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Kultur „Hannover Proms“ im Kuppelsaal
Nachrichten Kultur „Hannover Proms“ im Kuppelsaal
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16:50 09.09.2018
Alles unter Kontrolle: Andrew Manze animiert die NDR Radiophilharmonie zu Höchstleistungen. Hauptwerk des Abends war die „Scheherazade“ von Rimski-Korsakow. Quelle: Heusel
Hannover

Da bebt die Music City Hannover: Unzählige Europa-Fähnchen flattern im Takt – F*ck Brexit – und laut wird „Land of Hope and Glory“ gesungen. Die „Hannover Proms“ im ausverkauften Kuppelsaal mit der NDR Radiophilharmonie machen mit Botschaft einfach noch mehr Spaß.

Auch, weil hier alle in Hochstimmung sind. Bis zur Zugabe, die dann nicht mehr im TV übertragen wird: Andrew Manze legt eine Schippe drauf, noch einmal britisch mitsingen und dann der legendäre, vollständig mitgeklatschte „Radetzky-Marsch“, der die 2500 Menschen in ungedämpfte Schwingungen versetzt. Was für ein Konzert.

Ein Abend, der märchenhaft startet mit klangsatten Erzählungen aus Tausendundeiner Nacht. Andrew Manze hatte sich an die gewaltige und viel zu selten gespielte „Scheherazade“ von Rimski-Korsakow gewagt. Die Märchenerzählerin, die den Sultan mit den Abenteuern von Sindbad und in Bagdad fesselt, bekommt unter seinem Taktstock eine überaus schlanke Gestalt.

Hier wird nicht wie sonst häufig mit orchestralem Blow-up aufgetrumpft, was die Partitur ja durchaus zulassen würde. Präzise, transparent und an den richtigen Stellen („Das Schiff treibt gegen dien Magentberg“) durchtrainiert – so muss eine „Scheherazade“ heute klingen.

Und noch mehr starke Frauen im doppelten Sinne: Carmen und die russische Mezzosopranistin Anna Goryachova, die die Habanera mit stimmlich etwas gezügelter Verführungskraft bringt. Die versammelte Chorpracht servieren aus dem ersten Rang der Mädchen-, Knaben- und Johannes-Brahms-Chor.

Und die Extraportion Fun mit Musik liefert Janoska, vier Männer aus Wien, die der Klassik die Kraft der Improvisation wiedergeben wollen. Und wie: Die „Carmen-Fantasie“ von Georges Waxman ist an sich schon reichlich überdreht, hält aber noch ein paar Extratouren mehr aus, wie hier mit klassischen Streichinstrumenten und Klavier bewiesen wird. Das Gleiche gibt es dann ebenso für die „Paganinoska“ – wenn die edle Geige auch mal eben wie eine Ukulele gespielt wird.

Das Publikum tobt – und Andrew Manze bittet mit den berühmten Marsch „Pomp and Circumstances“ zur Gesangsstunde mit anschließendem Einzug ins „Land of Hope and Glory“. Wenn davon nur zehn Prozent im TV rübergekommen sind, müssten viele Städte neidisch auf die „Hannover Proms“ sein.

Tolles Dolby-Atmos-Konzert

Klangpremiere geglückt: Im ausverkauften Astor-Kino lief die Übertragung vom „Proms“-Konzert im neuen Dolby-Atmos-Sound. Der 3D-Klang war super, kristallklar mit deutlich ortbaren Instrumenten, was das Ergebnis von Dutzenden Mikrofonen ist.

Das war schon ein besondere Erlebnis (eingefangen von der TVN Group), wenn da beispielsweise die Geigerin Friederike Starkloff der NDR Radiophilharmonie in der „Scheherazade“ ihre Soli spielte und dazu ihr Mienenspiel in Großaufnahme zu sehen war – im Konzertsaal ist das natürlich unmöglich. Leicht gewöhnungsbedürftig war die Lautstärke – vor allem als das groß besetzte Orchester einsetzte – weil die ein wenig über der normalen Konzerterfahrung liegt. Was über der Überwältigung eher zuträglich war.

Das Kinopublikum hatte jedenfalls Riesenspaß, die Übertragung animierte zum Mitsingen wie beim Live-Erlebnis. Fähnchen wurden geschwenkt, es gab Applaus. Und noch einen Vorteil hat so ein Kinokonzert: Man kann Eimer voller Popcorn dabei vertilgen – und keinen stört es.

Von Henning Queren

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