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Verzauberte 10.000 Fans: Zaubergeiger David Garrett© Wilde

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TUI-Arena

Hannover: 10.000 Fans rocken mit David Garrett

Diese Stradivari klingt nach E-Gitarre: Crossover-Star David Garrett war Dienstagabend mit Orchester und Band in der ausverkauften TUI-Arena in Hannover. 10.000 rockten.

Da guckt man schon hin. Wenn er ab 20.30 Uhr langsam geigend durchs Publikum zur Bühne scheitet. Zopf, schwerer Gürtel, hängende Beuteljeans, Jan-Delay-Hütchen, Totenkopfringe – und warum dünne Silberketten tragen, wenn es auch fette gibt. Das T-Shirt trägt der Pop-Paganini um genau den entscheidenden Zentimeter zu kurz.

 

Und David Garrett kann Geige spielen. Volles Brett, Sinfonieorchester, E-Gitarre, dann gehts mit angemessen sägenden Geigenklängen los: „Kashmir“ von Led Zeppelin, wie man es so noch nie gehört hat – ein überaus unterhaltsamer Abend hat begonnen.

 

Beethovens Fünfte, kurz angefiedelt, na ja, das muss eigentlich nicht sein. Dafür kracht das Feuerwerk umso nachhaltiger beim folgenden „Live and Let Die“. Die Musikmischung an diesem Abend ist mindestens so abenteuerlich wie „Piraten der Karibik“. Filmmusik zu arrangieren, das kann Garrett, perfektes Kunstgewerbe. Die Show ist bombastisch bei den „Karibik“-Klängen – mit einem brennenden Totenschädel im Hintergrund. Und noch mehr Filmmusik ist dabei mit „Zorbas“, „Mis­sion Impossible“, Blitzfontänen und Luftschlangen.

 

Aber vor allem wird sinfonisch gerockt. Das treibt richtig nach vorne, „Thunderstruck“ von AC/DC – und in die klitzekleinen Geigennoten kracht taktgenau das Feuerwerk. Das macht schon Spaß, das Publikum darf lautstark „Thunder“ mitbrüllen.

 

Dass eine elektrisch verstärkte Geige verdammt nah an einer E-Gitarre liegen kann, wissen wir seit Nigel Kennedy. Und hier gehts noch eine Ecke härter in „November Rain“ von Guns ’n Roses oder den „Master of Puppets“ von Metallica.

 

Crossover heißts, wenn es irgendwo dazwischen liegt: zwischen Rock, Pop und ein bisschen Klassik. Ach ja, die Klassik. Ist natürlich auch da und stört nur wenig. Ein gefetzter Ungarischer Tanz von Brahms, ein Toccatachen von Bach. Scharf ist dabei die Brillenkamera. Das Publikum kann live Garretts flinke Finger bewundern.

 

Und das Publikum? Ist so bunt gemixt wie das Programm: Teenies, die irrsinnig vor Glück sind, wenn sie ihr Idol vor der Handy-Kamera haben. Und die etwas älteren Jahrgänge, die sich auch im „Weißen Rössl“ wohlfühlen – Garrett kriegt sie alle.

 

Zwei Superlative trägt David Garrett mit sich herum: „sexiest violinist alive“ und schnellster Geiger der Welt. Das mit dem Aussehen können die 10.000 bestätigen, das mit der Schnelligkeit spätenstens bei „Asturias“ von Isaac Albeniz – und auch, dass man mit der Geige den Status Quo machen kann, rauf-runter, rauf-runter, rauf... „Rocking all over the World“.

Das alles haben sich die David-Garrett-Fans bis zu 185 Euro pro Karte kosten lassen. Im Preis drin sind auch die bewährt freundlichen und altbekannten Geschichtchen über dies und das, aus Flugzeugen und Hotelzimmern, über Hape Kerkeling und Kontaktlinsen.

 

David Garretts Band ist klasse, die Neue Philharmonie Frankfurt hat die Rolle des analogen Synthesizers. Riesenjubel den ganzen Abend und vor allem zum Schluss. Auch die letzte Zugabe ist ein echten Klassiker: „Hey Jude“. Hey, David, das war gut.

 

18. Mai ist David Garrett noch einmal mit „Rock Symphonies“ in der TUI-Arena. Karten ab 41 Euro.


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