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EIN GROSSER AN DER GITARRE: Steve Hackett belebt die frühen Genesis-Stücke, arbeitet aber auch an Solo-Projekten.© Tina Korhonen

NPInterview

Gitarrist Steve Hackett über seine Genesis-Tournee und Wiedervereinigungspläne

Lang, episch, vertrackt: So klangen Genesis, als ihr Gitarrist zwischen 1971 und 1977 Steve Hackett hieß. Mittlerweile ist der 65-Jährige zu einer Art Erbverwalter des Genesis-Vermächtnisses der progressiven Ära geworden.

Nicht nur erweckt er die alten Meisterwerke in Konzerten zum Leben. Auch sein Solo-Schaffen knüpft daran an, wie er nun auf Tour vorführen will - am 29. September ist er im Aegi-Theater.

Mr. Hackett, auf Ihrem aktuellen Album „Wolflight“ stößt man auf zwei Merkwürdigkeiten. Erstens haben Sie in erster Linie vor Sonnenaufgang komponiert, in der Wolfsstunde. Warum schlafen Sie da denn nicht?

Ich neige tatsächlich dazu, früh aufzuwachen. Doch ich halte die Nacht ohnehin für eine sehr produktive Tageszeit. Vor allem im Winter, ich mag diese tiefe Dunkelheit. Es ist übrigens auch eine gute Zeit, um die Lieder zu üben. Und die zweite Merkwürdigkeit?

Sie touren seit gut zwei Jahren mit der frühen Genesis-Musik durch die Welt - und spielen an vielen Orten, an denen Sie mit der Band in den 70ern nie auftraten. Merken Sie das an den Reaktionen im Publikum?

Der Gedanke ist jedenfalls faszinierend. Ich glaube, die Musik von Genesis lebt in der Zuneigung vieler Hörer. Gerade auch dort, wo die Leute nie der damaligen Bandbesetzung ausgesetzt waren: etwa in Ostdeutschland oder auch Südamerika. Als wir die Lieder schrieben, hatten wir keine Ahnung, wie lange sie überleben würden. Keiner von uns dachte, ein Teil der Musikgeschichte zu werden. Das war kompletter Zufall, um ehrlich zu sein. Ich selbst mag Genesis nach wie vor sehr. Die langen und komplexen Lieder erzählen Geschichten und lassen auch für instrumentale Erkundungen Raum. Die Gitarre besitzt darin ebenso eine Stimme wie der Mensch.

Bevor Genesis 2007 als Erfolgstrio der 80er Jahre auf Tour ging, war eine Wiederbelebung der früheren Fünferkonstellation im Gespräch. Hat es Sie geärgert, dass es nicht dazu kam?

Tatsächlich bestand eine der Ideen auf dem Tisch darin, „The Lamb Lies Down on Broadway“ als Musical aufzuführen. Vermutlich hätte sich Peter wieder mit der Band eingelassen, wenn der Idee mit großem Enthusiasmus begegnet worden wäre. Aber sie wurde damals abgelehnt. Nicht von mir. Ich glaube immer noch, dass sich der Stoff sehr gut für ein Musical eignen würde. Es ist bei Genesis nun mal leider fast unmöglich, zu fünft eine Entscheidung zu treffen, die konstruktiv in die Zukunft reicht. Da ist es leichter, Sachen zu machen, die in die Vergangenheit blicken, gelegentliche Kompilationen. Hier und da mal ein Interview zusammen. Aber auf neue Musik konnten wir uns bisher nicht verständigen.

Woran liegt das?

Einzelne - ich nenne jetzt keine Namen - sind selbst sehr mächtig geworden. Es ist, wie getrennte Fürstentümer zu bewegen, ihre Grenzen einzureißen, die Waffen zusammenzulegen und wieder zusammen im Chor zu singen. Die Realität ist, dass das nicht passiert. Dabei gab und gibt es Momente, in denen wir uns gegenseitig helfen, manchmal auch unsichtbar. Doch da ist eine Scheu, das offiziell zu machen. Es ist merkwürdig. Mit Genesis zu tun zu haben, ist manchmal ein bisschen, wie für den Geheimdienst MI 5 zu arbeiten. Persönlich wäre ich sehr glücklich, der Leim zu sein, der die Ideen aller zusammenklebt. Jederzeit. Vielleicht wird es eines Tages doch noch möglich sein, aber in der Zwischenzeit befasse ich mich lieber mit anderen Dingen und anderen Leuten. Manchmal auch mit der Musik von Genesis, die ich liebe. Ich kann mit ihr sehr viel flexibler umgehen, wenn sie von den ganzen bandpolitischen Fragen befreit ist.

"Steve Hackett presents Genesis" ist am 29. September ab 20 Uhr im Aegi-Theater (Tickets in den NP-Ticket-Shops; 38,75 bis 61,75 Euro).

Visitenkarte

Geboren am  12. Februar 1950 in London. Der Gitarrist wurde 1971 aufgrund einer Zeitungsanzeige Mitglied bei Genesis, zusammen mit Schlagzeuger Phil Collins. 1975 veröffentlichte er sein erstes Soloalbum. 1977 stieg Hackett bei Genesis aus, widmete sich seiner Solokarriere und gründete 1985 mit dem Ex-Yes-Gitarristen Steve Howe die Supergroup GTR. Hackett veröffentlichte auch Alben mit klassischer Gitarrenmusik und ist seit 2013 auf der "Genesis Revisited Tour".

Die Genesis-Story

Die Genesis-Besetzung ab 1971: Sänger Peter Gabriel, Keyboarder Tony Banks, Bassist Mike Rutherford, Schlagzeuger Phil Collins und Gitarrist Steve Hackett.
1976 verließ Peter Gabriel die Band, 1977 folgte Steve Hackett.
 Danach biegt Genesis erfolgreich auf die Pop-Straße ein
Um ein Weltmusik-Projekt Peter Gabriels vor dem Ruin zu retten, findet im Oktober 1982 in Milton Keynes das bislang einzige Reunion-Konzert in Ur-Fünfer-Besetzung statt.
2007 geht Genesis auf Tour – mit Collins, Banks und Rutherford, aber ohne Gabriel und Hackett.


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