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NP-Interview

Hannover: Hesses "Demian" im "Fight Club"

Ihre Inszenierung von Lutz Hübners „Hotel Paraiso“ von 2005 ist in Hannover immer noch in guter Erinnerung. Jetzt bringt die Regisseurin Barbara Bürk im Ballhof für das Junge Schauspiel Hermann Hesses „Demian“ auf die Bühne. Premiere ist am 8. Mai. Ein Interview.

Hannover. Alle paar Jahre wieder inszenieren Sie in Hannover ...
Ja, aber jetzt seit der Schulz-Zeit nicht mehr ...

Umso mehr interessiert natürlich die Frage: Wie ist es, wieder hier zu sein? Was hat sich verändert?
Für mich erst einmal gar nicht so viel, weil viele Mitarbeiter ja geblieben sind. Auch den Ballhof kenne ich sehr gut. Es ist eine große Freude zurückzukommen. Es gab damals zwar das Junge Schauspiel in dieser Form nicht, aber ich habe hier auch Jugendstücke gemacht, „Winner & Loser“ zum Beispiel. Die Leitung des Hauses, also den Intendanten Lars-Ole Walburg und Chefdramaturgin Judith Gerstenberg, kenne ich aus Hamburger Zusammenhängen, aus dem Schauspielhaus.

Woher kennen Sie den Musikalischen Leiter von „Demian“, den ehemaligen Hannoveraner Sven Kaiser?
Er hat hier ja auch einige Sachen mit Schulz gemacht und ist mit ihm dann nach Dresden gegangen. Dort habe ich ihn kennengelernt.

Was bringt er mit? In Hannover kennt man ihn ja vor allem auch als Keyboarder der Retro-Funkband Spice in den 90er Jahren.
Ach, da hat er mitgespielt? An Sven schätze ich, dass er ein unglaublich erfahrener und freidenkender Theatermusiker ist, mit dem ich mich sehr schnell verständigen kann, ohne groß reden zu müssen. Er bewegt sich geschmeidig in allen Genres, kann sie miteinander verbinden und fürs Theater nutzbar machen. Ich bin für meine Arbeiten kein Freund von Konserventheatermusik, aber ich setze sehr gerne und viel Musik ein - wenn sie live gespielt wird.

Die Aufgabe der Musik in dieser Inszenierung ist?
Es handelt sich ja um eine Art Stationenstück durch das Leben des Emil Sinclair. Die Musik hilft, die Stationen voneinander zu ternnen. Man sieht Sinclair dabei zu, wie er quasi als Regisseur sein eigenes Leben erzählt - wir haben uns dafür entschieden, das sichtbar zu machen.

Sie lösen den Ich-Erzähler nicht auf?
Ja, ich mag es, wenn man bei der Dramatisierung eines Romans dessen Erzählform nicht versteckt. Und hier umso mehr, weil es um ein Lebensbekenntnis geht.

Wer spielt den Sinclair?
Mathias Spaan. Und seinen Gegenpart, den Demian, spielt Philippe Goos.

Im Kern ist es eine ähnliche Konstellation wie in dem Film „Fight Club“ - und die beiden sind dann die Pendants von Edward Norton und Brad Pitt, oder?
Ja, man landet schnell bei „Fight Club“, wenn es darum geht, sich den „Demian“ in modernen Zusammenhängen vorzustellen: diese extreme Form der Entfremdung von sich selber, die eine Abspaltung von der eigenen Persönlichkeit braucht, um seine Dämonen zu bändigen.

War es Ihre Idee, den Stoff zu inszenieren?
Ja.

Wann war ihr Erstkontakt?
Mit dem Hesse selber so mit 16. Ich habe damals zwar noch nicht den „Demian“ gelesen, aber zum Beispiel den „Steppenwolf“ und „Siddharta“.

Das ideale Hesse-Alter: Man sollte nicht den Fehler machen, ihn mit Mitte 20 zu lesen.
Ja, ich glaube, es klappt gut, wenn man in dem Alter ist wie der Erzähler oder noch einmal viel älter. Aber dazwischen findet man es womöglich zu romantisch.

Ist es für Schüler eigentlich toll oder doof, diesen Schulstoff auf der Bühne zu sehen. Einerseits meinen sie vielleicht, sie könnten sich dadurch das Lesen sparen, andererseits müssen sie sich damit dann auch noch im Theater auseinandersetzen ...
Im besten Fall finden sie es dann im Theater gut.

Was ist die Stärke des Stoffes?
Dass er sich sehr tief einlässt auf vollkommen undefinierbare Gefühle, die einen in dieser Zeit überfallen, und diese intensiv darstellt. Dass er Mut macht, diese Gefühle zuzulassen und sie als Teil eines Weges anzunehmen. Das ist, finde ich, ein Superthema für heutige Jugendliche, weil sie kaum mehr Zeit haben, ihre Entwicklung machen zu dürfen. Dieser Erfolgsdruck, schon im Kindergarten, ist irrsinnig und lässt kaum Raum, sich ausprobieren oder durchhängen zu können. Das führt auch dazu, dass der Mut, anders zu sein, gar nicht mehr angesagt ist.

Gerade hat die Sinus-Jugendstudie festgestellt, dass es heutzutage angesagt ist, Mainstream zu sein.
Ja, und früher gehörte Individualität ganz klar dazu. Man wollte Rebell sein. Heute möchten die meisten angepasst sein. Das will ich gar nicht kritisieren; alles hat seine Zeit. Aber ich glaube: Das Gefühl, dass man sich durch Anpassung selbst verleugnet, das ist geblieben. Und da trifft dieses Buch eine Aussage, die absolut zeitlos ist.


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