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Starke Bilder: Szene aus „De-Apart-Hate“.

Starke Bilder: Szene aus „De-Apart-Hate“.
 © John Hogg

Kultur

Festival Theaterformen: Zuschauen und mitmachen

Der Besucher als Voyeur und als Akteur: Das Festival Theaterformen lotet weiter aus, was im darstellenden Spiel möglich ist.

Hannover.  Tschechows „Drei Schwestern“ als Teegesellschaft im Industriegebiet Leinhausen („Tri Sestre“), blinde Führungen durch die Stadt („Walk, Hand, Eyes (Hannover)“) oder ein Kampfsport der Geschlechter und Generationen („Portrait of Myself as my Father“) – das Festival Theaterformen hat am Wochenende weiter abgeklopft, was die Bühnen der Welt zu bieten haben. Wie weit das Spektrum ist, zeigte sich beispielhaft bei zwei Produktionen im Ballhof.

Im Ballhof zwei geht es um „De-Apart-Hate“: Zwei Tänzer, Frau und Mann, als einziges Requisit eine bunte Bank, die sich als Wippe entpuppt, Symbol der 1994 unter Präsident Nelson Mandela so ausgerufenen „Regenbogennation“ Südafrika, die auch nie im Gleichgewicht war. Die Choreografin Mamela Nyamza aus Kapstadt und ihr Partner Aphiwe Livi verhandeln in ihrer Performance den Kampf gegen die Apartheit, von Geschlechterrollen, von sexuellen Stereotypen. Als einzige Worte Bibelverse voll rigider Moralvorstellungen. Die Hoffnung auf das Überwinden der Unterdrückung erweist sich als wackliges Konstrukt. Starke Bilder.

Und blickte gerade erst ein weißes Publikum fasziniert, rätselnd, erkennend auf schwarze Leiber, wird es wenig später im Ballhof eins selbst zum Akteur. Die Berliner Gruppe She She Pop dekliniert in „Oratorium“ mit hannoverschen Akteuren und den Besuchern das Wesen des Eigentums durch, von Selbstverwirklichung und Gemeinschaft. Die sprechen Worte nach, die in den Bühnenhintergrund projiziert werden, outen sich als Klassenkämpfer, Theaterwissenschaftler reiche Erben, Bedürftige oder gut situierte Rentner (schlecht situierte sind keine da), und verfallen am Ende in einen vielstimmig gesummten Chor der Solidarität. So hätte es Brecht gefallen – ein Lehrstück zwischen revoluzzerhaftem Hintersinn, Klassenfahrt und einer Prise Ringelpiez mit Anfassen. Der Chor der Theaterwissenschaftler hat im Stück gefragt nach dem „Theaterereignis, das über sich hinausweist“. In dieser Kooperation mit der Schau „Made in Germany Drei“ ist es durchaus zu finden.

Theaterformen: bis 18. Juni.

Von Stefan Gohlisch


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