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IDEALE BESETZUNG: Hannelore Hoger als Miss Marple und Jürgen Tarrach als Hercule Poirot.Foto: Wilde

IDEALE BESETZUNG: Hannelore Hoger als Miss Marple und Jürgen Tarrach als Hercule Poirot.© Frank Wilde

Theater

Hoger und Tarrach lesen im Aegi

Wir schreiben den 3. Dezember 1926. Agatha Christie, die „Queen of Crime“, die erfolgreichste und bekannteste Krimiautorin der Welt, ist verschwunden. Ihr verunglücktes Auto wird an einem See gefunden, ihr Mann steht unter Mordverdacht.

Hannover. Miss Marple und Hercule Poirot, zwei „ihrer“ besten Detektive, kümmern sich jetzt um den Fall - dargestellt werden sie von den großartigen Schauspielern Hannelore Hoger und Jürgen Tarrach. Miss Marple und Poirot rollen Christies Vergangenheit als Tochter aus gutem Hause auf und grübeln über ihre Gegenwart als gesegnete Autorin. Wie herrlich, die Geisteskinder sinnieren über ihre Schöpferin.

Im Theater am Aegi herrscht ge-spannte Aufmerksamkeit, denn die Geschichte hat viele Querverweise auf Christies Werk. Es geht um den Adel, darum, reich zu heiraten, und die tratschenden Hausmädchen müssen eine Plage gewesen sein. Im guten, alten England, dem Empire.

„Mais zut alors!“ und „Mon Dieu!“ quatscht Tarrach, der Belgier, dazwischen, „Alle Welt liebt mich, Hercule Poirot“, und agiert dabei, als säße er in einem samtigen Clubsessel und nicht auf einem Theaterstuhl. Er gestikuliert wild mit seinen Händen, „Die ,New York Times‘ hat eine Titelgeschichte zu meinem Ableben produziert!“ Tarrach könnte Poirot eins zu eins im Film darstellen. Mit Bärtchen und Brille, das dünne Haar gescheitelt, nestelt er an dem Revers seines Jacketts. Er staunt, ist überrascht und gern mal pikiert.

Hannelore Hoger ist ruhiger. Aber auch ihr steht die Figur der Miss Marple sehr gut, und sie zieht ihren Kollegen gern frech auf, ist doppelbödig und altersweise. Einfach schwer zu schocken. 73 Krimis und 19 Theaterstücke hat „Madame“, wie ihre „Kinder“ sie ehrfürchtig nennen, geschrieben. Dazu unzählige Kurzgeschichten und Erzählungen. 1930 wird Miss Marple erschaffen, zu einer Zeit, als „eine Frau, die schreibt, eher mit einer Kissenstickerin verglichen wurde“. „Was für eine Impertinenz“, entfährt es Poirot ein ums andere Mal.

Entlang ihrer Romane, wie „Das unvollendete Bildnis“ und „Mord auf dem Golfplatz“, hangelt sich die Geschichte ihres Verschwindens. Warum Christie elf Tage weg war, das ist bis heute nicht geklärt. Sie selbst sprach von Amnesie, floh vor ihrem untreuen Gatten und hat später nie wieder darüber geredet. Doch ihr Entschwinden und ihre Rückkehr vermehren ihren Ruhm. Das Thema beschäftigt wochenlang die Presse, die Auflagen ihrer Bücher verdreifachen sich.

Agatha Christie ist eine unkonventionelle Frau gewesen - und die 90-minütige Lesung eine Hommage an die Schriftstellerin. Während Poirot glaubt, Christie wollte ihrem untreuen Mann für ein Wochenende zum Mörder stempeln, lobt Miss Marple die smarte PR-Aktion der Engländerin. Und 600 Zuschauer finden, dass Hoger und Tarrach eine besonders gute Besetzung sind. Viel Beifall für das Duo. „Es war gut, dass Madame uns nicht gemeinsam ermitteln ließ“, schnöselt Poirot/Tarrach zu guter Letzt noch. Schade eigentlich.

Bewertung: 4/5

VON KAI SCHIERING


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