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Was für ein Donnerwetter:

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Hannover-Konzert

Guns n' Roses: Blick hinter die Kulissen

Zwischen Hitzekoller und Regennässe, zwischen Frust und Lust: Der Auftritt von Guns n’ Roses auf dem hannoverschen Messegelände war ein Konzert der Extreme. Wir blicken hinter die Kulissen.

Hannover. Es ist 1.11 Uhr freitags in der Frühe, als es ein letztes Mal über dem Hermesplatz auf dem Messegelände blitzt und donnert: Mit einem Feuerwerk endet der Auftritt von Guns n’ Roses und damit ein Konzert, wie es das in Hannover noch nie gegeben hat und wohl nie geben wird.

75 000 Besucher und auch sonst alle Beteiligten erleben eine Nacht der Extreme, zwischen Dschungelhitze und Wasserschlacht, Frust und Lust. Nach nur drei Liedern muss das ohnehin verspätet begonnene Konzert unterbrochen werden. Das Unwetter, das sich den ganzen Tag über angekündigt hatte, erreicht das Gelände.

75 000 Menschen drängen weitgehend geordnet, in Richtung der vorher extra ausgewiesenen Messehallen 24, 25 und 26. Manche stranden auf der falschen Geländeseite und stranden vor verschlossenen Hallen, die später auch noch geöffnet werden. Einige Unverbesserliche bleiben an Ort und Stelle oder suchen unter den Gastroständen Zuflucht vor dem sturzbachartigen Regen – vergebens: Sie werden klatschnass, vor Blitzeinschläge wären sie dort auch nicht geschützt. Der Wind treibt den Regen weit bis unter das Expo-Holzdach, aus den baumdicken Abflussrohren dort schießt das Wasser, als seien sie Gartenschläuche. Andernorts regnet es durch.

Eine Viertelstunde, 20 Minuten solle die Unterbrechung dauern, hatte es anfangs geheißen. Die Frist verstreicht, auch die zwischendurch genannte Uhrzeit, 22 Uhr. Es werden 100 lange Minuten.

Was man auf dem Gelände nur ahnen kann: Hinter den Kulissen läuft die Schadensbegrenzung auf Hochtouren. Der Krisenstab tagt. In ihm sitzen unter anderem Vertreter des Band-Managements, des örtlichen Veranstalters Hannover Concerts, des Tour-Veranstalters Live Nation, von Stadt, Feuerwehr und Sicherheitskräften. Sie beschließen: Das Konzert wird fortgesetzt, und es wird in voller Länge fortgesetzt. Die Sperrstunde, eigentlich 23 Uhr, wird aufgehoben, damit die Besucher sicher vom Gelände kommen – wegen der Regenfälle fährt zu dem Zeitpunkt keine Stadtbahn auf der Nordlinie mehr; der Verkehr ist zusammengebrochen.

Die Rettungsdienste werden später von einem „sehr ruhigen Einsatz“ sprechen. Am häufigsten seien Kreislaufprobleme gewesen. Ein Besucher muss nach einem Treppensturz auf der Abreise in die MHH gebracht werden.

Hektisch geht es im Presse-Pavillon zu. Das Handynetz ist überlastet, die Kommunikation mit den Redaktionen nur per Mail, über das WLAN-Netz der Messe-AG, möglich. Die üblichen Andruckzeiten – dazu da, auch weiter entfernt lebende Leser mit Konzert-Berichten zu versorgen – sind außer Kraft gesetzt. Informationen fließen spärlich. Kollegen vom Radio bitten um mehr Sendezeit. Und ein paar Meter weiter schüttet Revolverheld-Sänger Johannes Strate seine gefluteten Turnschuhe aus und stößt barfuß mit den Bandkollegen an.

Um 22.25 Uhr geht es dann endlich weiter. Axl Rose, Slash & Co. spielen ein insgesamt drei Stunden langes Klasse-Konzert, mit Hits von „Welcome to the Jungle“ bis „Paradise City“, einem Gastauftritt von AC/DC-Gitarrist Angus Young und Gänsehaut-Momenten bei dem Soundgarden-Cover „Black Hole Sun“. „Turned out to be a nice Evening, eh?“, frotzelt Rose irgendwann: „Wurde noch ein netter Abend, oder?“ Der Mann ist ein Meister der Untertreibung. Es war unvergesslich.

Von Stefan Gohlisch


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