Navigation:
EIN GEHEIMAGENT FÜR ALLE FÄLLE: Tony Mendez (Ben Affleck) auf dem Weg in die Zentrale seines Arbeitgebers - aber gleich muss er los in den Iran.

EIN GEHEIMAGENT FÜR ALLE FÄLLE: Tony Mendez (Ben Affleck) auf dem Weg in die Zentrale seines Arbeitgebers - aber gleich muss er los in den Iran.© Claire Folger

Filmkritik

Hollywood vs. Chomeini - Politthriller "Argo"

Das wahre Leben schreibt noch immer die besten Geschichten: aberwitzig, absurd und abenteuerlich. So wie jene von den sechs Amerikanern, die 1979 aus dem gärenden Chomeini-Iran herausgeholt wurden. Diesen Husarenstreich lieferte ein CIA-Agent ab. Die CIA schwieg damals, den Triumph heimsten die Kanadier ein.

Bis 1997 die ganze Wahrheit erzählt wurde - und die ist schier unglaublich. Als am 4. November 1979 aufgehetzte Studenten die US-Botschaft in Teheran stürmen und 52 Geiseln nehmen, entkommen sechs Männer und Frauen ins Haus des kanadischen Botschafters. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie entdeckt werden. Man muss sie rausholen.

CIA-Agent Tony Mendez (Ben Affleck), ein kühler Kopf, hat einen Plan - und der ist hollywoodreif. Ein Maskenbildner und ein Produzent verkünden die Produktion eines kanadischen Science-Fiction-Abenteuers, für das eine Crew auf Motivsuche im Iran unterwegs sei. Tony Mendez reist ein, besorgt iranische Genehmigungen und falsche Pässe - und macht aus den sechs Geflüchteten kurzerhand Kino­leute.

Klar, dass sich CIA-Agent und Hollywood-Maskenbildner (John Goodman) glänzend verstehen. Schließlich sind beide Meister der Maskierung. Das ist clever gedacht - und clever inszeniert. So wird aus der Scharade ein packender Thriller, der mit Lug und Trug und Rettung in letzter Sekunde sein brenzliges Spiel treibt. Was in Hollywood Fiktion ist, macht die CIA zu Fakten.

Chris Terrio (Buch) und Ben Affleck (Regie, Hauptrolle) haben alles richtig gemacht. Sie geben dem Thriller, was der Thriller braucht, und beleben ganz nebenbei eine Traditionslinie des New Hollywood der 70er Jahre („Zeuge einer Verschwörung“, „Die drei Tage des Condors“). Hier handelt es sich allerdings weniger um moralische Aufklärungsarbeit als um hinterlistige Einfärbung. So zeigt „Argo“ nicht nur das untätige Hin und Her der Bürokraten in den Fluren der Washingtoner Macht, sondern auch, wie die CIA 1953 beim Sturz des Premiers Mossadegh mithalf. Also selbst die Geister losließ, die sie 1979 bedrängen.

Ben Affleck verzichtet in „Argo“ auf krachende Effekte, bietet dafür aber handfestes Erzählkino mit harten, schnellen Montagen - bis zur finalen Flucht zum Flughafen, bei der es noch einmal richtig spannend wird. Genau so muss ein Politthriller sein.

Bewertung: 4/5


Bildergalerien Alle Galerien
Anzeige
Was ist Ihre Wunschkoalition für Niedersachsen?

Alles über Hannover 96

Spielberichte, Hintergründe, Analysen - lesen Sie hier alles über Hannover 96.

Bilder des Tages

../dpa-InfoLine_rs-images/large/urn-newsml-dpa-com-20090101-140912-99-04060_large_4_3.jpg

Waschtag: Ein niederländischer Kavallerist wäscht zum «Prinsjesdag» den Schweif seines Pferdes. Foto: Martijn Beekman

zur Galerie