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BYE, BYE: Auf ihrer Abschiedstour haben es die Jungs um Bandgründer Francis Rossi noch einmal richtig krachen lassen. Die fast 5000 Fans waren schwer begeistert.Foto: Behrens

BYE, BYE: Auf ihrer Abschiedstour haben es die Jungs um Bandgründer Francis Rossi noch einmal richtig krachen lassen. Die fast 5000 Fans waren schwer begeistert.© Behrens

Konzert

Hannover: 5000 feiern mit Status Quo Abschied

Status Quo wurden auf ihrer elektrischen Abschiedstour in der Swiss-Life-Hall mächtig gefeiert. Fast 5000 Fans waren dabei.

Hannover. Das düstere Intro ist vorbei, die Elektro-Ouvertüre mit den Matchstick-Man-Song-Zitaten hat sich ausgewabert. Die Rock-‘n‘-Roll-Riffs von „Caroline“ brechen durch die Dunkelheit. Francis Rossi singt „Come on, sweet Caroline“, als würde er nach 43 Jahren noch immer auf eine Antwort jener holden Dame warten, mit der er doch so vortrefflich „rocken und rollen“ könnte.

Knapp 5000 Fans sind in die Swiss-Life-Hall gekommen, und für die Anhänger der Londoner Band ist das der Startschuss für „good ol’ driving Hard Blues“ und den „Working-Mans Boogie“: Status Quo sind in der Stadt, und mit ihnen der Rock-Welt einprägsamste Riffs und Melodien. Eine der letzten Kultbands, rau und kantig, erfolgreich und langlebig.

Der 67-jährige Frontmann Francis Rossi, wie immer in schwarzer Jeans und Sneakers, ein weißes Hemd und die dunkle Anzugweste, ist ein verschmitzter Gentleman an seiner Lieblingsgitarre, der grünen Telecaster. Die Band spielt kommerzieller als in früheren Jahren. Und ja, diesmal hat sich etwas verändert. Im Vergleich zum letzten Besuch vor drei Jahren, fehlt das Band-Urgestein und Gitarrist Rick Parfitt. Er erlitt im Sommer einen Herzinfarkt. Zwar hat sich Parfitt mittlerweile gut erholt, aber ob er je wieder mit Status Quo auftritt, ist ungewiss.

Es wird also „The last Night of the Electrics Tour 2016“ sein, die allerletzte elektrisch verstärkte Tournee. Und warum auch nicht, die meisten ihrer Gassenhauer, wie „Rockin’ all over the World“, sind schon um die 40 Jahre alt. Zeit, mal den Hut zu lüften. Denn das Alter und das Rockstar-Leben fordern seinen Tribut.

Ihr 73er-Album „Piledriver“ ist für viele ein Stein der Weisen und andere Werke für einige das Langweiligste, was eine Band mit drei Akkorden anstellen kann. Musikalische Verbrechen wie das notorische „In the Army now“ sowie die gefürchteten Medleys muss man geflissentlich überhören. Doch „Whatever you want“, „Again and again“ und „Softer Ride“ von 1973 versöhnen die Ohren.

Kein opulentes Bühnenbild, keine Effekthascherei, 20 Songs und eine Show mit viel Witz und Selbstironie, das treue Publikum ist mit seinen Helden gealtert - „Get down, deeper and down“. Das Quintett um Bandgründer, Gitarrist und Sänger Francis Rossi, der irische Gitarrist Richie Malone trägt Deutschland-Schweißbänder an den Armen, Andy Bown, Keyboard, John „Rhino“ Edwards (er übernimmt Parfitts Gesangsparts) am Bass und Leon Cave, Schlagzeug, macht auch in Zukunft akustisch weiter.

Für ihre Unplugged-Alben „Aquostic“ und dem Nachfolger „Aquostic II“, mussten sie schon eine Menge Kritik von Fans und Friends einstecken. Doch die Meinungen über das Fehlen von Rick gehen kaum auseinander: Für viele ist Quo nicht mehr Status.

Trotzdem: Ein von Blues und Boogie getriebener Rock ‘n’ Roll, früher belächelt, ist schon lange angekommen im Olymp des Rock. Ihr kongenialer Tourbegleiter, die 70er-Jahre Hardrock-Legende Uriah Heep, überzeugt mit ihrem einzigen verbliebenen Originalmitglied, Gitarrist Mick Box. „Lady in Black“ und „Easy Living“, Sänger Bernie Shaw hat ein schrilles Hardrock-Organ, die Kracher aus den 70ern gelingen ihm zweifellos.

Uriah und Status, alles gestandene Rock-Arbeiter, einst mal Working-Class-Heros, und nun - ohne Rick - eine Reminiszenz an die einfachen und wunderbaren Jahre. Mit Chuck Berrys „Rock and Roll Music“ und „Bye Bye Johnny“ wirft eine sagenhafte Band das Handtuch. Und das Publikum feiert sie ein letztes Mal - Bye, Bye, Status!

Kai Schiering


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