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Interview

Frida Gold über ihr neues Album und die Tour

Angekommen: Alina Süggeler und Andi Weizel von der deutschen Elektropop-Band Frida Gold erzählen, wie sie sich bei der Arbeit am Album „Alina" selbst gefunden haben.

Frau Süggeler, das neue Album heißt „Alina" wie Sie auch. Auf den Cover-Fotos und im Video zu „Langsam" sind Sie nackt – eine Selbstentblößung, auch im übertragenen Sinn?
Alina Süggeler: Ja. Wir konnten in den vergangenen zwei Jahren mit ein wenig Distanz auf das schauen, was uns wichtig ist, was wir mit Frida Gold erlebt haben, wo unsere Reise gestartet ist, wo wir jetzt stehen. Wir sind schnell zu dem Punkt gekommen, dass wir – und insbesondere ich – gewisse Facetten bisher nicht gezeigt haben. In das neue Album sind wir mit dem Gefühl gestartet, dass alles, was Alina ist, auch Frida Gold sein darf. Darum ist es so persönlich geworden.

Was ist denn die Essenz von Frida Gold?
Süggeler: Ich glaube, vor allem immer Neugier und Mut. Der Mut, Dinge zuzulassen. Nur Intuition führt zu Kunst, darum steht Intuition über allem.

Gehören zu den Dingen, die Sie zulassen, auch Zweifel, oder verbieten die sich als Künstler?
Süggeler: Wenn man auf der Bühne steht, sollte man nicht mehr zweifeln. Aber auf dem Weg dorthin lassen einen Zweifel vor allem wachsen.

Zu der Vorgeschichte von „Alina" gehört ein fertiges englischsprachiges Album, das nie erschienen ist. Wie fügt sich das ein?
Andi Weizel: Es war auf jeden Fall ein ganz wichtiger Schritt auf dem Weg zu dem jetzigen Album. Nach „Liebe ist meine Religion" sind wir ganz frisch in den Schreibprozess eingestiegen, und die Lieder, die entstanden, waren halt auf Englisch. Und wir dachten, gut, wenn das jetzt so ist, dann gehen wir diesen Weg, und haben das Album auf Englisch fertiggestellt, aus voller Überzeugung – und haben schnell festgestellt, damit kriegen wir keinen Austausch mit den Fans hin, wir finden auf dem Markt auch keinen Platz. Es war wohl nicht der richtige Moment – was nicht heißt, dass wir nicht megastolz darauf sind. Natürlich war das erst einmal ein Schlag.

Abgesehen von der damaligen Single „Run Run Run" ist „Alina" völlig eigenständig?
Süggeler: Nein, wo es Sinn ergab, haben wir Lieder übersetzt. Letztlich ist es ein guter Mix geworden.

Gehört die Entscheidung, sich für „Langsam" auszuziehen, auch zu dem allgemeinen Prozess der Selbstentblößung?
Süggeler: Definitiv. Wir wollten eine Übersetzung des Liedes in die klarsten Bilder, die zu meinen Worten passen. Und die Ge-schichte hängt nun einmal an mir. Wir haben das auch auf anderen Plattformen thematisiert, sind zum Beispiel in sehr offenen Kontakt mit unseren Fans auf Facebook getreten. Und das Schöne war: Genauso viel Offenheit, wie wir gaben, kam auch zurück.

Es ist ja auch keine sexuell aufgeladene Nacktheit, sondern eine sehr verletzliche. Aber ich kann mir vorstellen, dass es das nicht gerade einfacher macht ...
Süggeler: Nein. Aber wenn wir uns bewusst für etwas entscheiden, sind wir damit auch sehr klar. Ich war von dem Schritt überzeugt. Es fühlte und fühlt sich richtig an.

Wie biografisch arbeiten Sie?
Süggeler: Ich arbeite nur aus mir heraus, versuche, meinen Platz in der Welt zu verstehen und auszudrücken. Das ist das Ehrlichste, was ich kommunizieren kann.

Sie singen in „Ich hab Angst", Sie bräuchten jemanden, der „Tonnen Kraft und zehn Sonnen voll Licht" habe. Die Pointe ist hier zwar, dass Sie das in sich selber finden, aber: Ist das das Anforderungsprofil?
Süggeler: Es gibt doch immer wieder diese Momente, in denen man ein wenig Kraft braucht. Dann kann man seinem Gegenüber sagen: „Ich brauche gerade Tonnen Kraft von dir, weil ich nicht weiß, wie ich es sonst schaffen soll." Ich bin in meinem Beruf sehr selbstbestimmt, aber als Privatperson habe ich nicht immer die gleiche Stärke. Und ich musste auch lernen, das zu adressieren.

Gilt das auch für eine musikalische Partnerschaft?
Weizel: Absolut, da erst recht.

Süggeler: Gerade in so einem kleinen Team. Das funktioniert fast automatisch, dass, wenn der eine einen schlechten Tag hat, der andere übernimmt.

Wie funktioniert der kreative Prozess bei Ihnen?
Weizel: Das ist schon ein sehr impulshafter Austausch. In den meisten Fällen legt Alina eine Text-, Melodie-, Song-Idee vor, und dann gehen wir in den Prozess und die Ausarbeitung. Manchmal liefere ich auch einfach etwas. Es geht um Impulse, Überraschungen, Ideen. Denn manchmal kommt man nicht aus seiner Komfortzone heraus, da ist es wichtig, dass jemand anderes einen auf einen neuen Weg bringt. Ein falsches Ego ist da nicht angebracht.

Wohin soll es gehen?
Süggeler: Wir haben jetzt erst einmal einen guten Boden geschaffen für alles, was noch kommen wird, und das ist ein total schönes Gefühl. Wir haben bisher immer sehr nach den Sternen gegriffen. Jetzt sind wir geerdet. Wenn man die Dinge auf das Wesentliche reduziert, entsteht neuer Raum. Es kann wieder losgehen.

NFO:

 Alina Süggeler und Andi Weizel sind Frida Gold. Julian Cassel und Thomas Holtgreve, mit denen sie 2007 die Band gründeten, sind nur noch als Tourmusiker dabei. Den Durchbruch hatten die Elektropopper 2010 mit der Single „Zeig mir wie du tanzt“. Die Alben „Juwel“ und „Liebe ist meine Religion“ folgten. Danach begann die Arbeit an einem englischsprachigen Album, das wegen geringer Resonanz auf die Vorabsingle „Run Run Run“ nie erschien. Stattdessen kam in diesem Jahr „Alina“. Die 31-jährige Süggeler ist außerdem als Model aktiv, wurde von dem Heft „Grazia“ zu einer der zehn schönsten Frauen der Welt gekürt und saß 2013 in der Jury des Eurovision Song Contest.


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