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VERSPIELT: Mathias Spaan,Ensemblemitglied desStaatstheaters, präsentiertauf dem Ballhofplatz seinSpiel „Cards“.Foto: Behrens

Verspielt: Mathias Spaan, Ensemblemitglied des Staatstheaters, präsentiert auf dem Ballhofplatz sein Spiel „Cards“. Foto: Behrens

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Porträt

Hannover: Schauspieler wird Spiele-Erfinder

Oben auf seiner Website steht „Mathias Spaan/ Spieler“, in voller Doppeldeutigkeit. Denn er ist Schauspieler, Mitglied des Ensembles des Staatstheaters. Und er ist begeisterter Spieler - mehr noch: Erfinder von Gesellschaftsspielen. Ein Porträt.

Hannover. Oben auf seiner Website steht „Mathias Spaan/ Spieler“. Er hat das dort in vollem Bewusstsein der Doppeldeutigkeit platziert. Denn Mathias Spaan ist Schauspieler, Mitglied des Ensembles des Staatstheaters. Und er ist begeisterter Spieler - mehr noch: Erfinder von Gesellschaftsspielen, sehr schrägen Gesellschaftsspielen.

„Ich komme aus einer Spielefamilie“, erzählt der 27-Jährige: „Schon als Kind habe ich angefangen, Spiele weiterzuentwickeln.“ Irgendwann kam die Neuschöpfung. Zwei sind erschienen. Das eine, „Fies“, ein Zwei-Personen-Spiel mit hundsgemeinen Aufgaben, die man dem anderen stellt, musste noch im Eigenverlag, per Crowdfunding-Kampagne, veröffentlicht werden. „Cards“ hat mit Huch & friends einen renommierten Verlag gefunden. Beide hat Spaan mit René Haustein, einem alten Freund, entworfen.

Am Staatstheater wurde Spaan gern in Stücken wie wie „Demian“ und „Früchte des Nichts“ besetzt, in Rollen, in denen es jugendlich stürmt und drängt. In seinen Spielen zeigt er Abgründe - er spielt buchstäblich mit dem Leben. Bei „Fies“ gibt es zum Beispiel die Aufgabe, dass man dem Gegenüber eine Banane im Gesicht zerdrückt oder all sein Geld auf den Tisch legt - „auf die Weise habe ich mal mein ganzes Weihnachtsgeld verloren“.

„Cards“ geht eher noch weiter. „Ich hatte die Idee zu einem Spiel, das ein Leben lang dauert“, erzählt Spaan. Karte für Karte geht es bei diesem Solospiel durch die Zeit. Das beginnt schon damit, dass man auf die erste Karte Datum und Uhrzeit schreibt - und dann exakt eine Woche warten muss, bis es weitergeht: „Mir ging es auch darum, dass dieses Spiel mit Erwartungen und Bedeutung aufgeladen wird.“

Bald zwei Jahre dauerte die Arbeit mit dem Verlag: „Wir haben um jede einzelne Karte gerungen.“ Auf das Ergebnis ist Spaan stolz. „Was ich an Spielen mag, ist, dass sie etwas mit einem machen, dass einen die Erfahrung des Spielens verändert“, sagt er: „Das kann Theater auch - aber bei Spielen ist der Maßstab kleiner, und die Wirkung ist trotzdem da.“

Wie es mit den Spielen weitergeht, muss man sehen. Regelmäßig fahren Spaan und Haustein in eine Hütte des Großvaters im Sauerland und grübeln über neue Ideen. „Wir haben ein kleines Label gegründet namens ,Kein Spiel‘ - das ist unser selbstgestellter Auftrag“, sagt Spaan und lacht.

Im August wird er noch im Sommerhoftheater im Schauspielhof zu sehen sein, in „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“. Danach wird er Hannover Richtung Hamburg verlassen, um Regie zu studieren. Der Spieler will endgültig auch Spielleiter werden.

Mathias Spaan, René Haustein: „Cards“. Huch & friends, für einen Spieler ab 16 Jahren, etwa 18 Euro.


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