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DIE FRISUR SITZT:Bryan Ferrybegeistertegestern in derSwiss-Life-Hall.Foto: Wilde

DIE FRISUR SITZT: Bryan Ferry begeisterte am Mittwoch in der Swiss-Life-Hall.© Frank Wilde

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Konzert

Hannover: Mit Bryan Ferry im Grand Hotel

Das sind immer noch die Songs, die man hören kann, wie man Orchideen betrachtet: Bryan Ferry, einer der letzten Dandys des Pop, war auf seiner Europa-Tour in der nicht ganz stilechten Swiss-Life-Hall.

Aber egal, die Stimme allein reicht immer noch, um das Interieur eines Grand Hotel vorzuspiegeln.

Das an diesem Abend gut 2000 Gäste hat und so wunderbar aus der Zeit gefallen scheint wie die aus dem Smokingärmel geschüttelten Songs vom aktuellen Album „Avonmore“ - mit denen das Menü beginnt. Dann kommen die Solo-Songs von Ferry, im Mittelpunkt natürlich „Slave to Love“, später dann noch „One Night Stand“. Als Zwischengang Cover und Artverwandtes, „Smoke Gets in your Eyes“, „Bob Dylan’s Dream“ und „Don’t Think Twice, it’s Alright“, der Klassiker, den Ferry nur zum Klavier singt - und er greift sogar stilecht zur Mundharmonika, so richtig schön dyla- nesque. Andere covern, das konnte Ferry schon immer.

Im vergangenen Jahr musste die Tour abgesagt werden, die Stimme ... Und die ist wieder da, teilweise flüsternd, dann wieder freundlich-samtig und auch schön in ihrer teilweise bewussten und gezielten Brüchigkeit, die bei härteren Stücken wie „Driving me Wild“ nicht zu spüren ist.

Und ansonsten macht es einfach Spaß zuzusehen, wie man sich im fortgeschrittenen Alter - der Mann wird kommenden Sonnabend zeitlose 70! - noch elegant auf der Bühne bewegen kann: die Augen halb geschlossen, das sparsame Wiegen und Wippen im Takt, der Anzug wie immer lässig und kalkuliert leicht übergroß. Ein hingehauchter Geburtstagssong „More than this“. Wenig Publikumskontakt, man ist schließlich distinguiert - ein britischer Limbo der Langeweile.

Die wuschelige Strähne sitzt unperfekt-perfekt - und verrutscht dann im Laufe des Abends, als es ein bisschen exzentrischer wird mit den Großartigkeiten der Roxy-Music-Zeit. Höhepunkt „Avalon“, der Song bekommt ein Samtjackett aus Saxofonklängen umgehängt. Die 80er waren doch am schönsten - sagt jeder über sein Jahrzehnt - und dieses ist melancholisch lange her. Wie man damit klarkommt, zeigt Bryan Ferry: mit tadelloser Haltung.

Die er auch den guten Sachen der früheren Vinylplatten wie „Virginia Plain“ etwa oder „Love Is the Drug“ und „Out of the Blue“ zukommen lässt, nachdem die schweren Samtvorhänge im Bühnenhintergrund den Blick auf allerlei Lichtspiele freigegeben haben. Den Stimmenzauber, den er vor vier Jahrzehnten fürs „Ladytron“ hatte, gibts natürlich nicht mehr - für dieses Selbstporträt eines Künstlers als alter Mann reicht es aber immer noch.

Die Truppe ist gut und bewährt. Neil Hubbard an der Rhythmusgitarre, Jorjy Chalmers am Keyboard, dazu an Tenor- und Sopransaxofon, sind wie auch Violinistin Lucy Wilkins lange dabei. Jimmy Sims vergleichsweise heftig drückender Bass ist neu und passt wie beim setabschließenden „Virginia Plain“.

Am Ende schwebt die Disko-Kugel vom Bühnenhimmel, dann gibt es noch als Zugabe den hingeschmachteten „Jealous Guy“ und im roten Bühnenlicht den Roxy-Reißer „Editions of you“ (von 1973!). Saallicht an und Schluss: Gott, was waren wir heute wieder schön dandy.


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