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DIE BAND: (von links) Rainer Schumann, KaiWingenfelder, Christoph Stein-Schneider, GeroDrnek, Thorsten Wingenfelder, Christian Decker.

DIE BAND: (von links) Rainer Schumann, Kai Wingenfelder, Christoph Stein-Schneider, Gero Drnek, Thorsten Wingenfelder, Christian Decker.© Frank Wilde

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Hannover

Furys sind zurück im Studio

Es war eine Sensation: Im nächsten März geben Hannovers Rockhelden Fury in the Slaughterhouse noch einmal drei exklusive Konzerte. Jetzt ist klar: Es wird neue Songs geben. Seit Mittwoch sind die Musiker wieder im Studio. Für die Aufnahmen haben sie sich das Magic Mile Studio in Badenstedt ausgesucht.

Hannover. Volker Pape sieht aus wie ein ausgesprochen zufriedener Mensch: „Eigentlich ist das hier nur mein Jugendtraum“, sagt er. Das klingt beinahe entschuldigend, doch das Gesicht von Pape strotzt vor Stolz: In seinem Studio, dem Magic Mile Studio in Badenstedt, nehmen seit gestern Fury in the Slaughterhouse neue Songs auf. Dass die Band, die es eigentlich gar nicht mehr gibt, das tut, ist für ihre Fans eine mittelschwere Sensation. Dass sie es hier tut, ist für Magic Mile ein Meilenstein.

Dass es dazu gekommen ist, ist so eine typische Geschichte der guten Beziehungen, wie sie so wohl nur in Hannover funktioniert. Die Pressearbeit für das Studio und das angegliederte Platten-Label macht Peter Staade, früher erst die gute Seele des „Bei Chéz Heinz“, später Booker der Faust, insgesamt eine der wichtigeren Gestalten der hiesigen alternativen Szene. „Peter und ich kennen uns seit Jahren“, erzählt Fury-Gitarrist Christoph Stein-Schneider: „Er hat mir gesagt, ich soll mal rumkommen. Was ich hier gesehen habe, hat mich umgehauen.“

300 Quadratmeter ist das Studio groß, mit drei ineinander verschachtelten Aufnahmeräumen (was gewährleistet, dass man einander sehen kann, auch wenn man in unterschiedlichen Bereichen ist), dazu eine Probenbühne. Das Studio ist eine aufwendige und teure, aber nicht unübliche Raum-in-Raum-Konstruktion, bei der der Hauptteil in der Fassade schwebt, wegen der Schwingungen.

All das ist an dieser Stelle der Stadt nicht unbedingt zu erwarten. Das Studio selbst befindet sich inmitten eines Industriegebiets, zwischen Rollläden-Anbietern und Auto-Zulieferern, auf dem Grundstück der Firma Viscom, deren Vorstand Pape ist und die Inspektionssysteme für die Elektroindustrie herstellt. „Das war mal ein Hobbyprojekt“, sagt er - aber mit vollem Ernst betrieben. Zwei Angestellte hat die Firma, die Geschäftsführung teilt sich Pape mit Oliver Oppermann von der Bandakademie. Vor bald zwei Jahren eröffnete das Studio, es wurde schon genutzt von Bands wie den Hemden, Fairytale und A Kew’s Tag.

Fury ist der größte Brocken; das gibt überregionale Aufmerksamkeit. Deren Mitglieder richteten sich gestern erst einmal ein. Bis Dienstag wird aufgenommen. „Wir müssen das hier mal ein bisschen einleben“, sagt Stein-Schneider und schnuppert - es riecht immer noch nach frischer Farbe. Und Schlagzeuger Rainer Schumann: „Genau, die Ecken ein bisschen rund spielen.“

Drei Songs stehen auf dem Programm, die in den vergangenen Monaten entstanden. Sänger Kai Wingenfelder macht klar: „Ein Album wird es nicht geben.“ Was mit den nun entstehenden Liedern geschieht, ist noch völlig unklar. Anzunehmen ist jedenfalls, dass sie nächstes Jahr bei den exklusiven Fury-Konzerten (siehe unten) gespielt werden.

Die Musiker machen alle ihre eigenen Sachen, und es geht ihnen gut dabei. So düste Stein-Schneider noch gestern Nachmittag schnell zu einem Gig mit seiner neuen Band, den Wohnraumhelden; sein Kompagnon Fabian Schulz alias B-Man Mayor wird die Lieder produzieren. An die Feinarbeit daran geht es im Time-Tools-Studio von Fury-Bassist Christian De-cker. Die Wingenfelder-Brüder Kai und Thorsten sind mit ihrem Projekt gut unterwegs.

„Das Tolle ist ja, dass wir das hier nicht machen müssen“, so Stein-Schneider: „Aber es fühlt sich gut an.“ Viel sei geklärt, verjährt, „eine Menge Zorn ist verraucht“. Und während sie fröhlich schnacken, wie ein eingespieltes Team die Gesprächsfäden weiterreichen, bauen sie die Instrumente auf, stimmen sie, beseitigen technische Probleme. Profis, tiefenentspannte Profis. Diese Band muss niemandem mehr etwas beweisen; das spürt man.

Die Fotografen haben die Musiker für ein abschließendes Gruppenfoto zusammengetrommelt. Der Studiobesitzer fläzt sich im Vorraum auf einer Ledercouch. „Vergangenes Jahr bin ich 60 geworden; das ging noch. Kurz später kamen die Unterlagen für den Seniorenbeirat; das war hart“, sagt er und fügt lächelnd hinzu: „Früher habe ich immer von einer Karriere in der Musik geträumt. Es fühlt sich gerade so an, als hätte ich nur 30 Jahre Pause gemacht.“


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