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Kultur Gerald Scarfe im Museum Wilhelm Busch
Nachrichten Kultur Gerald Scarfe im Museum Wilhelm Busch
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00:25 28.05.2018
Böse gezeichnet: Die Queen. Quelle: (c) Wilhelm Busch Museum
Hannover, Hannover

Die frischeste Arbeit ist nicht seine böseste: Meghan und Harry hat Gerald Scarfe gestrichelt, frisch im Flugzeug mit nach Hannover gebracht und im Museum Wilhelm Busch aufgehängt. Das präsentiert unter dem Titel „Porträts & Karikaturen“ seine „Big Heads – von Richard Nixon bis Donald Trump“.

Er ist einer der führenden Karikaturisten Großbritanniens und kommentiert und karikiert Politiker und Prominente für Tageszeitungen wie Time, Punch oder Sunday Times. Und da alles, war die Welt oder eben ihn bewegt. Zur Zeit ist es natürlich Donald Trump, den er als Zertrümmerer der USA sieht. Aber auch die Vorgänger hat er nicht geschont – wie Bill Clinton, dem ein erigierter Fahnenmast mit US-Banner meterlang aus der Hose ragt. Oder Bush, der die bekannte Folter-Figur aus Abu Ghraib als Aufsteller auf dem Schreibtisch hat.

Scarfe legt die Eigenschaften der Porträtierten in die Physiognomie, übertreibt die Eigenheiten, bis die Persönlichkeit erkennbar wird. So deppert hat man den durchgeknallten Brit-Außenminister Boris Johnson selten gesehen. Ein wenig Angst hatte Scarfe mit einer Merkel-Karikatur... ob wir Deutschen das denn Aushalten könnten. Die Präsentation hatte er zu Disposition gestellt. Merkel als dummes Muttchen, unter hinter ihr erhebt die alte-neue Rechte ihr garstiges Gesicht. Aber kein Problem, das Museum Wilhelm Busch versteht als Ort der Freiheit, so Direktorin Gisela Vetter-Liebenow.

Was auch die zweite Ausstellung im Obergeschoss beweist – mit ebenfalls teils heftigen Sachen: „Große Nase, dicker Bauch“ bringt Porträtkarikaturen von 1700 bis heute – zeigt Clinton, Jupp Derwall, Gerhard Schröder, Karl Marx undundund...

Very british, höflich und sehr bestimmt: Gerald Scarfe (Foto) – er entwarf das Cover zur Pink Floyds „The Wall“ – im NP-Interview.

Mr. Scarfe, gibt es für Sie Grenzen?

Nun, ich bin mein Leben lang dabei, diese Grenzen immer weiter zu schieben, pushen, pushen, pushen... Die Gesellschaft erweitert ihre Grenzen auch immer weiter, heute akzeptiert man immer mehr. Ich gehe dabei immer weiter. Da bin ich wie ein ungezogener Schüler.

Was würden Sie niemals zeichnen?

Ich würde niemals Personen wegen Ihrer Religion oder Sexualität angreifen. Trotzdem: Alles was ich sagen will, kann ich sagen.

Wie schätzen Sie Deutschland in Sachen Karikatur ein?

Ich glaube, bei Ihnen ist nicht so viel möglich wie bei uns. Generell muss möglich sein, alles zu kritisieren, wir leben in einer freien Gesellschaft.

In Deutschland ist zur Zeit eine Karikatur zu Netanjahu sehr umstritten...

Wenn er als Regierungschef karikiert wird, okay. Wenn er als Jude karikiert ist, no way.

Wie sind Sie zur Karikatur gekommen?

Ich kam krank auf die Welt als Asthmatiker. Ich musste immer im Bett liegen und zeichnete und zeichnete – und konnte so überleben und die schwarzen Geister bannen. So konnte ich meine Gefühle ausdrücken.

Wurde auch etwas nicht gedruckt.

Nun ja, wenn es etwas explizit war, mit Sex zu tun hatte. Aber das auch immer weniger.

Wer inspiriert sie im Moment?

Donald Trump ist zur Zeit meine Muse, zur Zeit der furchtbarste Zeitgenosse.

Von Henning Queren

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