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FORTSETZUNG: Der Schwede Fredrik Backman widmet seinen neuen Roman „Britt-Marie war hier“ einer Nebenfigur aus seinem Bestseller „Oma lässt grüßen und sagt, es geht ihr gut“.© Gaby Gerster

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Literatur

Fredrik Backmans neuer Bestseller-Roman „Britt-Marie war hier“

Britt-Marie schreibt Listen. Zivilisierte Menschen machen das nun einmal so. Britt-Marie führt sogar eine Liste über all ihre Listen, um den Überblick zu behalten, Vielleicht tut sie es auch, weil sie sich sonst kaum einschreibt in diese Welt. Das aber tut Bestseller-Autor Fredrik Backman.

„Britt-Marie war hier“ heißt dieser neue Roman des Schweden. Er führt eine bereits begonnene Geschich-te vor: Britt-Marie ist die Meckerziege aus seinem letzten Bestseller „Oma lässt grüßen und sagt, es geht ihr gut“. Die Meckerziege. Eine resolute Verliererin. Die Spießerin, die so lange willentlich die Augen davor verschloss, dass ihr angehimmelter Mann Kent sie betrog, bis es nicht mehr ging.

Nun steht sie da, ohne Mann, ohne Bleibe, ohne Arbeit. Die Frau vom Arbeitsamt vermittelt sie genervt ins triste Kaff Borg, wo es nichts mehr gibt, als Hausmeisterin des Jugendzentrums, das auch bald geschlossen werden soll. Dort macht Britt-Marie das, was sie immer tat: Sie räumt auf. Doch weil ihr dabei noch ein schmutziger Haufen kindlicher Fußballspieler vor die Füße rollt, taut sie auf, langsam und nachhaltig.

Britt-Marie ist keine Wiedergängerin der anarchistischen Großmutter aus dem Vorgängerroman. Eher ähnelt sie dem inzwischen auch zu Filmehren gelangten „Mann namens Ove“ aus Backmans Debüt. Eine zuvor Unsichtbare beginnt, Spuren zu hinterlassen - auch das schreit nach einer Verfilmung. Vor allem aber ist es perfekte Urlaubslektüre (wenn auch keine hohe Literatur).

Es ist ein Bildungsroman, erzählt mit den Mitteln des Boulevard, zum Teil grenzwertig wertkonversativ, motiviert von dem Traum eines funktionierenden Miteinanders und dabei mit so viel aufrichtiger Herzenswärme und Lebensklugheit erzählt, dass man versteinert sein muss, um davon nicht berührt zu werden. Edelkitsch - mit Betonung auf „edel“.

Es ist außerdem eine Fußball-Geschichte. Das ist dieser Tage durchaus opportun, kann aber auch generell nicht schaden. Sönke Wortmanns „Das Wunder von Bern“, Sjöwall-Wahlöös „Foul Play“, Nick Hornbys „Fever Pitch“ - es gibt sonst nicht viele erzählerische Werke, die diesen Sport als Daseinsmetapher begreifen, dafür massenweise miese Baseball-Filme. Backman fügt dieser Liste nun ein weiteres Werk hinzu.

Fußball, heißt es darin, bitte nicht darum, geliebt zu werden: „Man weiß einfach nicht, wie man sich dagegen wehren soll.“ Und das gilt auch für das Leben.

Fredrik Backman: „Britt-Marie war hier“. Krüger, 384 Seiten, 19,99 Euro.

Bewertung; 5/5


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