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Kultur Gerd Schmidt Vanhove im Sprengel Museum
Nachrichten Kultur Gerd Schmidt Vanhove im Sprengel Museum
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14:18 14.08.2018
Hintersinnig: „Die Frage der Bildsprache“ heißt die Arbeit von Gerd Schmidt Vanhove, die Skulptur befindet sich in Privatbesitz. Quelle: Foto: Neuenhausen
Hannover

Der kleine Kopf blickt den Betrachter durch das dicke Glas der Vitrine freundlich an und verkündet, worauf es in der Kunst ankommt. Es ist eben alles eine „Frage der Bildsprache“.

Und die von Gerd Schmidt Vanhove ist multilingual, der Hainholzer Künstler spricht in Malerei, Skulptur, Materialcollage, Aktion und Konzept, wie die von Sprengel-Direktor Reinhard Spieler ansprechend kuratierte Ausstellung im Sprengel Museum zeigt.

Die am gestrigen Dienstag eröffnete Schau ist gleichzeitig die erste Präsentation des Künstlers, der aus der Schule von Siegfried Neuenhausen kommt, gut drei Jahrzehnte in der Kornbrennerei gearbeitet hat und ein ebenso überraschendes, umfängliches wie unbekanntes Werk hinterlassen hat. Wegen einer Lähmung musste der 67-jährige Bildhauer und Maler 2017 in ein Pflegeheim umziehen.

Die Ausstellung mit dem schlichten Titel „Skulpturen und Malerei“ konzentriert sich unter anderem auf die Bezüge zum großen Vorbild, das auf einer der facettenreichen Material-Collagen den Betrachter von einem Drehelement direkt anlächelt: Kurt Schwitters ist nicht nur in einem Werk der Referenzpunkt für GSV. Wie eine winzige Litfaßsäule windet sich eine hochstehende Walze mit den bekannten Schwarzweiß-Porträts des Hannover-Dadaisten. Titel der Arbeit: „Schwitters’ Dreh“. Typisch für Vanhove: In dem Kunstgerät sind Trafo und Kabel demonstrativ zu erkennen, Abfall unserer technisierten Zivilisationsgesellschaft, der damit zur höheren Ehre kommt.

Kleber, Gips, Farbe, Elektromotoren, Glühlampen lassen grotesk-alptraumhafte Fantasiewelten entstehen. Und dann ist da eine Art Telegraf zu sehen, der auf Papier eine Art SOS-Botschaft an alle sendet: „Dada, Dada, Dada ...“

Oder da sind die Hommagen an die anderen Großen der Bewegung – wie das mit Fell überzogene Teegeschirr, das Dada-Frau Meret Oppenheim gewidmet ist, die mit ihrer Fell-Tasse Kunstgeschichte geschrieben hat.

Mentor von Gerd Schmidt Vanhove (der Zusatz ist sein Künstlername) ist Kunstprofessor Siegfried Neuenhausen, der diese Arbeiten in den Bereich der „Outsider-Kunst“ einordnet. Die beiden kennen sich seit 1982 aus einem Kunstprojekt mit der Psychiatrie Wunstorf.

Vanhove blieb danach in Verbindung mit Neuenhausen, studierte in Braunschweig an der Hochschule der Bildenden Künste, besuchte vor allem die technischen Ausbildungsangebote und weniger die der freien Kunst, und kam danach in die Kornbrennerei, die für viele andere junge Künstler zum Sprungbrett wurde. Entstanden sind seitdem hunderte Zeichnungen, unzählige Skulpturen in einer 50 Quadratmeter kleinen, tiefer gelegten Wohnung auf dem Vanhove’schen Ateliergelände in Hainholz. Gelagert werden sie hier in verschiedenen Kellern.

Viel Aufhebens um sein Werk machte GSV nie, verkaufte kaum etwas, konnte also trotz seines immensen Arbeitspensums von seiner Kunst nicht leben. Er arbeitete als nächtlicher Barkeeper im Café Glocksee und gestaltete es mit aus; das auch insofern zum Künstlercafé wurde.

Läuft bis zum 7. Oktober.

Von Henning Queren

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