Navigation:
Regisseur Semih Kaplanoglu.

Regisseur Semih Kaplanoglu.© dpa

Berlinale

Goldener Bär für türkischen Film „Honig“

Es ist eine poetische Reise durch die Seele eines Kindes. Mit dem türkischen Film „Honig“ hat ein Werk von bezwingender Schönheit den Goldenen Bären der 60. Berlinale gewonnen. Regisseur Semih Kaplanoglu zeigt sensibel und spannend Momente einer Kindheit im ländlichen Anatolien.

Der sechsjährige Yusuf wächst von den Eltern behütet auf, doch in der Schule hat es der stotternde Junge schwer. Er zieht sich immer mehr zurück und lebt in einer ganz eigenen Welt. Eines Tages verschwindet sein Vater, als er seine Bienenkörbe in einer schwer zugänglichen Gegend aufstellen will.

Nicht persönlich konnte am Sonnabend der in der Schweiz unter Hausarrest stehende Roman Polanski seinen Preis entgegennehmen. Er wurde für seinen US-Politthriller „Der Ghostwriter“ mit dem Silbernen Bären für die beste Regie geehrt. Stattdessen schickte er eine etwas zynische Botschaft: „Selbst wenn ich gekonnt hätte, wäre ich nicht gekommen. Denn als ich das letzte Mal zu einem Festival gekommen bin, um einen Preis entgegenzunehmen, bin ich im Gefängnis gelandet.“ Polanski droht in den USA ein Prozess wegen Vergewaltigung, derzeit läuft ein Auslieferungsverfahren.

Die Deutschen gingen bei den Bären leer aus. Stattdessen lieferte Oskar Roehler mit seiner Kolportage „Jud Süß - Film ohne Gewissen“ den Aufreger des Festivals. Immerhin erhielt der Episodenfilm „Shahada“ des Deutsch-Afghanen Burhan Qurbani über junge Muslime in Berlin den Preis der Gilde Deutscher Filmkunsttheater.

„Honig“ zeigt bedrohte Lebenswelt

In „Honig“ spielt die von Zerstörung bedrohte Natur eine der Hauptrollen. Der 46-jährige Kaplanoglu hat bewusst auf Musik verzichtet. Das Rauschen der Bäume, Vogelgezwitscher, Bienensummen und das Kratzen der Stifte der Schulkinder sind der „Soundtrack“. Nach „Ei“ und „Milch“ ist „Honig“ der Abschluss einer autobiografisch geprägten Trilogie über Menschen, die von und mit der Natur leben. Der Blick auf das scheinbar Private zeigt, wie sich das Leben durch das Verschwinden traditionellen Handwerks massiv verändert.

„Diesen Film haben wir in einer Region inmitten einer Natur gedreht, die unglaublich ist - doch die Natur dort könnte zerstört werden, weil dort Kraftwerke gebaut werden sollen“, sagte der Regisseur. Der Preis solle dazu beitragen, die Natur dort zu retten.

„Mich interessiert die Seele des Menschen, sein Geist“, sagte Kaplanoglu im Interview. „Ich frage, was damit passiert in unserer Gegenwart. Nehmen wir als Beispiel die Industrialisierung: Sie schenkt uns viel und sie nimmt uns auch viel. Wie verändert das unser Leben? Es ist selbstverständlich auch eine politische Frage“, so der Regisseur. „Ich blicke mit meinem Wissen des Erwachsenen durch die Augen eines Kindes, das Momente erlebt, die unwiederbringlich sind.“

Verdient ging der Goldene Bär nach 46 Jahren wieder in die Türkei. „Während der Dreharbeiten waren wir im Wald, und nur 10 Meter von uns entfernt war ein Bär, der Honig aus Bienenstöcken holen wollte. Als er uns sah, flüchtete er - aber ich glaube, jetzt ist er hier“, meinte der Regisseur mit Blick auf den Goldenen Berlinale-Bären.

Die Darstellerpreise gingen an Schauspieler, die Menschen in extremen Situationen porträtieren. In Koji Wakamatsus Antikriegsfilm „Caterpillar“ (Raupe) spielt die Japanerin Shinobu Terajima sehr präsent und expressiv eine junge Ehefrau, die ihren aus dem Zweiten Weltkrieg ohne Arme und Beine zurückkehrten Mann pflegt. Das fällt ihr nicht leicht, denn ihr Mann hat sie in der Vergangenheit sadistisch gequält.

Den Preis für die besten männlichen Darsteller teilen sich die Russen Grigori Dobrygin und Sergej Puskepalis. Sie spielen in Alexei Popogrebskys „How I Ended This Summer“ (Wie ich diesen Sommer zu Ende brachte) zwei Männer auf einer einsamen Wetterstation in der Arktis. Für seine Kameraführung in dem Film erhielt Pavel Kostomarov einen Silbernen Bären für eine herausragende künstlerische Leistung.

Der Preis für das beste Drehbuch ging an den chinesischen Regisseur Wang Quan’an, der mit seiner Tragikomödie „Tuan Yuan“ (Getrennt zusammen) die Berlinale eröffnet hatte. Er erzählt von einem Ex-Soldaten, der einst vor den chinesischen Kommunisten nach Taiwan floh und bei einer Reise in die alte Heimat seine ehemalige Geliebte wiedertrifft.

Zur siebenköpfigen Jury unter Vorsitz von Regisseur Werner Herzog gehörten auch Hollywoodstar Renée Zellweger und die deutsche Schauspielerin Cornelia Froboess. Sie wählten mit sicherem Gespür einen beeindruckenden Bären-Gewinner aus, der bei Publikum und Kritik zu den Favoriten gezählt hatte.

dpa


Bildergalerien Alle Galerien
Anzeige
Finden Sie, dass es im Stadion Bereiche geben soll, in denen Pyro erlaubt ist?

Alles über Hannover 96

Spielberichte, Hintergründe, Analysen - lesen Sie hier alles über Hannover 96.

Bilder des Tages

../dpa-InfoLine_rs-images/large/urn-newsml-dpa-com-20090101-140912-99-04060_large_4_3.jpg

Waschtag: Ein niederländischer Kavallerist wäscht zum «Prinsjesdag» den Schweif seines Pferdes. Foto: Martijn Beekman

zur Galerie