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BEGEISTERTE FANS: 5000 feierten gestern Abend in der ausverkauften Swiss-Life-Hall.

BEGEISTERTE FANS: 5000 feierten gestern Abend K.I.Z. in der ausverkauften Swiss-Life-Hall. © Fotos: Behrens

Hip Hop

Hannover: 5000 Fans feiern K.I.Z.

Der große Vorhang in der Swiss-Life-Hall fällt, und die Stimmung explodiert. K.I.Z verwandeln die Halle schnell in einen einzigen Moshpit. Die Fans drehen ihre Wall-of-Death-Kreise zu fetten Bässen und Beats - der Groove von Tarek, Maxim, Nico und DJ Craft ist laut. Vier riesige Führer-Statuen begrüßen die 5000 Fans in der ausverkauften Halle. Provokation pur: Ab jetzt heißt es überspitzte Texte und derbe Beleidigungen ertragen. „Wir machen die beste Hip-Hop-Show, die ihr je gesehen habt.“ Und das Publikum schreit lauthals „Yeah“.

Hannover. DJ-Craft hat seine Turntables hinter Panzer-Attrappen aufgebaut - Attacke! Die Fans sind textsicher, nicht nur bei den Hits, wie dem melodischen „Urlaub fürs Gehirn“ oder „Abteilungsleiter der Liebe“. Bei „Ich bin Adolf Hitler“ stellen die Berliner ihr Publikum auf die Probe: War der etwa bloß ein deutscher Bad-Boy? Ziemlich rohe Schimpfwörter und schnelle Gröl-Parolen, Deichkind machen das ja auch, aber die haben dagegen noch eine weiche Seite.

Bei „Wir“ ist die Stimmung ist auf dem Höhepunkt, jetzt kann man richtig pogen. „Passt aufeinander auf, ihr seid unser Kapital“, warnt das radikale Rap-Kombinat die aufgewühlte Menge. Einige Fans sind in St.Patricks Day Stimmung, tragen grüne Biermützen, dazu schwenken sie orange Flaggen - die Farbe der Band.

Die „Hurra die Welt geht unter“-Tour übertrifft alle Erwartungen, große Hallen, die meisten Shows sind ausverkauft. Das gleichnamige Album kam auf Anhieb auf Platz eins der Charts. Nun feuern Konfetti-Kanonen Papiergeld mit K.I.Z.-Konterfei in die Menge - willkommen im deutschen Untergrund. „Ihr Partypatrioten“, dröhnt es, „Ihr seid ein bisschen doof Hannover, stimmt das? Ich liebe doofe Menschen“. Ein verstörender Song: „Boom Boom Boom“ - „Ich bring euch alle um“.

Das Markenzeichen der Gruppe ist ein aufrechter Penis mit Notenschlüssel, „Ku-Klux-Klan-Ästhetik“ werfen ihnen einige vor, mit durchaus realen Gewaltfantasien. Auffallen wollen sie um jeden Preis. K.I.Z verstehen ihre Drohgebärden als eine Revolution gegen Desinteresse und Angepasstheit. „Ihr wollt Kapitalismus mit Herz? Fick mich, aber nicht im Etap-Hotel“. Im Zweifel ist das Politischer Rap: Die Antilopen Gang oder Zugezogen Maskulin sind Kollegen.

Inzwischen hat auch der Hip Hop schweißtriefende Elektro-Punker und Rock mit Hip-Hop-Beats. Nach zwei Stunden harter Show und einem ohrenbetäubenden Knall fällt der Vorhang. Ein Weltuntergangsbild mit den übergroßen Gesichtern der Kombo erscheint. Das war ja klar. Zum Schluss kommen K.I.Z. noch ein letztes Mal und singen zusammen mit dem Publikum „Hurensohn“. Ein K.I.Z-Konzert bedeutet Abriss und krachende Effekte, Sexismus und Provokation - blutige Geburtsdarstellung inklusive. Besonders Deutschland bekommt viel ab. Auch das ist Zeitgeist.

von Kai Schiering


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