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Konzert

Hannover: 12.500 Fans vereint in purer Freude

Bei Hartmut Engler haben sich auch schon 54 Jährchen angesammelt, aber so wie er über die Bühne fegt, könnte er auch 30 Jahre jünger sein. Pur-Sänger Engler ist halt immer noch die - tschuldigung - Rampensau, die er vermutlich 1985 auch schon war. Und es macht ihm offenkundig immer noch eine Riesenfreude, das zu sehen, was ihn umgibt: 12 500 Menschen, die gekommen sind, um ihn und seine Band hemmungslos anzuhimmeln - und um in den neuen und erst recht in den alten Pur-Hits ein wohlig wärmendes Musik-Schaumbad zu nehmen.

Hannover. Die Arme fliegen schon beim ersten Lied - „Wer hält die Welt“ - zum Himmel, 12 500 Körper wiegen sich im Takt, mehr oder weniger. Nicht wenige Fans singen das gesamte Text-Repertoire mit. Spätestens bei „Freunde“, dem Uralt-Hit von 1987, sind alle voll dabei. Die überbordende Feierlaune ist ziemlich verständlich ist. Schließlich hat es fast zwei Jahre gedauert, bis sich Pur mal wieder auf Achse gemacht haben, zwischendurch, 2014, gaben sie gerade mal ein Livekonzert in der Schalker Arena. Für Engler war es auch eine lange Zeit, er freut sich über die warme Begrüßung: „Wow, es ist so schön dieses Geräusch wieder zuhören. - Applaus! Wir waren schon so lange nicht auf Tour.“ Aus Gelsenkirchen haben sie auch eine Idee für die Tour 2015 mitgebracht: Die Bühne ist in der Mitte der Arena aufgebaut, so sind die sieben Helden aus Schwaben ihren Verehrern - und natürlich besonders den Verehrerinnen - so nahe wie nur irgend möglich.

Von ihren Fans wurden Pur immer schon heiß und innig geliebt, was man von den Kritikern nicht sagen kann: Lange wurde die Band, die nach „Abenteuerland“ vor 20 Jahren einen Hit nach dem anderen landete, wegen weichgespülter Seichtheit verrissen. Was sie nicht davon abhielt, am Pur-Sound festzuhalten, zu eine der beliebtesten erfolgreichsten Popbands Deutschlands zu werden - auch ihr neues Album „Achtung“ wurde gleich an die Spitze der Charts katapultiert.

Zum Titelsong der neuen CD schießen Feuerbälle in den Bühnenhimmel, die Arena ist in bedrohliches, rotes Licht getaucht. „Achtung“ ist eine Spur härter als ein typischer Pur-Song, vielleicht auch wegen des Themas: Das Lied verlangt Respekt vor den Mitmenschen, wirkt wie ein Kommentar zum Umgang mit Flüchtlingen. Vor den ganz großen Themen scheut Engler ohnehin nicht zurück, nicht in seinen Liedern und auch nicht in seinen Ansagen. Er warnt vor dem Boden, auf dem „braunes Gedankengut“ gedeiht. „Unsere Demokratie, unsere Menschlichkeit, unsere Freiheit ist in Gefahr. Sie ist angreifbar. Aber vergesst nicht: Wir sind stark“, ruft er seinen Fans zu - und in Erinnerung an das Attentat von Paris bringt er John Lennons „Imagine“.

Engler ist ohnehin der Fixpunkt einer perfekten Bühnenshow. Auf einem erhöhten Podest auf der Bühne dreht er sich im Kreis, mit ausgebreiteten Armen und geschlossenen Augen. Mit einem Häuptlings-Kopfputz singt er „Wo sind all die Indianer hin“, den Antinazi-Song „Bis der Wind sich dreht“ im SS-Ledermantel. Zwischendurch dirigiert er das Publikum, das ganze Hitstrophen alleine singt. Das Publikum war es auch, das noch vor der ersten Zugabe im Wohlgefühl schwelgte, die ganze Arena sang „Oh wie ist das schön“ - ein Lied in das Engler begeistert einstimmte nachdem die Band wieder auf der Bühne war.

Engler hatte es schon vorher gesagt: „Eigentlich ist es doch ganz einfach. Wir kommen her und machen Musik, und ihr kommt her und hört uns zu - so machen wir uns gegenseitig glücklich.“ So einfach war es wirklich. HHHH H

Pur spielen 2016 ein Open Air in Hannover: Am Freitag, 26. August 2016, 20 Uhr auf der Gilde-Parkbühne. Tickets kosten 49,10 Euro im NP-Ticketshop sowie unter tickets.neuepresse.de


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