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SCHÖN LAUT: Heisskalt aus Stuttgart feiern im Capitol eine recht wilde Party. © Behrens

Konzert

Heisskalt im Musikzentrum

Irgendwie scheint Mathias Bloech „Beef“, also Ärger, mit Hannover zu haben: In den anderen Städten ging „mehr die Post ab“, beklagt er sich, und „der Jubel war größer“.

Hannover. Es setzt schon einigen Mut voraus, sein Publikum so zu kritisieren. Und auch wenn es nicht unbedingt den Eindruck macht, der Sänger der Stuttgarter Band Heisskalt meint das sicher ernst. Einen Becher Bier gab es schon aus nichtigeren Gründen an den Kopf geworfen, gerade in Zeiten wie diesen. Das Publikum im Musikzentrum hat eine dicke Pelle, ist weder aggressiv noch humorlos und nimmt dem schlanken, ungekämmten und eigenwilligen Frontmann des Quartetts seine Worte nicht weiter übel.

Getanzt wird schon beim Opener „Das bleibt hier“, und der Abend wird so weitergehen - wild, laut und ehrlich.

Das Konzert ist aufgrund der großen Nachfrage vom Lux ins Musikzentrum verlegt worden, keine Überraschung, Heisskalt toben auf der Überholspur und bieten ihren musikalischen Freunden viel Abwechslung. Da sind zum einen die nachdenklichen Texte, die nicht so leicht zu schlucken sind und viel Spielraum für Deutungen bieten.

Keine Anbiederungen, keine sonnigen Liebesphrasen, sondern Verschachteltes, das sich einer schnellen Klärung entzieht: „Wir haben lang genug gewartet, genug des Rätselratens. Ihr stoppt diese Steine nicht, wenn sie mal rollen“, singt Bloech bei „Nicht anders gewollt“ - und dreht seinen Rücken zum Publikum.

Heisskalt machen Lärm und Radau, musikalisch gezielt und geplant auf der Bühne - aber auch schon mal rasend wie ein Wirbelwind. Sie wagen etwas, lassen ihre Fans im Feedback-Outro allein, nur um mit einem harten Abschlag die Stille nach dem Sturm umso roher wirken zu lassen. Für Heisskalt existiert keine Schublade, deutschsprachig ja, doch weder im Oerding- noch im Bourani-Stil, harte Gitarren, aber kein Metall, technisch versierte Musiker, jedoch kein kaltes Gefrickel.

Ihr Debüt heißt „Vom Stehen und Fallen“ und ist der aktuelle Nachfolger „Vom Wissen und Wollen“, das klingt nach Leben als Aufgabe und nicht nach einem paradiesischem Genuss - das Publikum singt und feiert die gut 90 Show-Minuten geschlossen mit.

Bewertung: 4/5

VON KAI SCHIERING


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