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Frank Schätzing bei seiner "Limit"-Lesung am Montagabend im Aegi-Theater.

Frank Schätzing bei seiner "Limit"-Lesung am Montagabend im Aegi-Theater.© Behr

Lesung

Frank Schätzing geht im Aegi-Theater ans Limit

Gehören Sie zu denen, die bei dem Wort „Lesung“ spontan zu Staub zerfallen? Frank Schätzing bringt zu „Limit“ die Action-Lesung ins Aegi-Theater – eine Buch-Show mit Spezialeffekten.

Von Matthias Halbig

Hannover. Eine Lesung ist ein Tisch, ein Stuhl, ein Wasserglas, eine Seltersflasche, ein Buch, ein Autor, viel Räuspern, Hüsteln, Rascheln, ab und zu aufbrausende Klingeltöne vergessener Handys, „sch…!“. Eine Lesung ist auch eine Handbreit Pop: den treffen, der es ersonnen hat. Meist sind Autoren aber eher Schuhgucker, nicht gern vor Publikum, vielleicht auch vom Verlag gezwiebelt. Eher Indie-Pop also.

Bei Frank Schätzing ist eine Lesung Glamour. Er verliebte sich als Teenager in die Glamrock-Queen Suzi Quatro und verehrt bis heute David Bowie, der die Popgattung mit den Schnöselgitarren ins Künstlerische erhob und den er in seinem Science-Fiction-Buch „Limit“ auch als Figur untergebracht hat. Eine Lesung mit Frank Schätzing ist entsprechend nicht das alte Tischstuhlwasserdings, sondern die U2-Variante davon. Mit selbstkomponiertem Soundtrack. Wenn der lostönt, kann sich jedes Handy ungehört heiser klingeln.
Kein Holo-Dichter

Dunkel wirds in der AWD-Hall. Auf der großen Leinwand: der Weltraum, unendliche Weiten, wir schreiben das Jahr 2025. Im 1300-Seiter „Limit“ gehts – wir berichteten bereits – um ein Wettrennen zur Mondausbeutung, um den Energielieferanten Helium 3, um Spionage, Eros und Tod. Spacige Bilder (von ZDF und „National Geographic“) und Musikbombast verwirren kurz: Ist man hier im Kino? Dann ist der Dichter da – kein Hologramm, der echte Schätzing. Er hat ein E-Book, ein blaues Lämpchen und liest vom Display das Intro des Romans, Märchen von morgen: Es war einmal in naher Zukunft. „Trauen Sie keinem“, sagt er später verschmitzt, „der Ihnen erzählt, wie es im Jahr 2025 aussehen soll.“

Frank Schätzing sieht gut aus, und wie er sich bewegt, federnd, tigrig, weiß er das auch. Maximilian Schell meets Kris Kristofferson, im Foyer fühlt sich eine alte Dame an Luis Trenker erinnert – tja, eher daneben. Des Dichters größter Traum war mal, Rockstar zu werden.

Und jetzt hat er sich das erfüllt. Die Gitarre fehlt noch. Aber das Mikrofon ist da, seine Stimme würzt die Luft, leicht angenuschelt, die Leute sind in ihrem Bann und staunen über das zugehörige Brimborium. Da gibts doch glatt eine erfundene Nachrichtensendung aus der „Limit“-Welt, in der vom Weltraumlift des Buchs die Rede ist, vom Rohstoffkrieg zwischen den USA und China. Live-Schaltung in die Raumstation. Sapristi! Und 2025 wird die Bibel verfilmt, Heesters ist dabei, wer sonst, der Unsterbliche. Kein so guter Gag wie der von den leuchtenden Hauskatzen. Gelacht wird trotzdem. Auch über Erektionslosigkeit in der Schwerelosigkeit.

Dann spricht der Autor noch mit seinen Helden. Im Cyber-Detektiv Owen Jericho erkennt man Jan Josef Liefers, die noch wenig bekannte Milena Karas spielt auf dem Screen die Dissidentin Yoyo. Das alles wirkt im flockigen Plauderton total echt, Live-Talk mit der Zukunft. Schätzings Ich-Show, das räumt man gern ein, macht Spaß. That’s Literatainment!

Und jetzt? Muss jetzt der Uwe Tellkamp die „Turm“-Show nachziehen, der Kehlmann mit Humboldt (Tom Cruise) und Gauß (Uwe Ochsenknecht) konferieren? Nein, vielleicht muss das ja Frau Meyer mit ihren Vampiren und Werwolf-Indianern.

Aber auch der Pop-Fan geht nicht nur zu U2-Konzerten. Und der Geldbeutel ist langfristig glücklicher mit Tischstuhlwasserdingsen für sechs Euro statt mit nur noch Buchshows für 25.

Bewertung: 4/5.


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