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Konzert

Frech und versaut in Linden: NoFX auf der Faust-Wiese

Endlich mal wieder Rock in Linden und endlich mal wieder großer Punk-Rock in Hannover. Auf die Glocke und direkt ins Herz – „NoFX auf unserer Punkrock-Wiese!“, jubeln die Veranstalter vom Kulturzentrum Faust. Und tatsächlich, die Hardcore-Legende NoFX aus Los Angeles ist selten genug in Deutschland, und nun spielt sie in der Landeshauptstadt.

Hannover. Das Open-Air-Festival mit ihren
Special Guests und kalifornischen Kollegen Good Riddance und Pennywise ist schon lange ausverkauft. Knapp 5000 Punk-Fans, bunte Leute und düstere Gestalten, junge und alte Lindener haben sich auf der Wiese an der Ihme versammelt, und wer keine Karte mehr ergattern konnte, sitzt mit Freunden und Dosenbier außerhalb der Umzäunung. Dabei sein ist alles, das Mittendrin wird überbewertet.

Der Himmel reißt immer mal wieder auf, es regnet ab und zu, doch Punkfans sind nicht aus Zucker, sondern aus Leder, Stiefeln und Nieten. Und auch die Haarfarbe bei den Musik-Fans ist nicht wasserlöslich.

„The Hepatitis Bathtub Tour and Book Signing“ nennen NoFX ihre Konzertreise. Appetitlich und ansprechend, wie der Bauch von „Fat Mike“. NoFX heißt Punk-Spaß, Underground-Riffs und eine wilde Bühnenshow. Die Gitarrenakkorde sind verdammt schnell gespielt, Drummer Erik ackert wie eine Punk-Dampfmaschine auf Hochtouren. Mikes Gesang ist schnoddrig, er spuckt seine Texte durchs Mikrofon, die Songs sind meistens so schnell vorbei, wie sie begonnen haben.
„Fuck the Kids“, „I Wanna Be an Alcoholic“, „Six Years on Dope“ oder „The Separation of Church and Skate“ – die Trennung von Kirche und Skateboard, frech und versaut. Man versteht nicht immer alles, man weiß aber, NoFX haben es faustdick hinter
ihren Ohren. Seit 1983 gibt es die Kombo. Sie provoziert, wo es geht, NoFX sind die Außenseiter der amerikanischen Gesellschaft, Punk heißt ihr Schicksal. Und ihr „American Dream“ ist kein Kind von Traurigkeit.

Im Mai verkündete Bassist und Sänger „Fat Mike“ in den US-Medien: „I detoxed, but I’m going back to drugs and booze!“ – einen Entzug hatte er gerade hinter sich gebracht, aber klar ist auch, er wird mit Drogen und Alkohol weitermachen. Eine Kampfansage an die Yuppie-Kultur und den Fitness- und Jugendwahn.

Die Fans können unterdessen nur schwer zu viel trinken, an den Bierständen ist bisweilen langes Anstehen angesagt. Und auch der Einlass dauerte seine Weile. „Punk in Drublic“ heißt dabei NoFXs Skatepunk-Klassiker. In Hannover ist auch noch das schlechte Wetter ein Spielverderber. Ihre gut 90-minütige Show macht trotzdem Spaß. Der Sound ist ein wenig zu leise, im schlammigen Moshpit spielt das aber keine große Rolle.

Kai Schiering


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