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02.03.2016, Schauspielhaus, Hannover, Interview mit Reinald Grebe zu Anadigiding 3

Reinald Grebe© Sielski

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NP-Interview

Grebe über "Die Welt von morgen"

Es geht zurück in die Zukunft: Mit „Die Welt von morgen“ schließt Kabarettist Rainald Grebe jetzt sein dreiteiliges Theaterlangzeitprojekt „Das Anadigiding“ am Schauspiel Hannover ab.

Wir treffen uns zum dritten Mal, um über das „Anadigiding“ zu reden, und eigentlich gibt es nur drei Fragen: Wie haben Sie sich verändert? Wie hat sich die Welt verändert? Wie hat sich Ihr Blick auf die Welt verändert? Der Rest sind Varianten.
Das stimmt. Ich habe auch in der Vorbereitung gemerkt, wie schwierig es ist, wieder auf die große Bühne zu gehen, die auch ähnlich aussieht, und das Thema zieht Kreise. Am Anfang dachte ich: Wiederholung, Wiederholung, Wiederholung ... Aber erstaunlicherweise - und das ist wirklich erst ein Produkt der Endproben - gibt es doch wieder viel Neues zu erzählen. Und ich habe ganz viel gelernt; das war ja auch Sinn der Sache.

Was haben Sie zum Beispiel gelernt?
Ich habe selber von Technik wenig Ahnung. Ich wusste wenig wenig von Virtual Reality, hatte nie eine Datenbrille auf oder davon, wohin 3-D-Druck führt. Die Vorbereitung war eine einzige Druckbetankung mit Informationen. Das Konzept des Stückes ist eigentlich eine Zukunftsmesse; aber in Wahrheit ist es eine Gegenwartsmesse. Das reicht schon.

Warum ist das im Theater erzählenswert?
Die große Schwierigkeit, die ich habe, ist es, wissenschaftliche Themen für die Bühne aufzubereiten. Das herunterzuladen auf die alte Dinosaurierkunst Theater ... Das widerspricht dem eigentlich.

Was erzählen Sie?
Es ist ein Messerundgang, und man erfährt etwas über sehr viele Bereiche. In manche schaut man nur kurz rein, bei anderen verweilt man und schaut sie sich länger an. Wir machen aber auch Zeitreisen. Darum gibt es zum Beispiel auch eine Zukunftsmesse im alten Rom. Es gibt eine Ernährungshalle, in der es zum Beispiel um Veganismus geht, aber auch um Fleisch aus Stammzellen, so dass man dann doch wieder mit einer Rinderherde die ganze Menschheit ernährt ... Mein Ziel ist es, nur ein bisschen an der Realität zu drehen. Beispiel Sprachsteuerung: Vielleicht spricht man wirklich in ein paar Jahren mit seiner Wohnung - aber wenn man das ernst nimmt: Was macht das mit einem? Das ist alles so sehr ans Jetzt gebunden. Auch alle Experten, mit denen wir gesprochen haben, sagen: Wir haben keine Prognosen. Wir wissen nicht, was in mehr als drei Jahren passiert.

Wie beim Wetter?
Ja. Manchmal braucht es nur einen kleinen entscheidenden Durchbruch, und dann hat jeder zuhause einen 3-D-Drucker stehen. Oder aber das passiert nicht, und dann steht so ein Gerät nur einem speziellen Copyshop.

Welche Prognose treffen Sie?
Gute Frage. 3-D-Druck fand ich tatsächlich interessant, weil es im Zweifelsfall die ganze Weltwirtschaft verändern kann.

Mit einem iTunes für Gegenstände?
Ja, und zwar Gegenstände jeder Art. Man kann inzwischen Häuser drucken. Aber worum sich der Abend letztlich immer wieder dreht, ist die Frage: Und was ist mit dem Menschen? Wird er ersetzt?

Offenbar nicht: Es gibt ja Schauspieler ...
Tja, es gibt ja Prognosen, welche Berufe es noch halbwegs gut haben. Da scheint der Schauspieler dabei zu sein. Noch. In Japan gibt es schon virtuelle Popstars.

Sind wieder Spezialisten auf der Bühne?
Diesmal nicht. Aber es gibt einen Seniorenchor, was ich beim Thema Zukunft interessant war. Es gibt Schauspieler, den Klaus-Dieter-Werner, der schon beim ersten Mal dabei war und es gibt einen DJ, der in einer Zeitmaschine sitzt. Mit Vinyl.

Was hat Sie in diesen drei Jahren Arbeit am „Anadigiding“ am meisten fasziniert?
Dass es wirklich solche Unterschiede in den Genres gibt: Technik und, nennen wir sie mal so, Nerds auf der einen, Theater auf der anderen Seite. Das wird mich noch weiter beschäftigen. Diese Mentalität von Technikleuten: „Alles ist lösbar.“ Diese Idee, dass einem die Welt einfach gehorcht, die ist uns am Theater eher fremd; uns geht es um Zufall, Unlogik, Unschärfen. Ein Programmierer sieht die Welt anders. Und ich sitze lange nachts da und grübele: Wie kriege ich dieses eine komplizierte Thema in ein schlichtes Theaterbild. Das ist Hannover für mich.

Wie nehmen Sie denn Hannover wahr? Bei unserem ersten Gespräch waren Sie verwundert, was es hier alles gibt und was hier alles erfunden wurde.
Jetzt darf ich nichts Böses sagen, oder? Aber was mir aufgefallen ist: Hannovers Hauptbahnhof ist der einzige in ganz Deutschland, in dem sich die Einwohner freiwillig aufhalten und sogar verabreden. Das verstehe ich nicht.

Hat sich das Arbeiten an einem Langzeitprojekt bewährt?
Auf jeden Fall. Es geht auch noch weiter: mit einem großen Abschlussfest im Herbst, ein Wochenende mit allen Stücken, Experten und Spektakel, wo das ganze Haus bespielt wird.

Was nehmen Sie mit heraus? Ich sehe Sie erstmals mit Laptop unterm Arm?
Ich habe Viren, denn ich war im Darknet unterwegs. Seitdem geht es dem Laptop nicht so gut.

"Das Anadigiding III: Die Welt von morgen" - ab 10. März im Schauspielhaus.


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