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PARTNER: Die Rapper Xatar (links) und Haftbefehl veröffentlichen heute ihr gemeinsames Album „Der Holland-Job“.© Paul Zinken

Rap

Gangsterrapper Haftbefehl und Xatar machen gemeinsame Sache

Xatar hängt in einem Berliner Hotel - Präsidentensuite, natürlich - auf dem Sofa und isst Trauben. „Boah, lass Wellness machen“, sagt der 34-Jährige. Sein Offenbacher Kollege Haftbefehl antwortet: „Ich hab Bock zu spazieren.“ Wie gefährlich sind die beiden Gangster-Rapper eigentlich, die heute als Duo Coup ihr erstes gemeinsames Album „Der Holland-Job“ veröffentlichen?

Berlin. „Wir sind sehr gefährlich, deswegen ist es auch gut, dass ihr Furcht habt vor uns“, sagt Xatar, „wir können vom einen auf den anderen Moment voll ausrasten und alles aus dem Fenster schmeißen.“ Kurze Pause: „Natürlich ist das nicht so. Wir sind ganz normal.“

Sicher? Xatar saß wegen eines Überfalls auf einen Goldtransporter mehrere Jahre im Gefängnis. Haftbefehl wählte seinen Namen, weil die Polizei ihn suchte. Die beiden haben aber viele Erklärungen, warum manche sie für gefährlich halten. Nummer eins: Lautstärke. „Wir sind gewohnt, zu Hause laut zu reden“, sagt Haftbefehl, „wenn ein Deutscher laut wird, dann ist er sauer. Aber wir? Wir reden einfach so.“

Nummer zwei: Aussehen. „Bei uns in der Heimat sieht man so aus“, sagt Giwar Hajabi alias Xatar. Der Bonner hat iranische und kurdische Wurzeln. „Da sieht auch ein Botaniker so aus wie ich. Oder der größte Spießer. Aber hier - das kennt man aus Filmen - denkt man eher, dass wir böse sind. Weil wir ein bisschen größer und markanter aussehen, wir Ausländer.“

Nummer drei: „Dazu kommt noch unsere kriminelle Vergangenheit“, erklärt Xatar. Früher seien sie auf der Straße unterwegs gewesen: „Und da kannst du nicht auf höflich machen in manchen Situationen, sonst überlebst du nicht. Mehr sag ich dazu nicht.“

Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien indizierte ein älteres Album Xatars und stufte den Inhalt als „verrohend“ ein. Dagegen feiern Fans seine Songs und posten bei Facebook zum Beispiel „allergeilstes Video wallah“. Haftbefehl nennen viele seiner Anhänger liebevoll nur „Hafti“. Nicht nur in Offenbach und Berlin-Neukölln. Rap kommt oft von unten, von da, wo Menschen sich abgehängt fühlen - und erzählt von anderen Lebensrealitäten als denen der Oberschicht.

Haftbefehl hat mal das Lied „CopKKKilla“ gemacht. Heute, wo in den USA über Polizeigewalt gestritten und auf Polizisten geschossen wird, ein heikles Thema. „Ich habe selber Polizeigewalt am eigenen Leib gespürt“, sagt der 30-Jährige heute, „und was in Amerika grad abgeht, ehrlich. Auch in der Türkei - wie sich Polizisten dem Volk gegenüber verhalten -, das ist für’n Arsch.“

Haftbefehl und Xatar be-schäftigen sich auf dem neuen Album zwar viel mit Geld („500, die Zahl auf meinen Banknoten“), Drogen, Frauen und Bling-Bling, aber der erste Song, den sie von der neuen Platte ausgekoppelt haben, ist politisch. „AFD“ ist ein Lied, in dem sich die beiden für Flüchtlinge einsetzen: „Flüchtlinge sichern Oma einfach die Rente.“

Warum wählen Leute die AfD? „Erst mal ist es so, dass sie das Versagen anderer Parteien ausnutzen. Und zweitens ist es populistisch“, sagt Xatar. Manche Fans reagierten nicht so gut auf den Song: „So was will keiner hören“, sagt Xatar. Gemacht haben sie es trotzdem.

Morgen, 13.8.,  sind die beiden live in Hannover zu sehen: beim „Hangover Jam“ auf der Gilde-Parkbühne (Festivalbeginn: 12 Uhr). Karten (38,75 Euro) gibt es in den NP-Ticket-Shops sowie unter

tickets.neuepresse.de

VON JULIA KILIAN


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