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16:32 11.03.2018
Schöne Schuhe: Hana Miletic hat einen Jugendlichen gebeten, seine umfangreiche Sneaker-Sammlung für sie abzulichten. Dazu läuft auf einem Plattenspieler eine limitierte LP.
Hannover

Das war ein guter Jahrgang, 1938 wurden viele gute Fotografen geboren. Das feiert das Sprengel Muse­um mit einer ebenso bemerkenswerten wie durchdachten Schau: „1938. Geburtstagsfest mit Gästen“ – wobei die Gäste jüngere Fotografen sind, die in einen mehr oder weniger intensiven Kontakt mit den Jubilaren treten.

Das kann manchmal sehr direkt passieren, wie bei der Kombination Helga Paris und Hana Miletic. Hat die Ältere (Helga Paris) Kindergesichter in Berlin-Hellersdorf abgelichtet, nähert sich Miletic auf ganz andere und sehr vermittelte Art fotografisch einem jungen Thema: Sie hat in „The Molem Collective“ einen belgisch-marokkanischen Jugendlichen aus einem Problemviertel dazu ge­bracht, seine Sammlung von 24 Paar Turnschuhen abzulichten – Nahaufnahmen, zu deren Betrachtung ein harter Beat von einem Plattenspieler angeboten wird.

Ähnlich wundersame Korrespondenzen entstehen bei der Kombi Daido Moriyama und Delia Jürgens. Der alte Japaner ist einer der bedeutendsten Fotografen seines Landes und mit seinen bekannten krisseligen Schwarzweißfotos dabei. Die junge Hannoveranerin hat Stoff-Installationen aufgebaut, die durch ihre melierten Oberflächen die Körnigkeit von gepushten Fotoabzügen aufnehmen. Heinrich Riebesehl ist mit seinen berühmten „Menschen im Fahrstuhl“ vertreten, fotografiert im Anzeiger-Hochhaus. Ihm gegenüber steht das Video des jungen Arne Schmidt, gedreht am späteren Verlagsgebäude in Kirchrode – Titel: „Der Preis des Aufstiegs“.

Und es geht auch noch hintersinniger, wenn die Fotos von Josef Koudelka vom „Prager Frühling“ 1968 eine Vorstufe zum Untergang des staatlich organisierten Sozialismus dokumentieren – und gleich gegenüber das junge koreanische Künstlerduo Young-Hae Chang Heavy Industries eine reine Buchstabenprojektion laufen lässt, die eine Rede von Kim Jong Il imaginiert – in der der Diktator die Überlegenheit des Sozialismus allein durch bestimmte Sexpraktiken erklärt: „Cunnilingus in Nordkorea.“

Ein bisschen erotisch ist auch Boris Mikhailov unterwegs, der sich unter dem Titel „I Am not I“ in großformatigen Selbstporträts mit einem Dildo in allerlei Posen präsentiert. Das Künstlerduo Beep Off hält dagegen mit dem „Limbulator“ – einer Wundermaschine, die unsere Endorphin-Produktion anregen soll. Und als schöne Ergänzung zeigt das Sprengel Museum um 1938 entstandene Bilder von Max Ernst, Paul Klee und Kurt Schwitters.

Von Henning Queren

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