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2000 Fans feiern beim Han´g´over in Hannover auf der Parkbühne.© Behrens

Hannover

Han´g´over-Jam: 2000 feiern Deutschlands beste MCs

Hannover? Hangover! 2000 Menschen haben auf der Parkbühne Deutschlands besten Rapper abgefeiert.

Hannover. Rap im Regen? Von wegen. Fette Bässe wummern aus den Boxen, einige der besten Rapper Deutschlands sind in der Stadt: Samy Deluxe, Megaloh, Afrob, Ferris MC, Johnny Rakete, Edgar Wasser, Weekend, Bengio, Steasy und Ranios&Raik; sie alle standen am Sonnabend hintereinander auf der Gilde Parkbühne.

2000 Hiphopper feiern, was die deutsche Rapszene zu bieten hat. Neun Acts – und ein Gedanke, der sie vereint: „Love, Peace and Unity“. Liebe, Frieden und Zusammenhalt heißt das Motto des Abends. Drei Graffitiwriter – Jonas, Benni und Jascha – sprühen es bunt auf eine Wand, zehn Meter rechts von der großen Bühne.
Von oben kommt nur Sonnenschein. Okay, zehn Minuten Regen, während Edgar Wasser singt: „Ich lass‘ es regnen, bis ihr alle ertrunken seid“ – lässt er nicht. Vorsichtshalber hatten sich rund 20 festivalerprobte Hiphopper dennoch matschresistente Gummistiefel angezogen. Dabei hätten sie ruhig ihre Sneaker tragen können, der Boden bleibt acht Stunden lang trocken.   

Um 14 Uhr machen zwei Lokalmatadoren den Anfang: Ranios und Rayk aus Linden dürfen ans Mikro. Sie haben sogar extra ein Lied mit dem Festivalnamen geschrieben: Zu "Hangover" nicken rund fünfzig Hiphopfans im Takt. Nach und nach trudeln weitere Kopfnicker ein. Nummer zwei im Lineup bietet dann eine erste kleine Überraschung, Bengio darf mit Dj Vito, dem Dj von Samy Deluxe auftreten.

Gut, Bengio ist nunmal einer der vielversprechendsten Schützlingen des Rappers aus Hamburg.  Im Anschluss kommt Steasy auf die Bühne, bei ihm hat sich "was angestaut", deswegen muss er rappen, sagt er. Um 15.15 Uhr verspricht er den "kompletten Abriss", aber fünf Miuten später ist seine Spielzeit rum - und er muss die Bühne für Johnny Rakete freigeben. Der feiert in Hannover seinen 24. Geburtstag und ist daher gut drauf: "Alles ist gut, wenn ich mach wie ich will", rappt er. Seine klugen Texte kommen beim Publum gut an. Und seine "Antwort auf Alles", sie lautet "42"  bringt einen nicht nur musikalisch, sondern auch philosophisch ein Stückchen weiter. Am Ende gerät auch er leider unter Zeitnot, ein Song wird gestrichen, dabei hätten die Fans gerne mehr gehört.  

Nummer fünf heißt Edgar Wasser, er gibt auf der Bühne den "Bad Boy", empfiehlt Frauen zu kochen, anstatt zu rappen und sortiert beste Freunde aus, wenn sie mit "Homosexualität verseucht" sind. Dabei wirken seine Texte neben solchen Totalausfällen eigentlich ganz gut durchdacht.  Zwischendurch kommt immer wieder Spax auf die Bühne, er rappt jedoch ausnahmsweise nicht, sondern moderiert durch den Tag. "Macht nochmal Lärm für all die tollen Künstler", sagt er und freut sich über das beständig sonnige Wetter. Um seinen Hals trägt er eine Kette mit einer weißen Wanduhr - 20 Zentimeter Durchmesser, aus Plastik - eine Hommage an den amerikanischen Rapper Flavor Flav, von Public Enemy.  Um 17 Uhr steigt Weekend auf die Bühne. Er wurde 2012 mit einem Sieg beim Splash Video Battle Turnier (VBT) bekannt. Sein größter Hit heißt "Schatz, du Arschloch". Witzig ist auch der Song über seinen Dj "Rolf". 

Um 18 Uhr kommt einer der Hauptacts: Megaloh, aus dem Berliner Problembezirk Moabit, er rappt inbrünstig: „Ich bin kein Looser“; obwohl er sich neben der Musikerkarriere als Paketlieferant finanziell über Wasser hält, was gesellschaftlich nicht sonderlich angesehen ist – oberflächliches Schubladendenken, keine Frage. Die Sonne scheint und bringt die springenden Fans zum Schwitzen; Megalohs antwort: "Ruhig machen, durchatmen, kommen lassen". Bei ihm fordert das Publikum zum ersten Mal eine Zugabe - und bekommt sie "Spektakulär".  Dann kommt Ferris MC auf die Bühne. Er hat eine Band mitgebracht, Schlagzeuger und drei E-Gitarristen.

Eben noch ein Rapfestival, für eine Stunde ein Rockkonzert – und „Ferris macht blau“. In der NDR-Talkshow 3nach9 sprach er erst vor kurzem über seinen Drogenkonsum, darüber wie "leicht" es für ihn war damit aufzuhören. Auf der Bühne zeigt er, dass er diese Zeit aber nicht wegschiebt und verleugnet, sondern sie einbindet in seinen neuen Weg: "Einmal ein Freak, immer ein Freak", sagt er. In "Glück ohne Scherben" spielt er dann selbst E-Gitarre. Rock statt Hiphop. In den zehn Jahren, die er mit Deichkind unterwegs war, scheint sich doch einiges bei ihm verändert zu haben. Eine Zugabe soll auch er geben.    

Afrobs Solo-Aufritt ist gut, als er zusammen mit Samy Deluxe auf der Bühne steht, wirds noch besser. Die ASD-Reunion (ASD steht für Afrob und Samy Deluxe) ist perfekt, die Fans vor der Bühne springen im Kreis; Pogo nennt man das. Afrob und Samy feiern sogar eine Weltpremiere in Hannover: Zum ersten Mal überhaupt präsentieren sie live ihren neuesten gemeinsamen Song „Legendär, Populär“ vom neuen Album „Blockbasta“, das kommenden Freitag erscheint. 

Solo zieht Samy die „Grüne Brille“ auf und bringt die „Füchse“ von 1998 zurück. "Samy, du bist einfach der Heftigste", ruft ein Fan lauthals von der Tribüne. Sein "Weck mich auf" (2001) sorgt da gleichermaßen für Extase, wie sein "Poesiealbum" (2011) und alle "Rapper sagen Yo" (2014). Samy Deluxe gibt auf der Bühne alles, schwitzt drei Handtücher voll und schmeißt sie ins Publikum - irgendwie ein seltsames Souvenir. Aber die Fans vor der Bühne danken es ihm mit bouncenden Köpfen und tosendem Applaus.

Von Tobias Welz


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