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Mit Bierchen und locker drauf: Grossstadtgeflüster sind Raphael Schalz , Jen Bender und Chriz Falk (von links).

Mit Bierchen und locker drauf: Grossstadtgeflüster sind Raphael Schalz , Jen Bender und Chriz Falk (von links).
© Foto: Kai Müller

Headliner beim Fährmannsfest

Grossstadtgeflüster in Hannover

Der Elektropunk von Grossstadtgeflüster ist ein Partygarant. Ihre Single „Fickt-euch-Allee“ war für viele der Soundtrack zum Katastrophenjahr 2016. Ein Interview mit Sängerin Jen Bender.

Hannover. Kommenden Samstag (6. August) ist das Berliner Trio Top-Act beim Fährmannsfest, im Gepäck die neue Single „Keiner fickt mich (außer das Leben)“.

Wann war das Leben denn mal wieder richtig schlimm?

Am Tag, als Conny Kramer starb.

Und wann war das Leben zuletzt gut zu euch?

Ständig, dass is’ ja die Tragik, wenn man keine Probleme hat, muss man sich welche ausdenken, und das ist voll anstrengend.

„Vor lauter Yoga komme kaum noch zum Entspannen“ ist eine Zeile daraus. Macht ihr euch etwa über Leute lustig, die herumjammern?

Ja, machen wir. Vor allem über mittelständische Wohlstandskinder, die Lieder darüber schreiben, wie sie von niemandem außer dem Leben gefickt werden.

 Was geht euch richtig auf die Nerven?

Ich lasse jetzt mal die inner- und geopolitische Lage außer acht, das würde den Rahmen sprengen. Also belasse ich es bei irrelevanten Alltäglichkeiten. Mich nerven Stress und Hektik, ich bevorzuge die Leichtigkeit meines Daseins – mit fließendem Wasser, ’ner relativ stabilen Gesundheit und ’nem Dach überm Kopf und so – zu genießen. Und Stress und Hektik entstehen unter anderem, wenn erwachsene Menschen andere erwachsene Menschen zu erziehen versuchen. Sprich, wenn jemand die Wahrheit für sich pachtet und ohne einen Versuch der Empathie in totaler Bestimmtheit verlangt, dass der Rest der Menschheit diese Wahrheit als ihre anzunehmen hat. Ich schau’ auch erstmal, wo ich zu kurz komme und was du alles falsch machst, bevor ich schaue, was ich teilen und wie ich jemandem entgegenkommen könnte.

Wie geht ihr mit Schwierigkeiten um?

Entweder wir schaffen es, durch offensives Schulterzucken zu erkennen, dass es eigentlich gar keine Schwierigkeiten sind, nur Problemchen, und die kann man in der Regel lösen. Oder wir ballern uns die Birne weg, bis die Schwierigkeiten verdampfen, oder wir machen Musik aus den Schwierigkeiten und animieren damit im Bestfall zum kollektiven Auskotzen. Denn so ein Gemeinschaftsgefühl macht Schwierigkeiten gleich mal halb so schwer.

Der Geheimtipp-Status ist ja spätestens seit der „Fickt-euch-Allee“ Vergangenheit. Hat die Popularität eure Art, Musik zu machen, verändert?

Ja, vorher hatten wir kein Bock, Musik zu machen, die unbedingt erfolgreich sein muss oder will, und jetzt haben wir keinen, Bock Musik zu machen, die unbedingt einen Erfolg steigern oder aufrecht erhalten muss oder will.

Hat es eure Lebenseinstellung geändert?

Ja, wir lassen uns jetzt immer mit dem Privatjet zum Klopapier kaufen fliegen.

Jetzt kommt ihr als Headliner des Fährmannsfest-Sonntags nach Hannover – mit welchen Erwartungen?

Oah, echt? Mit Sand und Plastikpalmen? Steh’ ich ja voll drauf! Na, wird geil! Hannover kann was und hat es bis jetzt immer gut mit uns gemeint. Wir haben vor nicht all zu langer Zeit das Capitol bespielt, und wenn die Stimmung nur halb so gut wie da wird, wird das bocken ... Also für mich zumindest ... Ich kann ja keinen zwingen, Spaß zu haben.

Ihr spielt nach der Spvgg. Linden-Nord und Milliarden – eine gute Gesellschaft?

Irgendwo zwischen Schlager und Punk fühlen wir uns eh am wohlsten! Nee, im Ernst, Spvgg Linden-Nord kenne ich noch gar nicht, werde ich mir zu Gemüte führen, die Beschreibung klingt lustig. Die süßen Boys von Milliarden und wir kennen uns schon ’ne Weile, und wir freuen uns immer wieder, jemanden zum Fummeln im Backstage zu haben. Is’ wie Klassenfahrt. Abgesehen davon feiere ich die Band total, live sowieso!

Worauf können sich die Leute bei euch einstellen?

Äh, wir werden so drei Typeninnenen auf der Bühne sein, mit ein bisschen Instrumenten, und wir werden zwischen den Bumbumbatzbumbums unsere Messages in die Crowd spreaden... Oder so... Keine Ahnung... Wenn nichts Unerwartetes dazwischen kommt, kann man sich bei uns tendenziell auf gute Laune einstellen. Und auf Schnaps.

Von Stefan Gohlisch


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