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MUSIK UND STIMMUNG: Frank Turner erscheint ganz adrett im weißen Hemd im Capitol.© Behrens

Pop

Frank Turner begeistert im ausverkauften Capitol

Zwei riesige Boxen, mit dickem Plus- und Minus-Zeichen versehen, stehen rechts und links auf der Bühne im ausverkauften Capitol. Man muss lachen und denkt an Neil Young und sein „Rust Never Sleeps“-Album-Cover. Der irritierte mit haushohen Verstärkern auf der Bühne. Doch Frank Turner und seine Band spielen nicht unter einem Vergrößerungsglas, Turners neues Album heißt „Positive Songs for Negative People“, und die Boxen symbolisieren Batterien.

Hannover. Oder auch Puls und Herzschlag, Yin und Yang, Plus und Minus, so wie das Leben eben ist. Den Fans ist das herzlich egal, sie haben seine Botschaft schon lange verstanden. Turner bedankt sich während des Auftritts bei den „1811 Zuschauern, die gekommen sind“. Und die sind schon ordentlich angetörnt. Heute zählen nicht „Sound and Vision“, sondern Musik und Stimmung.

Der 34-jährige Brite ist glaubwürdig und charismatisch, jung und gutaussehend, seine Songs - mit so lustigen Titeln wie „Reasons Not to Be an Idiot“ oder „Long Live the Queen“ - stehen für attraktiven und zeitgemäßen Folk-Punk-Rock. Obwohl: Für Folk-Musik fehlt es an Flöten und Dudelsäcken, für Punk sind die Lieder einfach viel zu sauber und gut eingespielt, und Rock kann es auch nicht sein, dafür vermisst man langatmige Gitarrensoli.

The Sleeping Souls heißen seine Mitstreiter, doch die sind gar nicht schläfrig, sondern ähnlich agil wie der tätowierte Schlaks und Songwriter Turner. Seinen Titel „Eulogy“, spielt er in einer deutschen Fassung: „Nicht jeder ist geboren, um zum Mond zu fahren, nicht jeder ein Genie wie Freddie Mercury“. Witzig - und es stimmt auch noch: Jeder kann sich dessen Musik anhören. Das gilt aber ebenso für die Sleeping Souls, und genau darum geht es Turner. Seit zehn Jahren beackert er nun die großen Themen des Lebens, bis 2005 spielte und schrie er in der Punkband Million Dead, seit der Trennung ist er solo unterwegs.

Erfolgreich, steht er doch an der Spitze einer neuen Welle des Folk. Dass der Barde 2009 sein erstes Deutschland-Konzert in Hannover gab, ist dabei mehr als eine Randnotiz.

Am frühen Abend, vor seinem Capitol-Gig, spielte der Engländer auch deshalb eine Gratis-Show im hannoverschen Plattenladen 25 Music. Als Dankeschön und gute Werbung, das Musikgeschäft war proppenvoll.

Im weißen Hemd, die Ärmel hochgekrempelt, stürzt sich Turner in seine Songs, reißt an der Gitarre, brüllt mit einer faszinierenden Stimme seine Lyrik über die Menge. Die Fans pogen und tanzen, kennen die Texte, singen mit, lieben ihn einfach. Das ist greifbar. Nach knapp zwei Stunden ist Schluss mit Turner, schweißgetränkt geht es in die Nacht.

Bewertung 4/5

VON KAI SCHIERING


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