hat ein individuelles Schicksal“, sagt der Pianist. Vor allem die Schicksale der Kinder gehen ihm nah.

Liegt dies daran, dass er selbst Migrant ist? „Wir sind 1995 als jüdische Familie über das Flüchtlingskontingent nach Deutschland gekommen, aber mit dem Flugzeug und einer unbefristeten Aufenthaltsgenehmigung“, so Levit. „Wir sind nicht Tausende von Kilometern zu Fuß gegangen, haben uns nicht in ein Boot über das Mittelmeer setzen müssen.“

Auch die schönsten Märchen wie dieser „Karneval“ gehen zuende. Aber ein solches Fest sollte wiederholt werden, denn neben dem Spaß, die wunderbare Musik auch wortlos vermitteln kann, ermöglicht es Begegnungen von Flüchtlingsfamilien und solchen, die schon hier zuhause sind.

Bewertung 5/5


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