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Heidi | Familienstück von Johanna Spyri | Schauspiel Hannover | Premiere: 19.11.16 | Regie: Florian Fiedler | Bühne: Maria-Alice Bahra | Kostüme: Selina Peyer |  Livemusik: Martin Engalbach, Thomas Zander | Video: Bert Zander

Heidi | Familienstück von Johanna Spyri | Schauspiel Hannover | Premiere: 19.11.16 | Regie: Florian Fiedler | Bühne: Maria-Alice Bahra | Kostüme: Selina Peyer | Livemusik: Martin Engalbach, Thomas Zander | Video: Bert Zander© Katrin Ribbe

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Theater-Premiere

"Heidi" begeistert im Schauspielhaus

Ein 130 Jahre alte Stoff ganz modern: "Heidi" in der Regie von Florian Fiedler ist das diesjährige Familientheaterstück am Schauspielhaus. Das sagt unser Kritiker.

Hannover. Pink stinkt. Rosa ist der Hut, mit hellblauer Borte. Heidi lässt ihn liegen - und wird zurückgepfiffen. „Der Hut!“, rufen Kinder entsetzt im Schauspielhaus. Also kehrt Heidi-Darstellerin Sophie Krauß achselzuckend zurück und setzt sich das ungeliebte Ding auf. Ja, diese „Heidi“ aus dem neuen Familientheaterstück am Schauspielhaus zeigt mehr Lust am Widerstand, als die Kindheit 2.0 das heutzutage zulässt.

Krauß ist eine ganz hinreißende Heidi, ein gutherziger Wildfang, mehr Pippi Langstrumpf als Nesthäkchen. Das ist nicht der dauergrinsende, allzeit „Geißenpeter!“ jauchzende Wonneproppen aus der 70er-Zeichentrickserie, sondern eine starke Kinderfigur, mit der sich auch die Jungs im Publikum identifizieren können.

Erzählt wird die bekannte Geschichte: von dem Waisenmädchen, das bei seinem bärbeißigen Großvater in den Schweizer Alpen, dem Alm-Öhi (Wolf List), eine neue Heimat und einen Freund, den Geißenpeter (ein neuer Sympathieträger des Ensembles: Dennis Pörtner), findet, aber dann als Gesellschafterin des einsamen, an einen Rollstuhl gefesselten Mädchens Klara (Ayana Goldstein) im fernen Frankfurt abbestellt wird.

Diese Inszenierung weiß, dass Kindheit nicht nur aus Frohsinn, sondern auch aus negativen Gefühlen besteht: zum Beispiel aus Traurigkeit (Heidis Sehnen, als der Berg ruft), aus Berechnung (Klaras Intrigen, als ihre Freundin nach Hause will) und aus Eifersucht, als Peter die vermeintliche Konkurrenz im Leben Heidis kennenlernt und Schuld auf sich lädt (wofür er prompt von Teilen des Publikums verpetzt wird).

Das junge Publikum wird immer ernst und immer mitgenommen (das Echo auf „Barsch“ ist sowieso ein Renner). Für die erwachsenen Zuschauer gibt es eine zweite Ebene, in der die strenge Gouvernante Fräulein Rottenmeier zum traumatischen Über-Ich wird; die großartige Johanna Bantzer legt sie als Schreckschrauben-Marionette mit gekappten Fäden an. In einer Szene entwickelt gar ihr Korsagenkleid - Projektionen sei Dank - ein gruseliges Eigenleben. So ein Familienstück ist eben auch eine Gelegenheit, einem neuen Publikum zu zeigen, was so alles im Theater möglich ist.

Die Bühne von Maria-Alice Bahra ist großartig, ein dreigeteiltes, drehbares Rondell, das mal die prächtigen Alpen, mal Alm-Öhis urgemütliche Hütte und mal das eiskalte High-Tech-Frankfurt zeigt. Es gibt geschickt eingesetzte Projektionen, einen tosenden Schneesturm und mit Martin Engelbach und Thomas Zander zwei ganz reizende musizierende Geißen. Doch der größte Effekt bleiben stets die Schauspieler - teilweise in Mehrfachrollen - und die zeitlose Geschichte.

Fiedler und seinem Team ist ein humor- und liebevolles Stück für Menschen ab sechs Jahren und weit darüber hinaus gelungen. Und eine Erinnerung daran, dass Kindheit Luft zum Atmen braucht. Und viel weniger Hüte. 5*


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