Navigation:
Inszeniert den „Liebestrank“:  Regisseur Tobias Ribitzki in der Staatsoper.

Inszeniert den „Liebestrank“: Regisseur Tobias Ribitzki in der Staatsoper.
© Foto: Petrow

Donizetti von Tobias Ribitzki in der Staatsoper

Hannovers „Liebestrank“

Tobias Ribitzki im Interview: Der Regisseur inszeniert die Belcanto-Oper „Liebestrank“ an der Staatsoper: Samstag ist Premiere.

Hannover. Belcanto vom Besten: Am Samstag hat Donizettis „Liebestrank in der Staatsoper Premiere. Regisseur Tobias Ribitzki über Humor, Tragik und berauschende Getränke.

Das Werbeplakat zeigt ein leer getrunkenes Martiniglas... Ihr persönlicher Liebestrank?

Ich trinke keinen Alkohol.

Grüner Tee?

Es gibt nichts, was ich gerunken habe und sofort verliebt war. Aber darauf kommt es überhaupt nicht an, das ist ja eine der Botschaften von Donizetti.

Wie wird denn der Liebestrank auf der Bühne aussehen?

Vergleichsweise traditionell, es ist eine Flasche mit was drin.

Was?

Es könnte alles sein. Die Flasche könnte auch vollkommen leer sein, Aber damit der Zuschauer nicht allzu irritiert ist, haben wir Wasser eingefüllt. Aber man muss sich in dieser Oper wie in der Liebe Phantasie bewahren, den unbedingten Glauben an Romantik. Der Held Nemorino – die eine Identifikationsfigur für uns Zuschauer – wird ja davon getragen, dass er einen unbedingten Glauben hat und Liebe darum eben auch passiert. Der würde selbst an eine leere Flasche glauben und auch, dass er überhaupt daraus etwas getrunken hat.

Ist es eine Belastung, weil diese Oper so populär ist?

Ich bemühe mich, erst einmal der Musik genau zuzuhören. Klar, man guckt sich verschiedene Inszenierungen auch auf Youtube an – aber das kommt bei mir immer erst später, wenn das Konzept steht und ich mir sicher bin, was meine Ideen sind. Trotzdem bleibt es nicht aus, dass sich manche Aktionen ähneln. Aber man muss sich vor Augen halten, dass das, was wir hier machen allein von den Menschen her mit denen wir die Oper produzieren, einzigartig ist.

Was sagt uns der Liebestrank heute?

Donizetti zeigt uns, dass das Komische nicht problemlos genossen werden kann. Ich nehme diese Oper schon sehr ernst und arbeite auch die tragische Seite heraus. Donizetti schildert hier Konflikte, die uns eigentlich immer noch betreffen – sobald es um Liebe geht, ist alles zeitlos. Mich hat die Frage bewegt, wo die wahre Liebe steckt. Ob es richtig ist, wenn es in der Oper heißt, dass man täglich seinen Liebhaber wechseln sollte, weil man dann nicht in Gefahr gerät, verletzt zu werden – dabei musste ich sogar schon an Verdis „Traviata“ denken. Der Liebestrank ist für mich eher ein notwendiger Umweg, der gegangen werden muss, damit sich zwei Menschen ihrer Liebe bewusst werden.

In welcher Zeit und an welchem Ort servieren Sie Ihren „Liebestrank“?

Das bleibt unbestimmt. Es ist ein aktueller Stoff in aktueller Umgebung, und doch ist es ein ewiges Thema, das sich durch die Welt zieht. Als Ort habe ich eine Art Theater gewählt – das ist die beste Möglichkeit, die Schein-und-Sein-Frage zu stellen, die sich ja nicht nur auf die Liebe, sondern auch auf die Realität überhaupt bezieht. Das Theater an sich ist wichtig, weil es uns immer direkt vor Augen führt, dass hier live gespielt wird und man gar nicht weiß, ob es Realität oder eh nur Spiel ist. Aber es ist nicht so, dass ich den „Liebestrank“ einfach ins Theater stecke.

Wie balancieren Sie Ernst und Komik aus?

Es ist sehr viel vom Tod die Rede in dieser Oper. Trotzdem darf nicht die Leichtigkeit verloren gehen, die in diesem Belcanto-Stück steckt. Donizetti schreibt hier ebenso deutlich eine komische wie auch romantisch-ernste Musik. Dieser unmittelbare Wechsel von Tragik und Komik bestimmt ja auch unser Leben.

Premiere: Sonnabend ab 19.30 Uhr. Tickets ab 23,50.

Von Henning Queren


Bildergalerien Alle Galerien
Anzeige
Was ist Ihre Wunschkoalition für Niedersachsen?

Alles über Hannover 96

Spielberichte, Hintergründe, Analysen - lesen Sie hier alles über Hannover 96.

Bilder des Tages

../dpa-InfoLine_rs-images/large/urn-newsml-dpa-com-20090101-140912-99-04060_large_4_3.jpg

Waschtag: Ein niederländischer Kavallerist wäscht zum «Prinsjesdag» den Schweif seines Pferdes. Foto: Martijn Beekman

zur Galerie