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EIN PUBLIKUMSLIEBLING IM BOXRING: trollmann (Hannes Wegener, links) tritt gegen Eder (Erik Felle) an.

EIN PUBLIKUMSLIEBLING IM BOXRING: trollmann (Hannes Wegener, links) tritt gegen Eder (Erik Felle) an.© unknown

Filmkritik

"Gibsy" - Geschichte eines Boxers

Johann Rukeli Trollmanns letzter Kampf. Eike Besuden erzählt in „Gibsy“ die anrührende Geschichte eines Boxers aus Hannover.

Die traurige Geschichte des Profiboxers Johann Rukeli Trollmann bietet Stoff für anrührendes Kino: Der Junge aus Hannover stieg in den 20er Jahren zum Publikumsliebling auf, 1933 wurde er deutscher Meister. Doch da war der Frauenschwarm den neuen Machthabern um Adolf Hitler schon ein Dorn im Auge, denn er war Sinto. Das Doku-Drama „Gibsy - die Geschichte des Boxers Johann Rukeli Trollmann“ setzt dem mutigen Kämpfer ein Denkmal.

Ein „Zigeuner“ durfte unter den Nazis nicht deutscher Meister sein, eine Woche nach dem Gewinn wurde ihm der Titel wegen angeblich „unsauberer Methoden“ wieder aberkannt. Aus Protest trat der Boxer im Sommer 1933 als Karikatur eines sogenannten Ariers in den Ring: die Haut weiß gepudert, die Haare blond gefärbt, mit der Aufschrift „Gibsy“ auf der Hose. „Ich werde deutsch boxen“, kündigt der 25-Jährige (Hannes Wegener) an. Die Mutter (Hannelore Elsner) kommentiert den Akt des Widerstands gegen die Nazis später so: „Er hat sie wenigstens einmal ausgelacht, als er nichts mehr zu lachen hatte.“ Eine halbe Million Sinti und Roma brachten die Nazis um. An diese lange vergessenen Opfer des Rassenwahns erinnert erst seit September ein Denkmal in Berlin. Dank des Engagements einer Berliner Boxpromoterin wurde der Halbschwergewichtler Trollmann 2003 wieder in die offizielle Riege der deutschen Meister aufgenommen. Vor knapp drei Jahren hatte das Theaterstück „Trollmanns Kampf“ in Hannover seine Uraufführung.

Eike Besudens Doku-Drama berührt ohne Effekthascherei. Historische Aufnahmen zeigen das Leben der Sinti in Hannovers Altstadt, wo heute eine Straße nach Trollmann benannt ist. Zwei Neffen erinnern sich an ihre Begegnungen mit dem Helden der Familie. Daneben zeichnet der Film anhand von Zeitungsartikeln, Karikaturen und Propagandaaufnahmen nach, wie der Rassismus Alltag in Deutschland wurde.

Trollmann heiratete eine Berlinerin und wurde Vater einer Tochter, doch zum Schutz seiner Familie ließ er sich scheiden. Der Boxer flüchtete nach Hannover, versteckte sich, meldete sich zur Wehrmacht und kämpfte an der Front. Von 1941 an wurden alle Sinti aus der Armee entlassen, Trollmann wurde ins KZ Neuengamme bei Hamburg deportiert, wo er den SS-Männern Boxunterricht geben musste. Beim Training prügelten die Aufseher den geschwächten Häftling regelmäßig. Die Umstände seines Todes sind nicht vollständig geklärt. Wahrscheinlich wurde er 1944 im Außenlager Wittenberge erschlagen.

Bewertung: 4/5

Heute Abend (17.1.) bei der 20.30-Uhr-Vorstellung im Hochhaus zu Gast: Regisseur Eike Besuden, die Darsteller Hannelore Elsner, Hannes Wegener und Trollmann-Tochter Rita Vowe.


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