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DA DAMPFT DIE BÜHNE: Jamie Bartlett spielt den Lehrer Harold Smith, der sich besonders für das Volk der Xhosa interessiert – und auch sonst ein wenig sonderbar ist. © Market Theatre

Theater

Festival Theaterformen: 6000 Besucher - Abwechslungsreicher Dreier zum Abschluss

Finale bei den „Theaterformen“: Am letzten Festivalwochenende gabs noch einmal drei Premieren zu sehen.

Die, das gehört hier zum guten Ton, eine höchst unterschiedliche Ästhetik boten. Die Bilanz: Von 7500 Karten wurden gut 6000 verkauft, die Auslastung lag bei 80 Prozent. Gut 4500 Gäste nahmen am Rahmenprogramm der Theaterformen teil.

„Wenn ich zurückkomme, bin ich ein anderer“ hat der Argentinier Mariano Pensotti sein Stück genannt, das im Schauspielhaus zu erleben war. Es geht um den Verlust von Idealen, sei es politischer, sei es künstlerischer Natur. Kunstvoll hat der Autor und Regisseur sein Beziehungsgeflecht zwischen den Figuren verwoben, das sich erst nach und nach enthüllt. Zwei gegenläufige Förderbänder transportierten sowohl Darsteller als auch Requisiten horizontal über die Bühne - schon logistisch eine Herausforderung.

Es gab Momente von schrägem Humor: Hier trat eine Transvestiten-Beatles-Coverband auf, dort wurde eine hoffnungsvolle Musikerin in einer TV-Show von einem argentinischen Äquivalent zu Dieter Bohlen heruntergeputzt. Sehr sympathische Inszenierung, die indes im sprachlastigen ersten Teil darunter litt, dass man sich gar zu sehr auf die Übertitel konzentrieren musste.

Bewertung: 4/5

Magische Szenen tags darauf in der Cumberlandschen Bühne. Fünf Darstellerinnen erzählten in „Employee of the Year“ die Lebensgeschichte von „J.“ auf der Suche nach ihrer Mutter. Was daran besonders ist? Die New Yorker Gruppe „600 Highwaymen“ hat ein Quintett von zehnjährigen Mädchen ins Rennen geschickt. Das ohne jegliche Requisiten und jenseits aller Putzigkeit das Publikum in seinen Bann zog. In kein bisschen kindlich anmutendem US-Slang erklangen Sätze wie „Es ist alles Verblendung“, „Ich hatte angefangen aufzuhören“ oder „Life is a mystery. Ich glaube, Madonna hatte Recht“, und die Girls schienen genau zu wissen, was sie da sagten.

Zuweilen kamen Bewegungsmomente ins Spiel, meistens abstrakte, aber auch schon mal eine höchst anrührende Trostgeste. Und schließlich waren berückend klar gesungene Lieder im Angebot. Man konnte massiv ins Grübeln geraten, was eigentlich Erwachsensein bedeutet. Irgendwie fast irreal - und schön zu sehen, wie zwei der Mädchen nach dem begeisterten Applaus ein High Five austauschten: Sie sind also doch von diesem Planeten.

Bewertung: 5/5

Auch das eher klassische Schauspiel hat bei den „Theaterformen“ seinen Platz, wie „Death of a Colonialist“ im Ballhof 2 bewies, ein Stück des Südafrikaners Greg Latter in der Regie von Craig Freimond. Hauptfigur ist der Lehrer Harold Smith, dessen Unterricht exzentrische Züge aufweist. Seine Leidenschaft gilt dem Volk der Xhosa - um genau zu sein, behandelt er nichts anderes, unabhängig von allen Vorgaben des Lehrplans. Dass er im Eifer des Gefechts schon mal Rituale der Körperbemalung demonstriert, lässt die Runzeln auf der Stirn des Schuldirektors keineswegs verschwinden.

In seiner Egozentrik merkt Smith nicht, wie ihm alles einschließlich der Familie entgleitet. Erst in der Katastrophe beginnt der durchgeknallte Lehrer zu begreifen. Feinstes Schauspielertheater, Jamie Bartlett war als Harold Smith ein regelrechtes Tier: Da dampfte die Bühne. Vielleicht ein Tick kitschig, das Ganze, aber unter dem Strich der würdige Abschluss eines Festivals.

Bewertung: 4/5


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