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Schillernd: Sängerin Nina Hagen.

Schillernd: Sängerin Nina Hagen. © Daniel Bockwoldt

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Frauenpower hoch drei - Der Nina-Hagen-Clan

"Wir lieben uns von Herzen, aber wir verkörpern drei unterschiedliche Welten" - so beschreibt die Schauspielerin Eva-Maria Hagen (80) gern ihre Familie. Sie selbst, einst als "Brigitte Bardot der DDR" gefeiert, ist als Darstellerin und Sängerin, Autorin und Künstlerin ein Multitalent.

Berlin. Tochter Nina (60) avancierte mit schrillen Auftritten und ihrer orgelnden Vier-Oktaven-Stimme zur Ikone der Punk-Bewegung. Und Enkelin Cosma Shiva (34) hat sich - trotz einer "Hassliebe" zum Job, wie sie sagt - längst einen Ruf als ernstzunehmende Schauspielerin erarbeitet. Zusammen erzählt das Leben der drei Frauen die deutsch-deutsche Geschichte.

Eva-Maria Hagen, 1934 als Kind von Landarbeitern in Hinterpommern geboren, verliebt sich mit gut 30 in Ost-Berlin Hals über Kopf in den regimekritischen Liedermacher Wolf Biermann. Zu der Zeit ist sie bereits eine der populärsten Schauspielerinnen der DDR, nicht zuletzt wegen ihres Dauererfolgs als Blumenmädchen Eliza im Musical "My Fair Lady".

"Eva war eine Art sozialistisch gereinigte Marilyn Monroe, eine schöne junge Frau, die von der Filmindustrie als, versteht sich: fortschrittliche Sexbombe den Arbeitern und Bauern der DEFA serviert wurde", erzählte Biermann später. "Nun hatte sie sich mit dem Staatsfeind eingelassen und ließ sich durch keine Drohung der Stasi und mit keinem Karriere—Köder von dieser Liaison Dangereuse abbringen."

Als Hagen 1976 öffentlich gegen die Ausbürgerung Biermanns protestiert, wird sie nach jahrelanger Stasi-Überwachung fristlos entlassen und mit Berufsverbot belegt. Mit ihrer Tochter Nina folgt sie dem früheren Lebensgefährten nach Hamburg, wo sie bis heute lebt. Die Liebe ist zerbrochen. Doch für Nina Hagen bleibt Biermann auf ewig "der schönste, der klügste und der allerbeste deutsche Alfa-Wolf", wie sie ihm zum 70. Geburtstag 2006 schreibt.

Auch Nina war wegen der Beziehung ihrer Mutter ins Visier der Stasi geraten, durfte nicht wie erhofft auf die Schauspielschule. Stattdessen wird sie als Musikerin mit Schlagern wie "Du hast den Farbfilm vergessen" zu einer Kultfigur der DDR-Jugend. Später im Westen macht sie als schrille Punklady mit Löwenmähne und Reizwäsche Karriere. Seit dem legendären Debüt "Nina Hagen Band" (1978) hat sie bis heute fünfzehn eigene Alben herausgebracht.

Während eines mehrjährigen Aufenthalts in den USA kommt 1981 Tochter Cosma Shiva zur Welt - Vater ist der früh an seiner Heroinsucht gestorbene Musiker Ferdinand Karmelk. Mit 12 zieht das Mädchen zur Oma, mit 13 steht sie erstmals vor der Kamera, mit 17 überzeugt sie als junge Jüdin Ilonka im TV-Dreiteiler "Der Laden".

Seither hat sie ohne viel Aufhebens in mehr als drei Dutzend Filmen mitgewirkt, als Model, Galeristin und DJane gearbeitet. "Vielleicht möchte ich leise sein, weil meine Mutter immer so laut war", sagte sie kürzlich dem Magazin "Emotion".

Derzeit will keine der drei Frauen über die Chemie im Familientrio sprechen. "Darüber haben wir doch schon x-mal geredet", sagte Nina Hagen der dpa. Nie machten die Drei einen Hehl daraus, dass es zwischen ihnen manchmal auch gehörig scheppert. "Es knallt oft, weil wir alle drei sehr selbstständig und selbstbewusst sind. Darin ähneln wir uns sehr", verriet Cosma Shiva der "Für Sie".

So musste Großmutter Eva-Maria Hagen ihr Erinnerungsbuch "Evas schöne neue Welt" im Jahr 2000 zurückziehen, weil Tochter Nina sich in ihrer Privatsphäre verletzt fühlte. Umgekehrt machte Nina in ihrer Autobiografie "Bekenntnisse" (2010) der Mutter Vorwürfe, nicht genug für sie dagewesen zu sein.

Doch die Familienbande sind stärker. Bald traten beide wieder traut vereint mit Brecht-Liedern im Berliner Ensemble auf. Mutter Nina und Tochter Cosma waren gemeinsam in den "7 Zwerge"-Filmen von Otto Waalkes zu sehen. Und im vergangenen Jahr gab es sogar eine Ménage-à-trois: Zu dritt synchronisierte der Hagen-Clan den 3D-Animationsfilm "Die Biene Maja" - Cosma als liebe Kassandra, Nina als böse Gunilla und Eva-Maria, wie kann es anders sein, als weise Königin.

dpa


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