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KEEP ON ROCKING: Peter Knorn alias Fargo-Peter posiert im Peppermint-Pavillon, dem Sitz des Platten-Labels – und jetzt auch Buchverlags – SPV.© Nancy Heusel

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Porträt

Hannover-Mucker Peter Korn erinnert sich

Seine Spezialität war der Salto, gern mit Bruchlandung auf der Bühne, gern im knallengen Leopardenanzug. Etliche Male hat Peter Knorn den absolviert, damals in den 70ern. „Jeder hat geguckt, was er noch mehr machen kann.

Hannover. Rudolf Schenker zum Beispiel hat einen Kopfstand gemacht“, erinnert sich Knorn. Der Hannover-Rocker Knorn und Schenker, der Weltstar von den Scorpions –?die kann man ruhig in einem Atemzug nennen. Denn darüber, welche seltsamen Wege das Rockgeschäft nimmt, hat Knorn ein biografisches und ausgesprochen heiteres Buch geschrieben: „Bis hierhin und so weiter“. Für ihn eine logische Entwicklung: „Man spielt Melodien, das sind die Sätze. Man schreibt einen Refrain, das sind die Überschriften. Man will sich einfach nur mitteilen, ohne dazu aufgefordert worden zu sein.“ Sich mitzuteilen, Rocker zu werden, das war für Knorn von Anfang an das Ziel: „Ich wollte Musik machen, egal, wie. Und da ich kein Instrument spielen?konnte, habe ich auf Sänger gemacht. Hauptsache, lange Haare.“ Die hatte er. Also gründete er eine Band, 1973, als 17-Jähriger. Und weil auf dem Bandbus, den er besorgte, „Fargo“ stand, nannte sich auch die Band so, und aus Peter Knorn wurde „Fargo-Peter“. Knorn lernte Bass und wurde besser. Mit Bands wie Eloy, Jane und eben den Scorpions begründeten Fargo den Ruf Hannovers als Rock-City. Man spielte national in der ersten Liga. Und auch wenn die Mitglieder wechselten (auch ein gewisser Matthias Jabs war mal dabei, bis er zu den Scorpions ging): Knorn blieb, getreu seinem Motto „Man braucht Durchhaltevermögen und einen großen Haufen Glück“. Es sah so aus, als hätte er das: Nach dem internationalen?Durchbruch der Scorpions war man in den USA scharf auf andere deutsche Bands. Die Wahl fiel auf Fargo. Doch die mussten erst einmal angepasst werden: Kaum jenseits des Großen Teichs angekommen, bekam die Band neue Frisuren, zum Teil neue Zähne und einen neuen Namen: Victory. 1984 war das. „Wenn du jahrelang gekreucht und gefleucht bist, um irgendetwas zustande zu bringen, und plötzlich ist das Thema des Managers das Gebiss des Schlagzeugers, das ist schon irre“, erinnert sich der 60-Jährige: „Aber man war plötzlich in New York; das kannte man nur von Postkarten. Da habe ich keine Fragen mehr gestellt.“ Man spielte mit Bands wie AC/DC und Black Sabbath, die großen Stadion-Shows. Doch man wollte zu viel. 1993 schmissen Victory hin. Auch von Träumen und dem Fall erzählt das Buch. Und vom Jahr 1988, als Knorn Hannovers „Rock-’n’-Roll-Bürgermeister“ werden wollte (das Programm schrieb ihm der spätere „Siggi?&?Raner“-Erfinder Jochen Krause). Und eine Geistergeschichte aus Knorns Zeit als?Manager von Uli Jon Roth. Und vieles mehr. Ein volles Leben. Nichts würde er heute anders machen, sagt Knorn heute, bis auf die Drogen: „Ansonsten war alles wunderbar. Ich kann ja auch nichts anderes.“ Doch. Großartig erzählen – das kann er auch

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Vom Möchtegern-Rocker zum Beinahe-Weltstar und wieder zurück in die Normalität: Was Peter Knorn in „Bis hierhin und so weiter" (Steam-hammer/SPV, 288 Seiten, 19,99 Euro)erzählt, ist zu wahr, um schön zu sein. Dass sie trotzdem ausgesprochen viel Spaß macht, liegt an Knorns Humor und seinem ungeschönten Blick auf die eigenen Schwächen und den Irrsinn des Musikgeschäfts. Das Buch ist jedem Rock-Fan ans Herz gelegt - dem hannoverschen sowieso.

Morgen stellt Knorn das Buch öffentlich vor - standesgemäß bei einem Konzert. Dafür hat er - eine kleine Sensation - Fargo wieder zusammengetrommelt, inklusive des klassischen Sängers Peter Ladwig. Gespielt wird bei der 30-Jahr-Feier der Beatbox (Leinhäuser Weg 38) - auch sie hat er einst mitbegründet. Ab 19 Uhr.


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